Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 75 (1931)
- Issue
- Heft 4
- Article
- Die wissenschaftliche Talmudpflege der neueren Zeit [Rezension]
- Date
- 1931-01-01
- Page
- Seite 264 (sequence 24)
- Language
- German
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264 verständlich. Besondere Erwähnung verdienen die aus alten Quellen beigegebenen übersetzten und erklärten Formulare. Das ausführliche Literaturverzeichnis und Sachregister erhöhen die Brauchbarkeit des Buches. Zu ergänzen wäre hier noch der Hinweis auf den Aufsatz M. Hoffmanns, שטר עיסקא und Contractus trinus (Festschrift zum siebzigsten Geburtstage David Hoffmanns, deutscher Teil, 'S! 83—86). Als eine Art Vorstudie zum genannten Werk mag hier eine kleinere Schrift desselben Verfassern Erwähnung finden: Rekonstruktion eines Responsums des R. Saadja Gaon zum jüdischen Gesellschaftsrecht. Die Tatsache, daß die gaoiiäische Gutachtenliteratur nur sehr unvollständig und in den meisten Fällen gekürzt und bruchstückartig auf uns gekommen ist, macht die Wissenschaftliehe Verwertung derselben noch immer sehr schwer und problematisch. Manche Gutachten, besonders solche, die mehrere Fragen zum Gegenstand haben, spalten sich den darin behandelten Teilfragen entsprechend in Fragmente und erscheinen verschiedenenorts als gesonderte Gutachten. Bei einem solchen Zersplitterungsprozeß geht häufig auch der Name des Gutachters verloren. H. unternimmt es in einem von Saadja Gaon stammenden und zum Geseilschaftsrecht gehörigen. Fragenkomplex solche Gutachtensplitter zusammenzufügen und ihnen ihre ursprüngliche Einheit wiederzugeben. Auf Einzelheiten der Rekonstruktion kann hier nicht eingegangen werden. Es liegt in der Natur der Sache, daß die Arbeit auch von Vermutimgen und Anhaltspunkten gestützt wird, die keine volle Evidenz zu bieten vermögen, doch zeigt der Verfasser einen offenen Sinn für textkritische Untersuchung und wissenschaftlichen Ernst für die Behandlung der Frage. Die Monographie über die Urkunden im Talmud von Dr. Leopold Fischer ist nun zum Abschluß gekommen. Die Arbeit lag schon im Jahre 1917 druckfertig vor, doch konnte sie nur in Fortsetzungen erscheinen. Mit dem nun erschienenen zweiten Teil ist sie beendet1. Das Werk entspricht seinem Titel nicht ganz. Der Verfasser gibt zum Teil mehr, zum Teil weniger als der Titel verspricht. Er zielt zunächst auf die Kaufverträge hin und entwickelt mehrere Kapitel hindurch Begriff und Wesen des Kaufs. Die Urkunde bildet hier nur den nebensächlichen Teil. Näher geht der Verfasser vom 5. Kap. ab auf die Urkunden ein. Aber auch diese Kapitel sind nicht ausschließlich demWesen der Urkunde gewidmet.׳ Das weit wichtigere bleibt auch weiter der Ausbau des talmudisch-rabbinischen Rechts über Kauf und Verkauf. Das soll keineswegs dem Werke Abbruch tun. Denn der Verfasser gibt uns an der Hand der talmudischrabbinischen Quellen in leichtfaßlicher Weise das wichtigste Material über Kauf und Verkauf, und es ist nicht schwer, das urkundliche Material aus der Gesamtdarstellung herauszubekommen. Auf Parallelen in den Rechtssystemen der talmudisch-rabbinischen 1 Die Urkunden im Talmud, zusammengestellt, erklärt und mit den Ausgrabungen verglichen von Dr. Leopold Fischer, Rabbiner in Vrsac (Jugoslawen). II. Teil. Sonderabdruck aus dem Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft, Frankfurt a. M. 1930. Selbstverlag des Verfassers.