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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1931-01-01 · Heft 4 · p. Seite 283

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
75 (1931)
Issue
Heft 4
Article
Von der Holbeinbibel zur Amsterdamer Haggadah
Date
1931-01-01
Page
Seite 283 (sequence 19)
Language
German
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IRI
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283 Blattzahl), so daß die Identifizierung nur nach Jahreszahl, Druckort und Angabe des enthaltenen Kommentars erfolgt ist. Es ist das der Kommentar des Leo von Modena, der in den Haggaden des venezianischen Illustrationstyps wohl nie fehlt. Die Ergänzung der Amsterdamer Haggadah durch drei Bilderzyklen aus der Venezianer Haggadah, wie sie in der Ausgabe von 1712 unternommen wurde, liefert den Beweis dafür, daß die ältere Fassung von 1695 mit den entlehnten und nur wenig veränderten Bibelbildem des Merian den Anforderungen, die an die Haggadahillustration gestellt wurden, nicht entsprach. Der Versuch, sich von der Venezianischen Bücherproduktion unabhängig zu machen, wie er in Amsterdam gemacht wurde, glückte auf dem Gebiete des Haggadahdrucks nicht ganz. Jedoch gab man es nicht auf, einen eigenen Haggadahtyp zu schaffen, der die Venezianer Holz- Schnittillustration ersetzen sollte. Wie die Bombergschen Drucktypen aus Venedig, so wurden auch die venezianischen Holzschnitte von den holländischen Druckern als veraltet, technisch überholt empfunden. Die Ersetzung durch den Kupferstich läßt sich zunächst in den Titelblättern beobachten, indem italienische, Augsburger, Prager Titelholzschnitte als Vorlagen benutzt und. nachgestochen werden. Die Renaissanceformen werden bei der Uebertragung im Sinne des Barock umgestaltet. In der Amsterdamer Haggadah wird die ganze Illustration im Kupferstich ausgeführt, mit Ausnahme der Schlußvignetten und der Initialienbilder. Warum gerade die Initialienbilder in Holz nachgeschnitten und nicht in Kupfer nachgestochen wurden, läßt sich wohl dadurch erklären, daß der Holzschnitt mehr Abzüge gewährleistet, und sich daher für ein Alphabet, besser eignete. Die ergänzte, vervollständigte Amsterdamer Haggadah von 1712 bedeutet ein Zurückgreifen auf die Tradition. Es hatten sich keine Illustrierer in Amsterdam gefunden, die einen selbständigen Haggadahzyklus schaffen konnten, und so war man gezwungen, Bilder aus dem Venezianischen Bilderzyklus zu übernehmen; vielleicht war das Bedürfnis nach Selbständigkeit auch nicht so groß, wichtig erschien allein die Forderung einer stofflichen Erweiterung der Illustration, hauptsächlich der liturgischen Inhalte. Neben einer Erweiterung erfährt die Illustration in der Ausgäbe von 1712 auch eine erneute Judaisierung der Merianschen Bilder. Die etwas grotesk wirkenden noch von Holbein stammenden Hüte in der Szene der Verzehrung des Pessachlammes werden bei behutsamer Wahrung der Umrisse durch zeitgemäße Kopfbedeckungen ersetzt. In der Szene in Bnei Brak fällt ein neues Detail auf: eine der französischen Fenstertüren im Hintergründe ist offen und' auf der Schwelle stehen ein Erwachsener und ein Knabe, offenbar die Jünger, die den Weisen den Morgenanbruch verkünden. Dementsprechend ist der Lichtschein, der um die Kerzen lag, entfernt, ein oeuil-de-boeuf wirft von oben links fahles Tageslicht in den Raum herab, und projiziert Schlagschatten, die in der Ausgabe von 1695 fehlten. Die Modellierung der Figuren ist eine kräftigere, als in der älteren Ausgabe, die Kreuzlagen sind häufiger und dichter. Bei völliger Uebereinstimmung bis auf einige Abweichungen z. B. in

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