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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1931-01-01 · Heft 4 · p. Seite 280

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
75 (1931)
Issue
Heft 4
Article
Von der Holbeinbibel zur Amsterdamer Haggadah
Date
1931-01-01
Page
Seite 280 (sequence 16)
Language
German
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280 Der einzige formale Zug, der nicht allein in der stofflichen Umdeutung, sondern auch in dem inzwischen vollzogenen Stilwandel begründet ist, läßt sich im Sessel des Weisen an der Spitze der Tafel erblicken. Bei Merian ist es ein steifer Stuhl mit schmalem Querbrett als Rückenlehne, hier ein Sessel mit sanft abgeschrägter, weich gepolsterter Rückenlehne, wir sind an der Schwelle des 18. Jhts., das auf Wohnlichkeit und Bequemlichkeit bedacht sein wird. Die Rücksicht auf die rituelle Forderung nach einem bequemen Lager für die Pessachnacht spricht natürlich auch mit. Die Art der Bearbeitung, wie wir sie in der Szene in Bnei Brak beobachten, charakterisiert die Haltung des Haggadahstechers dem Original gegenüber auch im Allgemeinen. Ein anderes Beispiel der Anpassung an den Haggadahtext ist die Szene Abraham und die drei Engel. Bei Merian sieht man im Hintergründe in einer Gebirgslandschaft die Opferung Isaaks. Der Haggadahstecher ersetzt die Gebirgslandschaft durch eine Seelandschaft und setzt zwei Männer in ein Boot, die gedeutet werden müssen als Illustration zur Haggadahstelle: ,,Da nahm ich euren Vater Abraham von jenseits des Stromes . . .“ Das Bildmotiv des Abraham im Boot kommt schon in der Prager Haggadah vor. Das Bild mit den vier fragenden Söhnen ist das einzige, das nicht adaptiert, sondern neu geschaffen wurde, auch dieses ist aber ein Mosaik aus Merianschen Vorlagen. Wir vermissen die Darstellungen des Seders der jüdischen Familie und der Segenspruchhandlung. Die Prager und die Mantuaner Haggadah weisen sie auf. Die Venezianer Haggadah vereinheitlicht, gruppiert sie, faßt auch die ägyptischen Plagen, die sie alle illustriert, zu einem ganzen zusammen. In der Amsterdamer Haggadah haben wir nur die Froschplage, und auch diese nach Merian, aus dessen Bibelzyklus. Die Benediktionen zu Beginn der Haggadah ,werden hier überhaupt nicht illustriert, ebensowenig das Sedermahl der Familie. Die neue Ausgabe der Amsterdamer Haggadah von 1712 schafft hierin Wandel. Diese Ausgabe ist von dem großen jüdischen Verlagshause Salomo b. Josef Proops in Amsterdam herausgebracht worden. Sie weist das gleiche Format, aber ein abweichendes Satzbild der Ausgabe von 1695 gegenüber auf, ist also kein getreuer Nachdruck. Es ist das die Haggadah Nr. 59 der Bibliographie von S. Wiener. Das gut erhaltene Exemplar, das ich benutze1, ist falsch gebunden, wodurch sich die abweichende Reihenfolge einer Anzahl Bilder ergibt. Die Haggadah von 1712, Amsterdam, enthält ein Titelblatt, 31 Textblätter und die Palästinakarte am Schluß. Fol. 1 recto Vignette. Fol. 1 verso zwei figürliche Initialenbilder, Fol. 2 recto 13 kleine Sederszenen als Tafel zusammengefaßt. Fol. 3 recto Initialenbild. Fol. 3 verso zwei Initialenbilder. Fol. 4 verso Initialenbild. Fol. 9 verso Moses erschlägt den Aegypter. Fol. 10 verso Findung Mosis. 1 Bibliothek der Jüdischen Gemeinde Berlin, Nr. 20999.

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