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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1931-01-01 · Heft 4 · p. Seite 315

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
75 (1931)
Issue
Heft 4
Article
[Rezension]
Date
1931-01-01
Page
Seite 315 (sequence 3)
Language
German
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315 schon höchst problematischer Begriff — auszusagen. Wo Günther für das Wirken dieser ,,Rasseseele“ Beispiele beizubringen sucht, z. B. aus dem jüdischen Schrifttum, da schöpft er kaum aus erster Hand, und er übernimmt manche Entstellungen, die heute längst widerlegt sind. Es muß ferner darauf hingewiesen werden, daß Günther doch die Bedeutung der Umweltfaktoren für die Entwicklung der körperlichen und vor allem auch der seelischen Be־ schaffenheit des Menschen ungeheuer unterschätzt und auf Vererbung bezieht, was auf die Rechnung äußerer Einwirkung zu setzen ist. Wie sehr sich der Gesichts aus druck etwa — und nach diesem deutet Günther ja vielfach die Rassezugehörigkeit, wobei noch besonders zu bemerken ist, daß er sich auf den Gesichts aus druck auf Bildern bezieht — durch die Sprache und die Lebenssitten ändert, hat Hellpach schon früher nachgewiesen. Günther bringt Hypothesen über Hypothesen, aber sie alle werden als das sichere Ergebnis wissenschaftlicher Forschung dargestellt. Beschäftigt sich der erste Hauptabschnitt des Buches mit der Geschichte der Rasse, so wendet sich Günther in einem zweiten Hauptteil der ״Juden der Gegenwart“ zu. Auch hier nur ein paar Bemerkungen. Das ״Mauscheln“ vieler Juden wird aufgefaßt als der ״Versuch, der eigenen Lautneigung in der übernommenen Sprache zu folgen, der Versuch an der artfremden Sprache, die der Jude spricht, wenigstens eine arteigene Tongebung durchzusetzen“. Günther sucht festzustellen, worin diese Lautneigung der jüdischen Rassenseele nun eigentlich besteht, ohne zu einer klaren Lösung zu kommen. Wir glauben, daß auf diesem Wege das ״Mauscheln“ nicht erklärt werden kann, sondern daß es auf ganz andere Faktoren zurückzuführen ist. Eine sehr große, immer wachsende Zahl von Juden Westeuropas zeigt es übrigens, wie auch Günther selbst zugeben muß, nicht. Daß die Juden einen besonderen Rassegeruch haben, glaubte Günther feststellen zu können, ״als er in einer deutschen Großstadt längere Zeit seine Mahlzeiten an einem rituellen Mittagstisch einnahm, den außer wenigen Nichtjuden eine große Anzahl leiblich zumeist reinlicher Juden besuchten. Auch bei Abwesenheit der Juden waren die betreffenden Zimmer mit einem ziemlich auffälligen, dem Verfasser (d. h. Günther) als mattsüßlich erscheinenden Gerüche erfüllt, der gleich beim Eintreten auf fiel“. Günther hofft, daß man diesen Rassegeruch in allernächster Zeit auch chemisch werde analysieren können! Wenn zwischen Juden und Nichtjuden Unterschiede in der Krankheitsbereitschaft bestehen, so muß auch hier zunächst gefragt werden, ob dafür nicht äußere Faktoren verantwörtlich zu machen sind. Das gilt besonders von den Psychopathien und Psychosen, die sicher — zum mindesten zum größten Teil — auf die besondere Lage und die Lebensverhältnisse der Juden zurückzuführen sind. Hierüber hat Rafael Becker in seiner Arbeit ״Die Nervosität bei den Juden“ und in späteren Untersuchungen Wesentliches gesagt, und ich kann auch auf meinen Aufsatz über die Psychologie des jüdischen Kindes hinweisen. Daß sich Unterschiede in der Kriminalität finden, kann nicht wundern; denn die Form des Deliktes hängt in weitem Umfange von der sozialen und beruflichen Lage ab, und es ist bei der vollkommen anderen Stellung der Juden nicht weiter auffällig, daß bei ihnen andere Delikte häufiger sind als bei der nichtjüdischen Umgebung. Die geringere Kinderzahl der Mischehen ist nicht auf Versiegen der Fruchtbarkeit, sondern auf die wohl gerade in diesen Kreisen häufiger zu beobachtende Geburteneinschränkung zurückzuführen. In einem Abschnitt über den jüdischen Geist werden die bekannten und zum Teil längst widerlegten Angaben wiederholt: die Juden tragen die

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