Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 75 (1931)
- Issue
- Heft 4
- Article
- Von der Holbeinbibel zur Amsterdamer Haggadah
- Date
- 1931-01-01
- Page
- Seite 282 (sequence 18)
- Language
- German
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282 noch in ahen ihren Phasen dargestellt, auf fol. 2 recto sieht man die verschiedenen rituellen Handlungen, das Waschen der Hände, das Teilen der Mazzot usw. in 13 kleinen Kupferstichen in zwei Spalten, je sechs in der Spalte und das 13. in Breitformat darunter. Auf fol. 13 recto, wo die Plagen aufgezählt werden, werden sie in ähnlicher Weise durch kleine Bildchen illustriert, die ebenso als Tafel, je drei Stiche in drei Reihen, der 10. Stich darunter in der Mitte, geordnet sind. Die Illustration hat durch die drei neuen Bilderzyklen — in den Initialenbildern ־und den zwei Bildertafeln — eine bedeutende Erweiterung erfahren, eine Erweiterung und eine Vertiefung, denn hier handelt es sich mit Ausnahme vielleicht der Plagen, nicht um Bibelbilder, sondern um eigens für die Haggadah geschaffene Illustrationen. Die Frage ist, wer sie geschaffen hat. Wir werden den Urheber nicht in der Umgebung des Merlan zu suchen haben. Ob Jude oder Christ, war der Künstler mit dem Ritual der Haggadah aufs innigste vertraut, kannte auch die Holzschnitthaggaden, die unserer Kupferhaggadah voraufgegangen sind. Es genügt, in diesen Haggaden zu blättern, um das Vorbild auch bald zu finden. Es ist das die Venezianische Haggadah, die uns in zahlreichen Drucken, darunter dem ältesten aus dem Jahre 1629 erhalten geblieben ist. Die verschiedenen Ausgaben sind mit Uebersetzungen ins spaniolische:> ins italienische und ins jüdisch-deutsche versehen und weisen eine stattliche Reihe von Holzschnitten auf, darunter die uns bekannten drei Zyklen: Die Initialen mit figürlichen Szenen, die Sederbilder und die ägyptischen Plagen. Die Originale in der Venezianischen Haggadah sind von außerordentlicher Lebendigkeit in der Linienführung. Die Zahl der Initialenbilder ist hier größer, auch deren Format ist etwas größer. In der Amsterdamer Fassung sind die Buchstaben steifer, gradliniger, die Zeichnung der Figuren ist gröber, an Stelle der Savonarola- Stühle der Renaissance treten Sessel mit hohen Lehnen. Auch die Sederbildchen sind im Holzschnittoriginal größer, als in der Kupferstichkopie. In diesem Zyklus ist der Savonarola-Stuhl ausnahmsweise beibehalten. Die Bilder unterscheiden sich von der Holzschnittvorlage durch Einführung von Kreuzlagen in die Schraffierung. Am getreuesten sind die Kupferstichkopien der Plagenbilder. Abweichungen sind hauptsächlich in der Reihenfolge und Anordnung der Bildchen zu bemerken. Ich benutze die Ausgäbe von 1760, die in Venedig in der Stamparia Vendramina mit italienischer Uebersetzung erschienen ist, ein Exemplar in meinem Besitz. Ein Exemplar der ältesten erhaltenen Ausgabe, des Druckes von 1629, besitzt die Bibliothek der Jüdischen Gemeinde Berlin in Nr. 9181. Die älteren Ausgaben stammen aus der Offizin der Bragadin in Venedig, welche sich späterhin mit der Vendramin- Druckerei vereinigte. In der Bibliographie von Wiener ist die Haggadah des Venezianischen Typs von 1629 in Ausgaben mit italienischer Uebersetzung, mit deutscher und mit spaniolischer Uebersetzung verzeichnet, und zwar unter Nr. 30, 31 und 32. Die Beschreibung der Ausgaben ist dort jedoch unzureichend (ohne