Mannheim
Compact Memory

Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1931-01-01 · Heft 4 · p. Seite 251

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
75 (1931)
Issue
Heft 4
Article
Die wissenschaftliche Talmudpflege der neueren Zeit [Rezension]
Date
1931-01-01
Page
Seite 251 (sequence 11)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
92% known words query
IRI
…/2829132-2829975-2829980-2836920--50558-2836965
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

251 gewissen, wir möchten fast sagen dogmatischen Gesichtspunkten gewertet, gesichtet und einer mitgebrachten Grundanschauung an» gepaßt. Herbert Danby, Kanonikus der Kathedrale zu Jerusalem, hat Gelegenheit gehabt, bei Anfertigung seiner englischen Uebersetzung mit dem Verfasser in unmittelbare Verbindung zu treten. Er scheint diesen Vorteil in ausgiebigem Maße wahrgenommen zu haben. Man vergleiche die fünfte Vorlesung in seinem ,,The Jew and Christianity“ (London 1927) S. 86 ff. Der eingehenden Würdigung Danbys ent־ nehmen wir folgendes: Hinsichtlich der nicht jüdischen Quellen geht Klausner keine neuen Wege. Was er sagt, ist dem christlichen Fach־ mann bekannt. Neues bietet er bloß in der Heranziehung jüdischer Arbeiten. Im ganzen und großen kommt Klausner zu denselben Ergebnissen, zu welchen die kritischen Schulen Deutschlands eine Generation früher gekommen sind (S. 93)1. Dieses Urteil wiederholt Danby an mehreren Stellen. Man kann darin das gesicherte Ergebnis des dem Verfasser nächststehenden christlichen Fachforschers erblicken. Wir möchten Klausner die Verspätung um eine Generation nicht allzuübel nehmen. Wesentlich scheint es uns jedoch, daß Klausner sich von vornherein gegen den ganzen Fragenkomplex, der eine Revision der Geschichtlichkeit Jesu auf rollt, ablehnend verhält. Klausner hat sich für die Geschichtlichkeit Jesu mit aller Entschiedenheit festgelegt. Seine Einstellung ist freilich keine theologische; sie fließt, wie er einmal persönlich verlautbarte, aus der Erwägung, daß die Bestreitung der Geschichtlichkeit Jesu den jüdischen Stamm um eine der bedeutendsten Gestalten der Welt berauben würde2; er möchte also Jesus in vollster Realität wahr haben und ihn nicht in einen Mythos aufgehen lassen. Man mag den Standpunkt Klausners parteiisch nennen. Er wird auch von befreundeter Seite nicht anders zu werten sein. Danby hebt es mit besonderem Nachdruck hervor, daß sich Klausner in seiner ganzen Jesus-Forschung vom nationalen Motiv in stark übersteigertem Ausmaß beherrschen läßt: ,,with Dr. Klausner the nationalist motif has assumed such enormous proportions as to dominate the writers entire outlook on our Lord, on his every act and word“ (S. 96 ff.). An einer andern Stelle sagt Danby, daß er in Klausners Standpunkt keine Annäherung zum Christentum sieht, sondern die Inschutznahme einer Gestalt, die der Jude menschlich und geschichtlich sein eigen nennen kann (S. 101). — Auf jeden Fall reichen sich die ziemlich entgegengesetzten Standpunkte: Klausners ,,Nationalgeführ‘ und christlicher Dogmatismus im Punkte der Geschichtlichkeit Jesu die Hände. Beide gehen denselben Weg, haben dieselbe Einstellung zu 1 The book follows the beaten track in discussing non- Jewish sources. . . . As a result of his study, Dr. Klausner arrives at much the same conclusions as those accepted by the criticism fashionable in Germany a generation ago. Zu vgl. ist noch S. 99, 100. Nach J. M. Robertson nimmt Klausner, wenigstens in manchen Punkten, einen Standpunkt ein, der noch viel rückständiger ist (Jesus und Judas S. 21). 2 No, it is not a sign of Jewish approach to Christianity; but it is an attempt to rescue from the hands of Christendom a figure whom the Jews can Claim to be, historically and humanly, their own.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.