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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1931-01-01 · Heft 3 · p. Seite 231

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
75 (1931)
Issue
Heft 3
Article
[Rezension]
Date
1931-01-01
Page
Seite 231 (sequence 4)
Language
German
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231 Die symbolischen Reden und Handlungen in der Bibel erklärt Voltaire ganz eigenartig: da man lange Zeit gewohnt war, die Gedanken in Hieroglyphen niederzuschreiben, gewöhnte man sich, zu sprechen, wie man schrieb (S. 173). I, 5• Wahrheitsliebe oder Tendenz. Voltaire läßt sich bei seinen Betrachtungen über Juden und Judentum von vorgefaßten Anschauungen und Absichten leiten, von doppelter Feindschaft, von Feindschaft gegen die Kirche, von Feindschaft gegen die Juden. Die Bibel, heilig .der Kirche, heilig dem Judentum, mußte herabgesetzt werden. Das Volk der Bibel, die Juden, mit denen Voltaire auch persönlich in ungemütliche Beziehungen geraten war, sollte als das Letzte der Völker hingestellt werden. Das Letzte in jeder Hinsicht. Das Letzte in der zeitlichen Folge: China, Indien, Persien, Chaldäa, Aegypten haben die Bildungswerte, auch die Gottesverehrung geschaffen. Das Judentum schafft selbst nichts, immer entlehnt es, nimmt es. Dabei wird ihm gleicherweise vorgehalten, was es entlehnt und was es, wie z. B. den Unsterblichkeitsglauben, zu entlehnen unterlassen hat. Schon ihre Sprache stellen die Juden aus Phönizischem, Philistäischem, Arabischem, Syrischem zusammen. Parsis und Gebers sind ,,unendlich“ bedeutender als Juden (9 Anm. 8). Das Judentum ist aber auch das Letzte an sittlichem Wert: blutdürstig, ohne kriegerisch zu sein, wucherisch, ohne Sinn für Handel, räuberisch, ohne den Raub wahren zu können (103 Anm. 93). Als dümmstes aller Völker hatte es die meisten Wunder (113). Wohl begehen alle Völker Verbrechen, doch einzig die Juden brüsten sich damit, — Beweis dafür die Erzählungen von Korach, Ehud, Samuel, Jojada, Elija, Elischa, Judith (127 f.). Die Juden waren Menschenfresser (132 f.), ihre Religion gebietet ihnen Menschenopfer (178); unsittlich, verderbt, treiben sie unnatürliche Unzucht (137). Zu allen Zeiten sammeln sie Hadern, schachern und wuchern sie; schon im Zeitalter Mosis bestand ihre einzige Wissenschaft in der Kunst des Maklers, des Wucherers (105 Anm. 18); auch in der babylonischen Gefangenschaft bereicherten sie sich durch Geldgeschäfte (248). Josephus’ Zeugnis, zu seiner Zeit hätten die Juden in Palästina keinen Handel getrieben, verdient keinen Glauben (100). Derartige Anschauungen konnten natürlich nur mit Gewaltmitteln der Schriftauslegung und Geschichtsdeutung verfochten werden. Da wird Vieles umgedeutet, Manches geradezu auf den Kopf gestellt, Manches abgeleugnet, Manches ersonnen. Voltaire, der Ezra bezichtigt, er habe den ganzen Pentateuch gefälscht (54 Anm. 23), schreckt vor Fälschung selbst nicht zurück. Die Juden waren die Letzten auf dem Schauplatz der Bildungsgeschichte des Altertums. Sie machten Anleihen in Indien: Abraham stamme von Brahma (14). Möglicherweise aber ist die Gestalt Abrahams von den Persern übernommen, die einen Propheten Ibrahim verehrten und sich zur Millat Ibrahim, zum Glauben Ibrahims bekannten (13). Das heißt dann wirklich die Geschichte auf den Kopf stellen: der Islam ins persische Altertum rejiziert und vom Judentum übernommen. Den Phöniziern entlehnten sie Sprache und Religion, nicht nur Baal, auch den Namen JHVH, den sie aber auch den Aegyptern abgelauscht haben sollen (11). Außerdem bieten auch Syrer, Araber, selbst Phrygier Bestandteile jüdischer Bildung und Religion. Die Juden waren Menschenfresser. Dies soll daraus erhellen, daß ihnen vom Deuteronomium und von Ezechiel angedroht wird, sie werden in ihrer Bedrängnis ihre Kinder verzehren. Sonst auch eine Menge Umdeutungen, Erfindungen. Josua wird angedichtet, er habe 31 Könige gehenkt (128). Elischa wird zugemutet, er sei der Vater des Kindes der Sunnamitin (170, 248). Den erhabenen Dulder Jeremia zerrt Voltaire in den Kot, mißbraucht dazu sogar die Aggada, daß Jeremia den Märtyrertod gestorben ist. Nun ja, meint Voltaire, die Juden haben ihn erschlagen, weil er sich dem König von Babylon verkauft, sein Vaterland verraten hatte (58,145, 168, 169 Anm. 12, 248). Die Juden erkauften sich von Kyros die Heimkehr mittels der Reichtümer, die sie in Babylon durch Geldgeschäfte erworben hatten (27, 248). Den Hohenpriester Onias bringt Voltaire in persönliche Beziehung zu Kleopatra, läßt sie beschenken (188)^ Die Makkabäer beschuldigt er, sie mißbrauchten den Aberglauben des Volkes, um es aufzuwiegeln (187). Einer Aeußerung Ciceros unterschiebt Voltaire die Bedeutung, die Juden hätten die Münzen beschnitten (140). Den Juden Roms zur Zeit Neros dichtet er das Verbrechen an, sie hätten die Judenchristen beschuldigt, Rom angezündet zu haben (S. 44).

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