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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1931-01-01 · Heft 5 · p. Seite 326

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
75 (1931)
Issue
Heft 5
Article
Josef Horovitz zum Gedächtnis
Date
1931-01-01
Page
Seite 326 (sequence 6)
Language
German
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326 erste reife Frucht dieser Arbeiten geboten. Die erzählenden Ab־־ schnitte des Koran werden darin in formaler Analyse so scharf zergliedert, daß die verschiedenen, bei flüchtiger Lektüre des Koran fast synonym klingenden Worte und Begriffe eigenen Klang und eigenen Inhalt erhalten. Seine ebendort gebotene Prosopographie aller im Koran vorkommenden Eigennamen, ein Muster selbstloser, die Forschung zusammenfassender und weiterführender Arbeit, kann bei vielen Namen nachweisen, zu welchen Zeiten sie von Muhammed zuerst angewendet worden sind, und ob die Kenntnis von ihnen ihm von jüdischer oder christlicher Seite zugeflossen ist. In dem Jahrbuch des Hebrew Union College in Cincinnati hat er eine ausführliche Bearbeitung aller jüdischen Eigennamen und aller aus dem Hebräischen abzuleitenden Worte des Koran geliefert und in vielen Fällen zeigen können, welche jüdisch-religiösen Begriffe in welcher Gestalt und auf welchem Wege zu Muhammed gedrungen sind. In der Akademie für die Wissenschaft des Judentums ist unter seiner Leitung gerade in diesen Tagen nach achtjähriger Arbeit eine umfangreiche Untersuchung über die biblischen Erzählungen im Koran, von der Welt- Schöpfung bis Esra, von einem seiner Schüler fertiggestellt worden. Kleinere seiner Beiträge zur Erklärung des Koran finden sich an zerstreuten Stellen, so zum Beispiel eine Abhandlung über die koranisc-he Vorstellung vom Paradies in den Scripta der Universität Jerusalem und ein Aufsatz über die Himmelfahrt Muhammeds in der Zeitschrift ,,Islam“. Das von Jahr zu Jahr vertiefte Verständnis in das Werden und die Eigenart der Predigt Muhammeds ließ in Josef Horovitz den Plan reifen, einen vollständigen Kommentar zum ganzen Koran zu veröffentlichen, natürlich, wie anders bei ihm gar nicht zu erwarten war, erst dann, wenn die volle Reife die Ernte der Frucht gestattete. Weder diese Zusammenfassung seiner gesamten Forscherarbeit hat er erlebt, noch hat er an das andere große Werk herangehen können, das er für den Grundriß unserer Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaft des Judentums zu schreiben berufen war, eine Darstellung der Zusammenhänge und wechselseitigen Be- Ziehungen zwischen Judentum und Islam. Vor wenigen Monaten hat er gewissermaßen als kurze Skizze dieses gegenseitigen Gebens und Nehmens, das während eines Jahrtausends zwischen den beiden Religionen bestanden hat, den Artikel ,,Islam“ für die Encyclopaedia Judaica fertig abgeliefert, der in Kürze als posthumes Werk erscheinen wird. Ich sprach Ihnen eingangs von dem innigen Zusammenhang zwischen menschlichen und wissenschaftlichen Qualitäten; eine solche Verbindung besteht auch in anderer Hinsicht. Der Charakter ist das erste Erfordernis wissenschaftlicher Arbeit, besonders auf philologisch-historischem Gebiete, weil man hier stets auf die Arbeiten der Früheren bauen muß, um auf ihnen weiterbauen zu können, ohne doch jedesmal die Güte des verwendeten Materials und die Richtigkeit und Tragfähigkeit der Konstruktion nachprüfen zu können. Die Forschungen und Untersuchungen von Josef Horovitz sind ein Beispiel für zuverlässiges und verantwortungsvolles Arbeiten. Mit erstaunlicher Belesenheit und mit Wahrhaftigkeit trägt er alles nur auffindbare Material, auch wenn es nicht seine Theoreme

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