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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1931-01-01 · Heft 4 · p. Seite 252

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
75 (1931)
Issue
Heft 4
Article
Die wissenschaftliche Talmudpflege der neueren Zeit [Rezension]
Date
1931-01-01
Page
Seite 252 (sequence 12)
Language
German
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252 den Quellen und befolgen dieselbe Methode in der Interpretation der ״Zeugnisse“ Jesu. So weit nun der Weg ein gemeinsamer ist, gehört er zur Methodik der allgemeinen Leben Jesu-Forschung. Wie steht es aber mit dem Plus, das Klausner den christlichen Fachforschern voraus hat, mit der Ausdeutung der einschlägigen Texte aus Talmud und Midrasch? — Streng genommen arbeitet Klausner auch hier nach der bekannten Anpassungsmethode seiner dogmatisch eingestellten Fachkollegen, bloß fließt der hebräische Stoff in einem ganz andern Strombett, und es ist demnach eine Ueberbrückung zwischen diesem und den alten Urkunden des Christentums ein viel gewagteres und weniger dankbares Unternehmen. Klausner aber schrickt vor den Schwierigkeiten nicht zurück, räumt alle Unstimmigkeiten aus dem Wege, um die ahnungslosen alttalmudischen Quellen mit dem Evangelien- Jesus unter ein Dach zu bringen. Wer an den Talmud voraussetzungslos heran tritt, muß sich gestehen, daß der Talmud als Geschichtsquelle für die Jesusgestalt der Evangelien nicht gut zu brauchen ist. Die tannaitische Periode, d. 11. der talmudische Traditionsstoff bis gegen Ende des zweiten Jahrhunderts, kennt, wohl eine Jesusgestalt, diese ist aber um rund 100 Jahre älter als der Jesus der Evangelien. Diese Tatsache läßt sich nicht aus der Welt schaffen. Denn es ist nicht das Chronologische allein, sondern auch andere Wesenszüge, die die zwei Jesus-Gestalten auseinanderhalten. Die amoräische Periode, die vom Beginn des dritten bis zum Ende des fünften Jahrhunderts reicht, bietet wohl manch wichtigen Stoff, der u. E. von Klausner nicht zureichend gewürdigt wurde, aber als Zeugnis für die Geschichtlichkeit des Evangelien-Jesus ist er kaum anzusprechen. Noch weniger dürfte in dieser Hinsicht das pamphletartige Büchlein ,,Toledoth Jeschu“ in seinen verschiedenen Varianten in Frage kommen. Die letzteren zwei Gruppen schaltet auch Klausner als historisch unmaßgeblich aus. Ernst nimmt er bloß die tannaitische Epoche. Und was macht er aus den wenigen Daten, die darin über Jesus Vorkommen? Er macht aus ihnen durch suggestive Zumutungen, Deutungen und Streichungen ein dogmatisch brauchbares ,,Zeugnis“, gleichsam ein synoptisches Evangelium. Dies Hinüberspielen seiner dogmatischen Auffassungen auf den Talmud ist das wesentlichste und vom wissenschaftlichen Standpunkte aus das weit bedenklichste am Buche Klausners. Die Hauptstelle, aus der man von jeher den Schluß gezogen hat, daß die altjüdische Tradition einen Jesus gekannt habe, lautet: ,,Die Rabbinen lehrten: Stets soll (bloß) die Linke wegstoßen, die Rechte aber wieder herbeiziehen. Aber nicht (soll man’s machen) wie Elischa, der den Gechasi mit beiden Händen fortgestoßen hat, und nicht wie Rabbi Josua ben Perachja, der Jesus mit beiden Händen fortgestoßen hat“. -— Hierauf folgt eine aramäische Glosse, die, wie Klausner selbst bemerkt, nicht tannaitisches Gut ist. Sie hat drei Varianten (Sanhed. 107b; Sota 47a; jer. Chag. II, 77d). Ob auch die dritte Stelle als Variante zu nehmen ist, oder ob sie einer uns unbekannten Legende angehört, braucht hier nicht diskutiert zu werden, da es uns nur auf den tannaitischen Stoff ankommt. Klausner streicht auch die tannaitische Stelle, weil sie Jesus zum Zeitgenossen

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