Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 75 (1931)
- Issue
- Heft 5
- Article
- Josef Horovitz zum Gedächtnis
- Date
- 1931-01-01
- Page
- Seite 325 (sequence 5)
- Language
- German
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325 leidenschaftlich hervorgestoßenen Sätzen bestehen oder aus längeren Ausführungen oder gar aus ruhigen Verordnungen und politisch gefärbten Polemiken, hat man drei mekkanische und eine medinische Periode seiner Reden unterschieden. Ueber die bestimmte Zuweisung einzelner Partien des Koran an eine oder die andere dieser Schichten herrscht aber Meinungsverschiedenheit, und zwar deshalb, weil die Diktion Muhammeds wenig bestimmt ist, nähere Bezeichnungen und besonders Namen von Zeitgenossen vermeidet und sich daher bei aller Verschiedenheit in ihrem feierlichen Pathos doch verhältnismäßig gleich bleibt. Die Aufgabe wird dadurch erschwert, daß die Aus- Sprüche Muhammeds in den Suren des Koran bruchstückweise ohne Rücksicht auf die Zeit ihrer Entstehung und ohne inneres Ordnungsprinzip aneinandergereiht sind. Dazu kommt, daß die maßgebenden islamischen Kommentatoren des Koran, denen sich die europäischen Biographen Muhammeds meistens angeschlossen haben, im Koran einen einheitlichen Kanon sehen und daher die etwa, erkennbaren Widersprüche und Verschiedenheiten in den Reden Muhammeds zu verdecken und auszugleichen bestrebt sind. Um an den Kern der Predigt Muhammeds vorzudringen, schaltete daher Josef Horovitz in seinen Untersuchungen diese einheimischen Erklärungen aus und versuchte, den Koran aus sich selbst und nur unter Zuhilfenahme zeitgenössischer oder wenig älterer Literaturdenkmäler zu verstehen. Auf solch sicherer Grundlage, mit dieser beinahe mathematisch exakten Methodik sind die Forschungen über den Koran vor ihm nicht getrieben worden. Er analysierte die einzelnen Worte der Suren grammatisch, lexikalisch, stilistisch und rhetorisch s o scharf, mit feinem Sinne für das Religiöse und das Spezifische des Stifters des Islam fühlte er sich in sein Ringen, seine Gewißheit, seine Zuversicht, sein Warnertum s o zart ein, daß der Text dem Religionshistoriker zu sprechen begann. Daneben wurde das jüdische und christliche Schrifttum, vor allem die aggadische Literatur, die er ausgezeichnet beherrschte, die byzantinischen Chroniken, die semitischen und griechischen Inschriften Vorderasiens, die südarabische Epigraphik ausgiebig herangezogen und nicht zuletzt die altarabischen Dichter, die vor Horovitz noch niemand in so umfassendem Maße für die Erklärung des Koran ausgenutzt hatte. Schon zu Anfang seiner Gelehrtenlaufbahn hatte er einen jüngeren Dichter der Omajjadenzeit, den schiitischen Tendenzdichter Kumait, herausgegeben, übersetzt und erklärt; durch die ganze Folgezeit hat er sich dann aber, ohne fürs erste etwas darüber zu veröffentlichen, mit den vorislamischen und den Muhammed zeitgenössischen Dichtem beschäftigt und ihre Diwane, die wahrlich nicht leicht zu lesen und zu verstehen sind, daraufhin durchgearbeitet, ob es ihm wohl gelänge, in ihnen irgendwelche sprachlichen oder inhaltlichen Zusammenhänge mit den Gedankengängen Muhammeds und des jungen Islam aufzufinden. Auch sein bereits in Ausführung befindlicher Plan der Schaffung einer Konkordanz der gesamten altarabischen Poesie, die er in dem Orientalistischen Institut der Universität Jerusalem herstellen ließ, entspringt denselben Motiven. Die Ergebnisse, die diese Studien in den alten Dichtern ihm gebracht haben, sind erstaunlich. In seinen 1926 erschienenen Koranischen Untersuchungen hat er die