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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1931-01-01 · Heft 3 · p. Seite 232

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
75 (1931)
Issue
Heft 3
Article
[Rezension]
Date
1931-01-01
Page
Seite 232 (sequence 5)
Language
German
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232 Auch Vorstellungen, Gebräuche stutzt sich Voltaire zurecht. Es sei Juden verboten, Kleider von Nichtjuden zu berühren (183). Er schwelgt in der Schilderung des Taufbades der Proselytinnen, dem angeblich drei Priester zuschauen (183 ff.). Bei der Beschreibung von Spinozas Bann wird der klassizistische Voltaire wildromantisch. Ihm genügt die schauerlich-gruselige Schilderung bei Jean Maximilian Lucas nicht, er läßt Spinoza noch den Dämonen Beelzebub, Satan, Asclithoreth verschreiben (185 f.). II. Arbeitsweise der Vf־. H. Emmrich arbeitet streng philologisch. Sie sucht Voltaires Anschauungen über Juden und Judentum nicht nur in seinen Abhandlungen und Enzyklopädieartikeln auf, sondern geht ihnen auch in seinen Dichtungen nach, in seinen Epen (Henriade, Pucelle), seinem Drama Saul, seinen Erzählungen (Zadig, Princesse de Babylone). Dann aber forscht sie nach den Quellen Voltaires, den Quellen seiner Anschauungen sowohl wie seiner Irrtümer. Es ergibt sich, daß seine Gewährsmänner keineswegs immer all das gesagt haben, was Voltaire ihnen zuschiebt (244). Verf. ist bestrebt, von jedem Werk jene Ausgabe zu befragen, welche Voltaire benutzt hat. So findet sie z. B., daß Voltaire kaum über die Ueber- Setzung des Josephus durch Arnauld d’Andilly hinausgekommen ist (S. 212), Was wir oben über Kenntnisse und Unkenntnisse, über Flüchtigkeiten. Irrtümer und Umdeutungen Voltaires geboten haben, ist ja aus dem Werke Hanna Emmrichs zusammengestellt, wenn auch hie und da schärfer gefaßt. Hier sei es gestattet, ihrer trefflichen Arbeit einiges hinzuzufügen. Zu S. 13 (auch 14, 55, 63, 115, 151). Der Voltaire geläufige Gedanke, daß die Namen der Engel und Teufel Chaldäern und Persern entlehnt sind, findet sich schon im pal. Talmud Rosch haschana 56 d ausgedrückt שמות מלאכים עלו עמד,ם מבבל. — Zu S. 50. Voltaire gibt die Zahl der Juden zu Ende des XVIII Jhdts. mit 108 730 an. Dem widerspricht seine andere Angabe. (S. 76) mit 400 000. Nach Ruppin, Soziologie der Juden, Berlin 1930, I 75, waren es dritthalb Millionen. •— Zu S. 55. Voltaire meint, es finde sich bei den Propheten kein Zitat über die Wunder beim Auszug aus Aegypten. In Wirklichkeit gibt es deren mehrere, z. B. Jes 431618־, 6312־u~ — Zu S. 56 (auch 150, 176). Daß die Bilder der Ochsen und Löwen in Salomos Tempel gegen den Pentateuch verstoßen, konnte Voltaire auch bei Josephus, Archaelogia VIII 7,5 gelesen haben, der diese Bilder dem König als Sünde anrechnet. — Zu S. 60 f. (auch 66, 231, 248). — Die . Quelle der Voltaire so wohlgefälligen Aggada, wie Korach sich der armen Witwe gegen die Unersättlichkeit der Priester annimmt, findet sich im Midrasch Tehillim zu Ps 1, 1 ובמושב לצים, ed. Buber S. 7 b. — Zu S. 64 ״Prophet Micha“ sollte es genauer Michahu b. Jimlah heißen, zum Unterschied vom Propheten, dessen Buch wir besitzen. — Zu S. 67. Der Name Indien findet sich im Buche Esther und Hiob. — In Hiob findet er sich nicht. — Zu S. 67 (Anm. 100), auch S. 99. Voltaire meint, Qoheleth konnte in den Kanon nur zu einer Zeit aufgenommen werden, wo Bücher selten waren. Es wäre darauf hinzuweisen, daß eben Qoh. 12, 12 klagt, des Büchermachens sei kein Ende. — Zu S. 70. Schischak ist nicht Sesostris, wie Voltaire sagt, sondern Pharao Sesonchis. — Zu S. 76 (letzte Zeile). Voltaires Worte erwecken den Anschein, als hätten die Türken den Islam nicht angenommen. — Zu S. 77. Das aaronistische Priestertum läßt Voltaire bis zur Zeit der Makkabäer bestehen, — zumindestens bestand es doch bis zur Zerstörung des Heiligtums. — Zu S. 77. Trotz Jos 626 besteht Jericho noch. I. Kön 1634 erzählt ja eben, Ghiel aus Bethel habe es neu erbaut. — Zu S. 77. Sodoma und Gomorrha erstanden, trotzdem Jesaja und Jirmijahu verkündeten, es werde niemals wieder erbaut. In Wirklichkeit hat einerseits Jesaja und Jirmijahu derartiges nicht verkündet, andererseits ist Sodoma und Gomorrha bis heute nicht neu erstanden. — Zu S. 83. Die Moabiter wären durch Josua vernichtet worden. Das läßt sich aus dem Buche Josua nicht herauslesen. — Zu S. 83. Die Stämme konnten sich doch nicht gegen Benjamin vereinigen, da sie ja gefangen waren. Von einer Gefangenschaft der Stämme zur Zeit der Richter weiß die Bibel nichts. — Zu S. 107. Die Bibel spricht von Leviathan, in Wirklichkeit gibt es keinen. Da לויתן Krokodil bedeutet, handelt es sich um kein bloßes Fabelwesen. — Zu S. 116. Es gab kaum einen Hexenprozeß, in den nicht auch Juden verwickelt gewesen wären. Bei dieser argen Uebertreibung ist daran zu erinnern, daß seit jeher jedse Volk den Zauberer im Volksfremden suchte (so auch die Juden in Emoritern

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