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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1931-01-01 · Heft 3 · p. Seite 230

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
75 (1931)
Issue
Heft 3
Article
[Rezension]
Date
1931-01-01
Page
Seite 230 (sequence 3)
Language
German
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230 auch der Midrasch דברי הימים של משה רבני und פטירת משה רבנו ע״ה, die in Gauimins Uebersetzung Vorlagen. Die Aggada vom Märtyrertode Jirmijahns durfte Voltaire aus Hieronymus kennen (S. 169, Anm. 12). Er kennt auch den Meinungsstreit über die Aufnahme Ezechiels und des Hohenliedes in den Kanon (S. 235). Aus dem Targum führt er die Aggada an, Achaschwerosch hätte gefordert, daß Waschthi nackt vor seinen Gästen erscheine, und vergleicht damit die Sage von Gyges und Kandaules (S. 18, 208). Richtig beobachtet Voltaire die Verwandtschaft des Kaddischgebets mit dem Vaterunser (S. 181). Philo und Josephus benutzt Voltaire vielfach (S. 208—212). Von den späteren jüdischen Schriften fesseln Voltaire vorzüglich die Streitschriften gegen das Christentum, die er meist aus Joh. Chr. Wagenseils Telaignea Satanae kennt, und zwar Toldoth Jeschu (Voltaire schreibt: Jeschut), Jomtob Lippmanns ספר גצחון, Bachja ben Aschers Aeußerung über Wucher, Jecbiels Disputation mit Nikolaus in Paris 1240, Moses b. Nachmans Disputation mit Paolo im Jahre 1263, des Karäers Isaak Trokis: חזוק אמרנה, das er eingehend würdigt. Aus Philipp von Limborchs Buch kannte Voltaire dessen Glaubensstreit mit Orobio (S. 213—226). Ibn Ezra durfte ihm aus Spinozas Tractatus politico-theologicus bekannt sein, Maimuni und Abrabanel aus Dom Calmet (232 f.), Benjamin von Tudelas Reisebeschreibung vielleicht aus deren lateinischer Uebersetzung (234). I, 3. Voltaires hebräische Sprachkenntnisse. Obwohl Voltaire wahrscheinlich nicht einmal hebräisch lesen konnte (S. 202—208), urteilt er nicht nur über hebräischen Stil, sondern auch über hebräische Sprache. Er nennt das Hebräische ein Kauderwelsch, gemischt aus verderbtem Tyrisch, Azotisch und Syrisch (S. 118), bald auch ein Gemisch von Phönizisch und Arabisch (S. 54)'oder aus Phönizisch, Aegvptisch, Syrisch und Arabisch. Das Hebräische ist so arm, wirr, regellos, daß es in den jüdischen Büchern kaum eine Stelle gibt, die nicht 3—4 verschiedene Deutungen zuließe. Das Hebräische habe bloß zwei Aussage arten (!): Gegenwart und Zukunft; jedes Adverb habe 20 verschiedene Bedeutungen (S. 118), — lauter willkürliche, falsche Aufstellungen. I9 4. Mängel und. Irrtümer. Mit der hebräischen Sprache hatte nun Voltaire seine liebe Not. Es widerfährt ihm, daß er שוטים (Toren) mit ,,sages“ (Weise) übersetzt (228 Anm. 8) und so manches andere. So arg geht es im Sachlichen nicht zu, doch zuweilen bunt genug. Voltaire wirft Philister und Phönizier (S. 27, 111, 117), Perser und Chaldäer (13, 14,. 66) durcheinander. Er verwechselt die Sekte der Samaritaner mit dem Israel des Nordreiches, dessen Hauptstadt lange Zeit Samarien war (S. 188) und macht daher die Propheten des Nordreiches, Elija, Elisa, Hosea, zu samaritanischen Ketzern (173 Anm. 34). Auch sonst unterlaufen viele, zuweilen schlimme Irrtümer. Voltaire behauptet, das Paradies sei nur in der Genesis erwähnt, niemals bei Propheten und Dichtern (dagegen S. 55, Anm. 25), von Isaaks Beschneidung sei nirgends die Rede (S. 86 Anm. 309). Pinchas wird als Tochter Aarons erwähnt (S. 235 Anm. 39). Unter den Sekten zur Zeit des Herodes führt er auch die Karäer an (195). Im Moses-Midrasch läßt Voltaire statt 600 000 Israeliten 60 Millionen aus Aegypten ziehen (230). Auch darin irrt er, daß Juden nicht gegen den Islam geschrieben hätten (226). Er meint, es sei verboten worden, Genesis vor dem 25., Ezekiel vor dem 30. Jahr zu lesen; es könnte sich höchstens um die ersten Kapitel der beiden Bücher handeln (S. 182 Anm. 4). Das Toldoth Jeschu versetzt er in sehr alte Zeit1 (216 f., 245). Im sehr späten Mosesmidrasch sieht Voltaire eine alte Konkurrenzüberlieferung zum Pentateuch (231), vielleicht aus der Zeit der Könige (232). Manchmal wirkt der Irrtum eigenartig, fast drollig. Abrahams Vater war Töpfer (S. 81, 94)2. Die Geschichte Josephs wurde zur Zeit der Ptolemäer in den Pentateuch eingefügt (nach Bolingbroke, S. 58). Elijahu ist Helios, der Sonnengott (16). Trotzdem sich Voltaire über die 10 Stämme in China lustig macht (49), glaubt er selbst, sie seien unter Alexander zurückgekehrt (28). Die Freunde Hiobs läßt er aus Arabien stammen, Bildad השוחי aus Suez (66). 1 Ueber Toldoth Jeschu bei Voltaire und Victor Hugo s. Krauß, Das Leben Jesu. Berlin 1902. S. 236. 2 Vielleicht aus der Aggada zu erklären, Terach habe Götzenbilder verfertigt.

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