Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 75 (1931)
- Issue
- Heft 4
- Article
- Von der Holbeinbibel zur Amsterdamer Haggadah
- Date
- 1931-01-01
- Page
- Seite 285 (sequence 21)
- Language
- German
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285 Die Amsterdamer Ausgabe von 1765 enthält, wie die Venezianische Haggadah, den Kommentar Zli Esch von Leo von Modena und eine deutsche Erläuterung in hebräischen Lettern1. Ihre Illustration besteht aus dem Bilderkreis der Haggadah von 1695 und den Initialenbildern der Venezianischen Haggadah, wie sie schon die Ausgabe von 1712 aufwies. Die Seder- und die Plagenbilder fehlen hier. Die Illustration des Druckes von 1765 ist unter dem Einfluß der beiden älteren Ausgaben entstanden. Er enthält ein Titelblatt und 32 Blätter.. Das Titelblatt ist schmucklos, auch fehlt die Palästinakarte am Ende. Die Holzschnitte geben die Bildkompositionen der Stiche des Merianschen Bilderkreises zum Teil im Gegensinne wieder. Die Reihenfolge derselben ist: Fol. 5 verso Die Weisen in Bnei Brak. Fol. 6 verso Die vier Söhne. Fol. 7 recto Abraham zerschlägt die Götzenbilder. Fol. 7 verso Abraham und die Engel. Fol. 9 verso Moses erschlägt den Aegypter. Fol. 10 recto Findung Mosis. Fol. 11 verso Moses und Aaron vor Pharao. Schlangenwunder. Fol. 12 recto Froschplage. Fol. 12 verso Untergang der Aegypter. Fol. 13 verso Auszug aus Ramses. Fol. 15 recto Gesetzesgebung. Fol. 15 verso Pessachmahl. Fol. 21 verso David kniend. Fol. 30 recto Tempel. Ein Teil der Holzschnitte trägt das lateinische Monogramm NM. Die Kompositionen sind stark vereinfacht, wie in der Froschplage, wo die schwierige Diagonalansicht in die primitivere Frontalansicht umgewandelt ist. Die Initialenbilder, die im Text verstreut sind, gehen nicht unmittelbar auf die Holzschnittbilder der Venezianer Haggadah zurück, sondern sind nach den Kopien der Amsterdamer Ausgabe von 1712 geschnitten, von dort rühren die Sessel mit den hohen Rückenlehnen her, die summarische flüchtige Zeichnung der Figuren, die Veränderungen im Kostüm, sowie kleinere Abweichungen, in der Zeichnung des Flederwisches u. a. Wir begegnen in der Haggadah einer eigentümlichen Entwicklung vom Holzschnitt zum Kupferstich und wiederum zum Holzschnitt. Dieser Holzschnitt des 18. Jhts. ist dem alten gegenüber viel gröber. Auf dem Titelblatt ist der Name des Salomo Salman London genannt, der die ,,schönen Bilder, die Holzschnitte, hinzugefügt hat“. Es ist schwer zu sagen, was unter Hinzufügung eigentlieh zu verstehen ist. Am Ende des Druckes sind die Setzer und Drucker aufgezählt, die daran gearbeitet haben. ,,Durch den Setzer, der beschäftigt ist mit dieser hl. Arbeit, Eisik ben Moses Gans, Amsterdam, und den Setzer Manes ben Salomo aus Amsterdam und den Drucker Leiser Herz Segal aus Amsterdam, den Drucker Leib 1 Benutzt ist das Exemplar von.Herrn Salli Kirschstein, Berlin, Nikolassee. Ich möchte dem liebenswürdigen Sammler, sowie dem Direktor der Bibliothek an der Jüdischen Gemeinde in Berlin, Herrn Dr. M. Stern für die mir zur Benutzung wiederholt überlassenen Haggadahidrucke an dieser Stelle herzlichst danken.