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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1931-01-01 · Heft 4 · p. Seite 298

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
75 (1931)
Issue
Heft 4
Article
Das jüdische Schulwesen in Polen
Date
1931-01-01
Page
Seite 298 (sequence 7)
Language
German
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298 Programms, das eine Verwurzelung der Sprache im Leben der Volksmasse anstrebt. Der Zusammenhang mit den alten jüdischen Kulturgütern (in erster Reihe mit dem Bibelschrifttum) wird hier allerdings auch sorgfältig gepflegt, doch nur vom kulturgeschichtlichen und erzieherischen, keineswegs vom religiösen Standpunkt aus; die Mehrzahl der Schulen betont vielmehr ihren weltlichen Charakter. Im übrigen sucht dieses Schulwesen die jüdische Jugend im Geist einer radikalen nationalen Einstellung, also in der Hauptsache auf Palästina gerichtet, zu erziehen, sowie dem Gedanken einer Produktivisierung des jüdischen Volkslebens durch Betonung der Arbeitsmomente in der Erziehung zum Durchbruch zu verhelfen. Die Geschichte dieses Schulwesens geht zum Teil noch auf die Vorkriegsjahre zurück (die ersten Versuche, hebräisch als lebendige Unterrichtssprache einzuführen, wurden in den meist durch zionistisch gesonnene Kreise begründeten, sogenannten ,,Chedarim Metukanim“ gemacht), doch sind die allermeisten Schulen zur Zeit des Weltkriegs und in den ersten Jahren nach seinem Abschluß entstanden, wozu einerseits der Geldzustrom aus Amerika, anderseits aber die Tatsache des Zusammenbruchs Rußlands und das Sprachenchaos in den meisten neuen Randstaaten, darunter auch in Polen (insbesondere in den östlichen Randgebieten) beitrug. Dem Grundcharakter dieses Schulwesens entsprechend, das die Wiederauflebung der hebräischen Sprache als Volkssprache anstrebt, wurden übrigens von aller Anfang an nicht bloß Volks- und Mittelschulen, sondern auch Lehranstalten für Erwachsene (Abendkurse, Bibliotheken, pädagogische Kurse, Seminare) ins Leben gerufen. Die zentrale Schulorganisation auf diesem Gebiet ,,Tarbut“ umfaßt gegenwärtig 75 Kindergärten, 149 Volksschulen, 12 Mittelschulen, 4 Lehrerseminare und 2 pädagogische Kurse mit einer Gesamtzahl von 25 516 Schülern und 1002 Lehrern, wobei die Abendkurse für Erwachsene, deren exakte Besucherzahl statistisch schwer erfaßbar ist, und die Bibliotheken außer acht gelassen wurden. Unendlich schwer war der Entwicklungsweg dieser Schulen, die (im Gegensatz zu den orthodoxen Schulen) wohl kaum ein Vorbild hatten, nach dem sie sich richten konnten. Die Aufgabe, ein ganz modernes und doch im jüdischen Leben verankertes Schulwesen zu schaffen, das noch darüber hinaus ein entscheidendes Werkzeug im Kampf um Wiederbelebung der hebräischen Sprache werden sollte, war kaum mit den gewöhnlichen organisatorischen und pädagogischen Mitteln zu bewältigen. Mußte ja hier nicht bloß dem Mangel an einem entsprechenden Lehrprogramm, sondern auch an Lehrkräften und Lehrbüchern abgeholfen werden, von materiellen und organisatorischen Schwierigkeiten schon abgesehen, die natürlich auch sehr groß waren. Tatsächlich wurde denn auch auf all diesen Gebieten sehr viel im Lauf der letzten Jahre geleistet, mag auch das Endziel der Bewegung noch immer fern genug bleiben. Es wurde in erster Reihe ein Lehrprogramm für hebräische Schulen ausgearbeitet und in Anwendung gebracht, das der Seele des jüdischen Kindes angepaßt ist, den Geschichtsunterricht um die jüdische Geschichte konzentriert und in einem weiten Umfang Palästinakunde und jüdische Statistik und Demographie berücksichtigt. Mancherlei Versuche wurden auch

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