Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 75 (1931)
- Issue
- Heft 5
- Article
- Josef Horovitz zum Gedächtnis
- Date
- 1931-01-01
- Page
- Seite 327 (sequence 7)
- Language
- German
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327 zu bestätigen scheint, zusammen, mit peinlicher Methodik und mit Scharfsinn prüft er die so gesammelten Quellen und bringt sie zum Sprechen, und mit gerechtem und nie voreiligem Urteil zieht er seine alles Für und Wider abwägenden, aber doch stets bestimmt formulierten Schlüsse. Er erstickt nicht in Notizen, Lesefrüchten und gelehrtem Kleinkram, der aus den verschiedenen Kulturen systematisch und planvoll zusammengetragene Stoff gestaltet sich vielmehr durch seine Problemstellung, durch seine das Material zwar formende, aber doch nie vergewaltigende Konstruktion. Ebenso wie die Methodik seines Arbeitens war auch die Wahl seiner Themen menschlich bedingt. Daß eigenes Erleben ihn zur Erforschung der Frühgeschichte des Islam geführt hat, habe ich bereits vorhin vermutend angedeutet. Sein zartes Empfinden und seine Fähigkeit der Einfühlung in anderes Denken ließen ihn auch in der Wissen־ schaft nicht die groben, kompakten, gewissermaßen greifbaren Phänomene als Vorwürfe für seine Arbeiten wählen, er ging viel־ mehr den zarten Verästelungen nach, die von Stamm zu Stamm, von Volk zu Volk leiten, den feinen Fäden, die sich von Kultur zu Kultur spinnen. Eine der Fragen, mit denen er sich besonders liebevoll beschäftigte, war das Wandern der Volkspoesie und der Volkskunst. Ueber das Fortleben der derben antiken Volkskunst, der nachahmenden Posse des Mimus im Vorderen Orient hat er schon als junger Gelehrter geschrieben und ihre Spuren in der syrischen, arabischen und spät jüdisch-hebräischen Literatur nach־ gewiesen. Ebenso hat ihn das Problem der Entstehung und des allmählichen Wachsens der arabischen Erzählungen der 1001 Nächte von jung an bis in seine letzte Zeit stark beschäftigt. Nachdem er früher in eigenen Untersuchungen bewiesen hatte, wie einzelne dieser Erzählungen aus Spanien, andere aus den Kreisen jüdischer Konvertiten, wieder andere aus Persien in die große Sammlung eingedrungen waren, hat er vor kurzem zweimal, einmal im 23. Bande des hebräischen Jahrbuches Ha־Tekufa und das andere Mal in der von den Mohammedanern Indiens herausgegebenen Zeitschrift Islamic Culture, zusammenfassende Darstellungen von der Entstehung der 1001 Nächte gegeben. Es wäre ihm ein leichtes gewesen mehr zu produzieren als er produziert hat und schnell Bücher zusammenzustellen. Die Ehrfurcht vor der Wissenschaft und das Erfülltsein. von dem Ziele, das er sich für seine Forschung gesteckt hatte, verboten ihm das. In der Beschränkung, die er planvoll in mehr als drei Jahrzehnten geübt hat, wurde er zum Meister. Mit Ausnahme seines Indien- Werkes, das in einen ganz anderen Zusammenhang gehört, hat er nur über die Frühgeschichte des Islam und über 1001 Nacht größere wissenschaffliehe Untersuchungen und Abhandlungen veröffentlicht. Durch diese Selbstdisziplin, durch diese straffe, stets auf das Ziel gespannte Einstellung seines Schaffens hat er es erreicht, daß er selbst Schule gemacht und daß der Name Frankfurt eine besondere Tönung erhalten hat. Nur einmal hat er — wiederum ein Beweis seiner menschlichen Qualitäten — aus Pflichtbewußtsein eine größere Arbeit veröffentlicht, die ganz aus dem Rahmen seiner eigentlichen Studien heraus-