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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1931-01-01 · Heft 4 · p. Seite 314

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
75 (1931)
Issue
Heft 4
Article
[Rezension]
Date
1931-01-01
Page
Seite 314 (sequence 2)
Language
German
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314 Hans Günther läßt seiner großen und kleinen Rassenkunde des deutschen Volkes, seiner Rassengeschichte des hellenischen und römischen Volkes, seiner Rassenkunde Europas und seinen Verschiedenen anderen Büchern nunmehr auch eine Rassenkunde des jüdischen Volkes folgen; das neue Buch verrät ebenso wie die früheren Arbeiten von Günther eine sehr große Belesenheit des Verfassers sowie Geschick der Darstellung. Günther bemüht sich, seine Anschauungen in einer möglichst eindringlichen Sprache vorzutragen. Er will eine ,,sachliche6‘ Darstellung des Wesens des Judentums geben, und er unterstreicht diesen Wunsch gelegentlich dadurch, daß er betont, von einer Minderwertigkeit der jüdischen Rasse könne man nicht sprechen; aber seine ganze Darstellung und Beweisführung läuft letzten Endes doch darauf hinaus, diese Minderwertigkeit zu beweisen. Objektive Darstellung in wissenschaftlichem Sinne hieße, ohne Vorurteile irgendwelcher Art an den Gegenstand herangehen, schlicht die Tatsachen, und zwar nur die wirklich gesicherten Tatsachen beschreiben; Günther hat indessen seine Meinung im voraus gebildet, und das Buch soll sie bestätigen. Diese Grund ans chauung ist dieselbe wie in all seinen früheren Büchern: wo irgendetwas Großes in der Welt geleistet worden ist, da fällt das Verdienst der nordischen Rasse zu. Es ist sehr leicht, diese Behauptung zu beweisen: man erklärt alle genialen Menschen für nordisch, oder spricht ihnen zum mindesten einen ,,starken nordischen Einschlag66 zu. Man könnte hier auf Kretschmers kürzlich erschienenes Buch ,,Geniale Menschen“ verweisen, der in den nordischen Menschen ein ״ungeheures Heer von langen, langköpfigen semmelblonden Schafsnasen, von steifen englischen Gouvernanten, von vermeintlichen preu־ ßischen Leutnants und Oberlehrern in Witzblattkarikatur, von steifen, brutalen, genielosen Pedanten“ sieht. Auch er spricht der nordischen Rasse besondere Fähigkeiten keineswegs ab; aber diese treten doch immer erst da in die Erscheinung, wo sie sich mit anderen Rassen mischt. Auch Brunold Springer hat kürzlich in einem Buch ״Die Blutmischung als Grundgesetz des Lebens“ an der Hand eines großen Materials nachgewiesen, daß nicht Rassereinheit, sondern Rassenmischung die günstigsten Bedingungen für wirklich produktive Arbeit abgibt. Damit ist eine der Grundthesen der Güntberschen Rassenforschung schon kritisch beleuchtet. Natürlich ist für Günther Judentum nicht Zugehörigkeit zu einer bestimmten Religionsgemeinschaft, sondern Zugehörigkeit zü einem Volkstum, zu einer biologischen Gruppe. Judentum ist gleichbedeutend mit jüdischer Abstammung. Bo spricht der Verfasser, von seinem Standpunkt aus durchaus konsequent, von Juden mosaischen Glaubens und Juden anderen Glaubens. Die Judenfrage ist eine Rassefrage, ein biologisch-anthropologisches Problem. Er verfolgt die Entwicklung der jüdischen Rasse von den ältesten Zeiten bis zur Gegenwart, wobei er seine Darlegungen im Wesentlichen doch wohl nur auf ein Bildmaterial stützt und aus Bildern auf Rasse Zugehörigkeit schließt, ein immer sehr wenig zuverlässiges Verfahren, wie das z. B. auch der Rasseforscher Glauß mehrfach hervorhebt. Die verschiedenen Rassen, aus denen sich das jüdische Volkstum zusammensetzt, werden einzeln verfolgt, wobei der Verfasser jeder der biologischen Einheiten auch eine besondere ״Rassenseele“ zuordnet. Auch dieses Verfahren ist höchst anfechtbar; denn die ״reinen“ Rassen, aus denen das Judentum besteht oder bestehen soll, sind — selbst wenn sie je in den von Günther geschilderten Formen bestanden haben — doch längst untergegangen und ihr reiner Typus nicht aus Bildern zu rekonstruieren; noch viel weniger aber ist über die ,,Rassenseele“ — ein an sich

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