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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1931-01-01 · Heft 4 · p. Seite 303

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
75 (1931)
Issue
Heft 4
Article
Das jüdische Schulwesen in Polen
Date
1931-01-01
Page
Seite 303 (sequence 12)
Language
German
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303 Es blieben noch ein paar Worte über die politische und materielle Lage der Schulen Zu sagen, und da sind wir gerade beim traurigsten Punkt angelangt. Ebensowenig wie es in Polen ein Gesetz gibt, das die Regierung dazu zwingen könnte, für die jüdische Bevölkerung Schulen in ihrer eigenen Unterrichtssprache zu gründen, ebensowenig sind die Behörden irgendwie gesetzlich verpflichtet, auf die Lebensbedürfnisse der jüdischen Schulen Rücksicht zu nehmen, und sie tun es auch nur in den allerwenigsten Fällen. Es hängt auf diesem Gebiete fast alles von der Willkür der verschiedensten Beamten ab, die nur in allzuvielen Fällen von keinem guten Willen beseelt sind. So haben denn die allermeisten jüdischen Schulen in Polen auch auf diesem Gebiet ein besonderes Märtyrertum auszustehn, das mit der Begründung der Schule beginnt (nur in den allerwenigsten Fällen, von den Schulen der Orthodoxie etwa abgesehen, die wohl aus politischen Motiven ziemlich bevorzugt werden, war es möglich Konzessionen zur Gründung von Schulen ohne besondere Schwierigkeiten zu erlangen) und in mannigfachsten Formen weiter andauert, wie es ja besonders untergeordnete Behörden besonders gut verstehen, durch kleinliche Drangsalierungen den Schulen das Leben sauer zu machen. Ganz besonderen Verfolgungen war (und ist zum Teil bis zum heutigen Tage) das jiddischistische Schulwesen ausgesetzt, das noch das Unglück hat, als politisch unzuverlässig zu gelten. Eine besondere Form der Entrechtung* gelangt den Mittelschulen mit hebräischer und jiddischer Unterrichtssprache gegenüber zur Anwendung, denen Oeffentlichkeitsrechte grundsätzlich verweigert werden, was für die Absolventen die Unmöglichkeit zur Folge hat, auf inländischen (zum Teil auch auf ausländischen) Universitäten als ordentliche Hörer aufgenommen zu werden. Diese unerhörte Behandlung von Schulen, die mit großer Anstrengung von der Bevölkerung begründet worden sind, wird mit allerlei mehr oder weniger haltlosen Argumenten motiviert (so z. B., daß es keine staatlichen Mittelschulinspektoren gebe, die die beiden Sprachen beherrschen oder daß es zweifelhaft sei, ob normale Mittelschulen mit derartigen Unterrichtssprachen überhaupt existieren können) und dauert trotz mancher Zusagen und Reformversuche unverändert an. Es erübrigt sich wohl nach all dem bisher Gesagten zu unterstreichen, daß die Regierung auch in materieller Hinsicht nichts tut, um dem jüdischen Schulwesen irgendwie zu helfen. Die Zahl der Schulen, die von der Regierung (fast immer natürlich mit ganz geringen Beträgen) subventioniert werden, kann wohl auf den Fingern der Hände abgezählt werden. Das jüdische Schulwesen in Polen ist fast ganz auf eigene Kräfte der Bevölkerung angewiesen, um so mehr als der Geldzustrom aus Amerika, dem ein großer Teil von Schulen seine Entstehung verdankt und von dem jahrelang ein beträchtlicher Teil der Ausgaben gedeckt wurde, immer mehr abnimmt und in absehbarer Zeit wohl ganz versiegen dürfte. Die Haupt quelle der Einnahmen stellen heute die Schulgelder dar; zu ihnen kommen noch die (zumeist unbedeutenden) Subventionen von Stadtverwaltungen und jüdischen Gemeinden, sowie von den verschiedensten Kulturvereinen und Schulorganisationen. Bedenkt

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