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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1931-01-01 · Heft 4 · p. Seite 275

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
75 (1931)
Issue
Heft 4
Article
Von der Holbeinbibel zur Amsterdamer Haggadah
Date
1931-01-01
Page
Seite 275 (sequence 11)
Language
German
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275• hinweisen, daß die Mantuaner Haggadah für einen der Weisen als Vorlage, wie schon J. v. Schlosser bemerkte, den Jeremias1 von der Decke der Sixtinischen Kapelle des Michelangelo verwertet und für einen der vier Söhne, wie ich kürzlich entdeckte, eine Holbei'nsehe Figur zum LII. Psalm aus den ״Icones“. Im Fall der Amsterdamer Haggadah ist die Identifizierung um so schwieriger, als die Bilder keine getreuen Kopien sind wie im letzten Beispiel, sondern Nachschöpfungen, die mit den Holzschnitten nur noch das kompositionelle Schema gemein haben. Die Stiche sind im Format erheblich größer, die figürlichen Szenen sind durch Nebenfiguren bereichert, das ganze ist in eine üppige architektonische und landschaftliche Staffage gesetzt. Die malerische Faltenbehandlung im Kostüm, die Effekte der Luft Perspektive, die fein nüancierte Schraffierung des Kupferstiches bieten dem Bilddruck des 17. Jhts. Mittel genug, um seine Herkunft vom derben Holzschnitt zu verwischen. Durch Zufall ist es gelungen, die unmittelbare Quelle, der die Amsterdamer Haggadah ihren Bilderkreis entlehnt hat, zu entdecken. Herrn S. Kirschstein wurde es bekannt, daß in einer Auktion, ich glaube, im Auslande, eine Haggadah mit Merianschen Bildern ausgeboten wurde. Nähere Angaben waren über diese Haggadah nicht vorhanden. Dieser Spur ging ich nach. Merian ist der Name einer größeren Künstlerfamilie schweizerischen Ursprungs, mit dem das vielbändige Theatrum Europaeum verknüpft ist. Es gab einen Matthäus Merian, den Aelteren (gest. 1650), zwei Söhne desselben, Kaspar (1686 in Holland gest.) und Matthäus, d. J. (gest. 1687), um nur die für uns in Betracht kommenden Mitglieder dieser Familie zu nennen, denn die Tochter, die sich mit Zeichnungen von Schmetterlingen einen Namen machte, scheidet wohl aus. Matthäus Merian von Basel, wie sich der ältere Merian in seinen Werken noch nannte, als er den Verlag und den Buchhandel seines Schwiegervaters De Bry übernommen und sich in Frankfurt a. M. niedergelassen hatte, gab 1625/26 die Bilder zum Alten Testament, die ,,Icones biblicae“ mit Versen und Reimen in drei Sprachen heraus. Wenn man bedenkt, daß Merian kein Figurenzeichner war — seine Stärke lag in Stadtveduten, seinen Ruf erwarb er sich durch die Topographien von Stuttgart, Heidelberg u. a. —, wenn man weiter berücksichtigt, daß seine vollständige Hl. Schrift 258 Kupferstiche enthält und meist Gehilfenarbeit ist, so wird man den Anteil des Matthäus Merian an den Bibelbildem nicht überschätzen. Seine Söhne arbeiteten an seinen Verlagswerken mit, Merian feiert in einer Dedikation in den ,,Icones“ Dürer, Lucas Kranach und Holbein, und er hatte diesen Meistern tatsächlich sehr viel zu verdanken, wenn er für italienische Einflüsse auch nicht unempfänglich war. Daniel Burckhardt2 glaubt die Bedeutung Merians für die Kunst 1 Daß Schlosser den Moses von Michelangelo nannte, ist natürlich ein Flüchtigkeitsfehler. Gemeint hatte er den Jeremias. 2 Matthäus Merian, Basel 1907—1909. 18

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