Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 75 (1931)
- Issue
- Heft 3
- Article
- [Rezension]
- Date
- 1931-01-01
- Page
- Seite 227 (sequence 4)
- Language
- German
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227 falteten Hände nicht mehr lösen.“ So zeichnet der Dichter das Bild schönster, stillster Gläubigkeit und einer großen, inneren Erhebung. Leise, wie dieses Hiob-Buch beginnt, endet es, mit der sanften Hoffnung, daß der Lebensabend Mendel Singers wie der Hiobs ein glücklicher sein wird: noch kann der in Rußland verschollene Sohn leben, noch kann Mirjam genesen. Gott, der Mendel Singer schlug, schenkt ihm nun ״die Schwere des Glücks und die Größe der Wunder“. Die nun zu nennenden Bücher gehören der Gattung der Unterhaitungsromane an. Hatvanys Roman ,,Bondy jr.“ schildert in oft zu breiter Dar- Stellung den Werdegang einer ungarisch-jüdischen Kaufmannsfamilie zwischen 1860 und 1880, die sich aus kleinen Anfängen zu Reichtum emporarbeitet. Im Mittelpunkt steht die beherrschende Gestalt Hermann Bondys, eines harten, eigenwilligen Mannes, der jedes Eigenleben in seiner Familie zu unterdrücken sucht. Der jüngste Sohn hängt mit leidenschaftlicher Liebe am Vater und wird in seiner Entwicklung aus einem schwärmerisch-idealistischen Knaben zu einem ausgesprochenen Realisten, der, von Ehrgeiz erfüllt, das Werk des Vaters fortsetzen wird. Mehr als ein Unterhaltungsroman ist auch Edna Ferbers Buch ״Das ist Fanny“ nicht geworden, obwohl er vieles enthält, was ihn über die durchschnittlichen Bücher dieser Art hinaushebt. Das Problem der berufstätigen Frau wird anschaulich und fesselnd behandelt; aber der Schluß biegt dieses Problem in eine herkömmliche Liebesgeschichte um, ohne daß eine psychologische Notwendigkeit und eine innere Rechtfertigung nach Art und Charakter der Heldin dafür vorläge. Reizvoll ist die Schilderung jüdischen Lebens in einer kleinen amerikanischen Stadt; im weiteren Verlaufe der Erzählung aber tritt das Jüdische, abgesehen von einigen psychologisch feinen Bemerkungen, zurück. Ebenfalls in Amerika spielt Myron Brinigs Familienroman ״Die Singermanns“, der manches Fesselnde enthält, ohne doch als Ganzes wirken zu können, und dem man in der Uebersetzung eine sorgfältigere Behandlung der Sprache, besonders des Dialogs, gewünscht hätte. Von den historischen Romanen sei zuerst Haydus Buch ״Jehovahs Geburt“ genannt, das allerdings die Erwartung, die der Titel erweckt, nicht erfüllt. Denn den Hauptinhalt bildet die Geschichte Echnatons; die Dar- Stellung von Priester- und Palastintriguen nimmt einen breiten Raum ein; der Einfluß, den der Kult des ägyptischen Sonnengottes auf die Entstehung des israelitischen Monotheismus ausgeübt hat, ist stark übertrieben, wie auch die Gleichsetzung von Aton mit Adon zum mindesten gewagt erscheint. Zu einer wirklichen und tiefen Gestaltung des Werdens Israels und seiner Religion kommt es nicht, vielmehr wird ״Israel“ im letzten Teil des Buches nur gleichsam anhangsweise behandelt. Das Leben und Wirken des ״Raw“ Senior Salm an (Schneerson) schildert Judaeus etwas nüchtern und reizlos, so daß sein Buch stellenweise einem trockenen Bericht gleichkommt. Opatoschus Roman ״Der Aufstand“ reicht an den vorangegangenen ״Der letzte Waldjude“ nicht heran, denn es ist dem Verfasser diesmal nicht gelungen, eine einheitliche Linie der Darstellung zu finden. Das Ganze zerflattert und zerfließt in einzelnen, nicht klaren und nicht durchgearbeiteten Szenen und Bildern. Weder die Schilderung des Emigrantenkreises in Paris noch die der revolutionären Bewegung in Polen wird recht.lebendig. Gestalten wie Moses Heß oder Bakunin bleiben ganz farblos. Einzelne gelungene Szenen 15*