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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1931-01-01 · Heft 3 · p. Seite 229

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
75 (1931)
Issue
Heft 3
Article
[Rezension]
Date
1931-01-01
Page
Seite 229 (sequence 2)
Language
German
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229 Drama, doch das Schwelgen in Grausamkeit entstellt das Buch (S. 126). Wenn auch Voltaire das Buch Daniel noch nicht als aus der Zeit der Makkabäer stammend erkennt, so meint er doch, die Vision von den vier Tieren (Kap. 7) sei zur Zeit Antiochos IV. interpoliert (S. 67). Den ersten Büchern der Makkabäer rühmt er klassische Beredsamkeit nach (S. 126), wohingegen er den Wert des III. und IV. Buches als Geschichtsquellen mit Recht bestreitet (S. 30). Höchst beachtenswert sind die Zusammenstellungen der U e b e r ־ treibungen1 in der Bibel (S. 76—1ל), noch lehrreicher die der Wider- Sprüche, mit zahlreichen Elementen der heutigen Bibelforschung (78—88). Bedeutsam auch die Parallelen, welche Voltaire (allerdings auch hier meistens Vorgängern folgend) zu Biblischem anführt. Die Nebeneinanderstellung der altbabylonischen Sintfluterzählung mit der biblischen ist heute Gemeinplatz des Bibelunterrichts geworden (S. 12 f.). Die drei Engel bei Abraham erinnern an den Besuch des Zeus, Hermes, Poseidon bei Irius (S. 11). Lot nimmt die Engel gastlich auf, dafür entgeht er dem allgemeinen Verderben, ־-־ ähnlich wie Philemon und Baucis (S. 16). Sowohl zur Akeda als auch zur Erzählung von Jephtas Tochter wird die Iphigenie- Sage herangezogen (11, 16, 62). Die Geschichte von Simson gleicht der von Pterelaos und Nisus (S. 17). Der Frauenraub der Benjaminiten zu Siloh erinnert an den Raub der Sabinerinnen (S. 18). Der besiegte Goliath ist einer der vielen von Menschen bezwungenen Riesen (S. 19). Elias’ Himmelfahrt vergleicht Voltaire (verleitet durch den Gleichklang von Elias und Helios) mit dem Sonnenwagen des Helios (S. 16). Die Festlichkeiten im ersten Kapitel des Buches Esther erinnern an Märchen aus 1001 Nacht2 (S. 75). Verf. trachtet stets, Voltaires Anschauungen auf ihre Quellen zurückzuführen. Da dehnt sich nun eine lange Reihe von Gewährsmännern: Alphonse Bischof von Avila, Arnauld, Astruc, Basnage, Boulanger, Bolingbroke, Kardinal Cajetan, Dom Galmet, Gollins, Dumarsais, Estius, Freret, Huet, Hume, Hyde, Lacroze, Ledere, Lowth, Mailet, Marsham, Meslier, Middleton, Spinoza^ Toland, Tindal, Warburton, Woolston. Einigen von ihnen widmet Verf. einen besonderen Abschnitt (S. 236—244). Wesens verwandt ist mit Voltaire vorzüglich Bolingbrokes zersetzender Geist. Phantastisches übernimmt er von Huet. Als reichste Stoffquelle beutet er Dom Galmet aus, freilich steht er dem blinden Bibelglauben Dom Galmets mit feindseligem, tödlichem Spott gegenüber. Eingehend schildert uns Verf. (S. 120—124) den Einfluß von Lowth, De sacra poesi Hebraeorum: wo Voltaire mehr Verständnis den Schönheiten der Bibel entgegenbringt, schreibt er zuweilen Lowth nach. 1, 2• NachMMisches. Auch dem späteren jüdischen Schrifttum wendet Voltaire seine Aufmerksamkeit zu. Er weiß, daß der Talmud sich in Mischnah und Gemara gliedert (S. 226 f.). Er kennt den Begriff der noachidischen Gebote (S. 234). Aggadiscbes ist ihm auf Umwegen zugekommen. Er fragt, ob Adam auch die Fische benannt hat3. Adam und Eva werden mit der Haut der Schlange bekleidet (S. 234). Der Morijja-Berg dex' Akeda liegt in Jerusalem4 (S. 57). Kajin sündigt dadurch, daß er nicht gerecht teilt5. Dina wird Hiobs Frau (S. 233). Die Erzählung des Qoräns, wie Josephs Unschuld durch das kleine Kind der Verführerin bezeugt wird, schreibt Voltaire jüdischem Vorbild zu (S. 234). Leicht begreiflich fand Voltaire besonderen Gefallen an der köstlichen Aggada von der armen Witwe, deren bescheidene Habe den Priestern zur Beute wird (Emmrich, S. 60, 166, 231, 248). Tüchtig ausgebeutet wird 1 Die übertriebenste Heeresschilderung, wie Zerach der Aethiopier den König Assa mit einem Millionenheer bedrängt (II Chr 14), scheint Voltaire entgangen zu sein. 2 Im 19. Jhdt. hat dann De Goeje geradezu Scheherezade mit Esther gleichgesetzt, womit er sogar bei Kuenen und Haupt Anklang fand,s. E. Gosquin, Le Prologue — Gadre des Milles et une Nuits, les legendes perses et le livre d’Esther 1909 (aus Revue biblique internationale). 3 S. Louis Ginzberg, The Legends of the Jews V 59 Anm. 190. 4 Alte Aggada, bereits II Chr 3!. 5 L. Ginzberg, The Legends of the Jews V, 137, 12; V, 144, 37.

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