Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 75 (1931)
- Issue
- Heft 4
- Article
- [Rezension]
- Date
- 1931-01-01
- Page
- Seite 316 (sequence 4)
- Language
- German
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316 Schuld am Kapitalismus, sie beherrschen die Welt durch ihr Geld und durch die Macht der Presse, sie wirken zersetzend usw. Es ist von jeher merkwürdig erschienen, wie Herabwertung und Furcht vor den Juden sich mischen; wie wenig Eigenes müssen die anderen Rassen, die doch alle mehr ,,wert“ sind als die Juden, den jüdischen Einflüssen entgegenzusetzen haben! Es ist nicht wahr, wenn Günther behauptet, daß ein altes jüdisches Haßgebot gegen alles Nichtjüdische existiere. Der Antisemitismus wurzelt nach Günther natürlich nicht in irgendwelchen sozialen Spannungen oder dergleichen, sondern er ist Ausdruck einer Feindschaft der verschiedenen Rasseseelen. Zum Schluß wird die Frage nach der Zukunft der Juden gestellt, und auch diese Frage wird rein rassebiologisch zu erörtern versucht. Nur der Zionismus kann das Judentum erhalten, ohne ihn ist es zum Untergang verurteilt. Nur die Besinnung auf die ,,arteigenen Lebenswerte“ bei Juden und Nichtjuden und die scharfe Abgrenzung voneinander erscheint als Lösung, die sowohl dem Besten der Juden als auch dem Besten der anderen Völker diene. Damit scheint aber eine Lösung der Judenfrage letzten Endes unmöglich, denn schon die bisherige Entwicklung des Zionismus dürfte gezeigt haben, daß er nicht alle Juden, ja nicht einmal die Mehrzahl der Juden anzuziehen vermag und daß er eine restlose Lösung des jüdischen Problems selbst für den Zionisten nicht darsteilt. Das Buch Günthers wird zu dieser Lösung der Judenfrage, die auch wir keineswegs negieren, nichts beitragen, es wird vielleicht in den rassegläubigen Kreisen den Judenhaß schüren. Wir können es nicht als eine ,,sachliche Darstellung des Wesens des Judentums“ bezeichnen. Eine solche fehlt heute noch, und sie wird nur von dem gegeben werden können, der mit Achtung und Liebe, mit Verständnis für die Leistungen des Judentums an das jüdische Problem herangeht, nie aber von dem, der dem Juden Haß und Verachtung entgegenbringt und nur seine Rasse, nur seine Gemeinschaft anerkennt. Friedrich Hertz, Hans Günther als Rasseforscher. Berlin 1930, Philoverlag. 16 S., 0,45 Mk. Eine Auseinandersetzung mit dem Güntherschen Buch ,,Rassekunde des jüdischen Volkes“. Der Verfasser zeigt die Mängel der Güntherschen Beweisführung auf, er legt dar, wie wenig Günther das Bemühen, wissenschaftlich und objektiv, zu sein, geglückt ist. H. Iltis, Volkstümliche Rassenkunde. Mit 41 Abbildungen. Jenau 1930, Urania Verlagsgesellschaft. 80 S., geb. 2,־— Mk. Das vorliegende kleine Buch gibt in gemeinverständlicher Weise eine Einführung in die Rassenkunde. Die wichtigsten Theorien werden kurz entwickelt, die einzelnen Menschenrassen charakterisiert. Ziel der Darstellung ist die Widerlegung der völkischen Anschauungen, die vom sozialistischen Standpunkt aus kritisiert werden. Der Verfasser wendet sich gegen jede einseitige Ueberschätzung einer einzelnen Rasse und gegen die Unterschätzung und Herabwertung anderer Rassen, gerade für die zertretenen und unterdrückten Rassen will er eintreten. Das Dargestellte wird durch eine Reihe gut ausgewählter Abbildungen veranschaulicht; die Darstellung ist flüssig und lesbar. Gießen• Erich Stern.