Mannheim
Compact Memory

Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1931-01-01 · Heft 4 · p. Seite 260

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
75 (1931)
Issue
Heft 4
Article
Die wissenschaftliche Talmudpflege der neueren Zeit [Rezension]
Date
1931-01-01
Page
Seite 260 (sequence 20)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2829132-2829975-2829980-2836920--50567-2836974
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

260 Den Verfasser und die Axt, ,wie er Manuskripte und Variantenmaterial verwertet, kennen wir schon aus seinen ,,Kleinen Traktaten“. Zu begrüßen ist in seinem neuen Buch, daß־ er den kritischen Apparat unmittelbar unter den Text setzt und unmittelbar danach unter einer besonderen Rubrik die Parallelen. Damit ist der Gebrauch des Buches sehr erleichtert. Die sieben Traktate sowohl wie Traktat Soferim XI besitzen wir schon in früheren Drucken, doch hat die gegenwärtige Edition den großen Vorzug, daß sie auf Grund von Manuskripten festgesetzt und mit einem sorgfältig gearbeiteten kritischen Apparat verarbeitet wurde. In einer hebräischen Einleitung geht Higger auf wichtige literarhistorische Fragen ein: auf Bestimmung der Zeit, in welcher die zusammenfassende Benennung ,,Sieben Traktate“ zuerst auftaucht, auf das Verhältnis dieser Traktate zu- Babli und Jeruschalmi und auf Auswertung derselben in der nachtalmudisehen Literatur. Ein besonderes Kapitel (Abschnitt 4) ist dem ,,Traktat Soferim II“ gewidmet. Schließlich gibt H. Rechenschaft über die benutzten Mss. und Ausgaben und eine übersichtliche Bibliographie in zwei kleineren Abschnitten. Dem hebräischen Original ist eine gut brauchbare englische Uebersetzung beigegeben. Am reichsten sind die Veröffentlichungen vertreten, die das talmudische und' nachtalmudische Recht zum Gegenstand haben. Palästina steht in erster Reihe, was zum Teil aus dem praktischen Interesse erklärlich ist, das die Bewohner des heiligen Landes heute noch am alt jüdischen Recht haben. In der Rechtsbibliothek, die schon vor einigen Jahren von Dr. J. Junovitch begründet wurde, ist nun der erste Teil der rechtsgeschichtlichen Forschungen des bekannten Rechtslehrers und Fachschriftstellers Ascher Gulak erschienen: ספריה משפטית ידל ע״י הד״ר יהודה יונוביץ. לו־וקר תולדות המשפט העברי כתקופת: התלמוד מאת אשרינולאק חלק ראשון! דיני קרקעות. ירושלים תרפ״ט. Dieser Teil ist ausschließlieh der Geschichte der Bodengesetze in talmudischer Zeit gewidmet. Im Talmud selbst, zumal im babylonischen, sind Entwickelungsstufen kaum bemerkbar. Die Schulen zeigen fast durchweg das Bestreben, mit dem überkommenen Gut von Gesetzen und Grund־־ Sätzen auszukommen, zumal bei Grund und Boden, wo im Volk ein gewisses; Rechtsbewußtsein lebendig war, dem man auch unter veränderten Verhältnissen gerecht werden mußte. . Die entwickelungsgeschichtlichen Merkmale trägt Gulak von außen herein, besonders vom römischen und ägyptischen Rechtsleben. Es ist ihm gelungen, manch richtige Beleuchtung aus . dieser Gegenüberstellung: heraus zu gewinnen. Vor allem sind es die Grundbegriffe, die sich aus der Rechtsliteratur der Nachbarvölker am ehesten verwerten ließ. Die römische Herrschaft in Palästina und der rege Verkehr mit Aegypten haben zweifellos die Rechtsbeziehungen auch im innern Leben stark beeinflußt. Wie weit aber diese Einflüsse im einzelnen reichten, läßt sich: schwer vermuten. Ob beispielsweise die in Syrien üblichen Formen bei Anfertigung, von Erbschaftsurkunden auch im jüdischen Palästina und Babylonien üblich waren, wird sich kaum feststellen

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.