Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 75 (1931)
- Issue
- Heft 4
- Article
- Die Ossuarien in Palästina
- Date
- 1931-01-01
- Page
- Seite 290 (sequence 9)
- Language
- German
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290 Steinmetz sie eingraviert hat. Die Pietät der Angehörigen hat die Namen dem Kalkstein anvertraut, der sie treu über 19 und 20 Jahrhunderte hinaus bewahrt hat. Es sind z. T. die gleichen Namen, die uns aus dem Alten und Neuen Testament bekannt sind, jüdische und griechische1 2. . In frischer Ursprünglichkeit begegnen die Namen uns jetzt, wo sie aus der Ruhestatt ihrer Träger erwachen. Die biblischen Personen sind uns sonst gewöhnlich durch handschriftliche Vermittlung, frühestens aus Abschriften des 4. Jahrhunderts, bekannt. Hier aber vernehmen wir fast die Stimmen der Tr auernden selbst, die ihres Toten Gebeine würdig zur Ruhe brachten. (Abb. 4 siehe Beilage.) Wie gut kann man jetzt die aramäisch-griechische Doppelheit der N a me n und ku rzen Formeln verfolgen, wie sie auch im N. T. obwaltet! Ein genaues Beobachten wird an einigen ganz bestimmten Fällen möglich, wie von einer Sprache in die andere umgedacht und phonetisch umgeformt wurde, wie man das Aramäische und Hebräische gräzisierte und das Griechische in aramäische Form brachte. Neben erscheint deutlich I£C OTC V Auch die schwankende Aussprache von Gutturalen hat Lidzbars k.i auf Ossuarinschriften verfolgt. (Ephemeris f. semit. Epigr. II 1908, S. 195 f.) Ferner tauchen Namen auf, sonst völlig unbekannt und nirgend in der Literatur wiederholt, z. B. KYP9AC oder HAHA. Alles das gibt uns die Möglichkeit an die Hand, Kultur- und Sprachgeschichtliches zu erschließen, was ohne die Ossuarienfunde unbekannt bliebe. Wie schwer die Deutung mancher auch verhältnismäßig klarer Inschriften z. T. noch ist, geht aus dem Befund hervor, den der Ossuar- Deckel von Nazareth bietet; aufbewahrt i m Museum der Franziskaner dortselbst, zur Casa nova gehörend. (Abb. 5 siehe Beilage.) Die dreizeilige Inschrift, um deren Entzifferung die Besitzer und Hüter des Dokuments sich gar keine Mühe geben, weil sie die nötigen Kenntnisse dazu nicht zu haben scheinen, wurde noch 1914 von G. Dalman anfangs so gelesen3 *: פועם בר מנחם כהן עגלוהס ש(למא) ,,Sö'äm, Sohn Menahems, Priester, über ihm sei Friede!‘f Während die beiden ersten Zeilen klar zu lesen und eindeutig sind (der Wechsel von Schoam zu Soam macht keine Schwierigkeit), ist doch die dritte Zeile unsicher und mit Recht weiter diskutiert worden. Dalman wurde zu seinen Ergänzungen der 1 Z. B. Elisabeth, Maria, Joseph, Jesus, Johanna, Matthias, Levi, Jairus, Saphira, Nikolaus, Bernikeusf. 2 S. jetzt A. Deißmann: Der Name Jesus; in: Bell und Deißmann, Mysterium Christi. Berlin 1931. 3 ,,Studien aus dem Deutschen evang. Institut für Altertumswissenschaft in Jerusalem‘6, Zelts ehr. d. Dt. Palästina-Vereins 1914, S. 136, vgl. S. 374.