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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1931-01-01 · Heft 3 · p. Seite 221

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
75 (1931)
Issue
Heft 3
Article
Die jüdischen Mittelschulen in den Ländern der ehemaligen österreichisch-ungarischen Monarchie
Date
1931-01-01
Page
Seite 221 (sequence 13)
Language
German
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221 (von III. an) Englisch statt Französisch, und als vierte (in VII—•VIII) Deutsch. Latein von V. an. Hebräisch wird in den ersten Klassen in 5 Wochenstunden gelehrt, später 4 und 3. Lehrziel ist: vollständige Beherrschung der Sprache und der neuhebräischen Literatur. Daneben gibt es wöchentlich noch 2—3 Religionsstunden, in denen möglichst ganz!',nach durchgenommen werden soll, auch ein Teil der Mischna. Der nationaljüdische Standpunkt der Schule äußert sich nicht nur in den rein jüdischen Fächern, z. B. wird jüdische Geschichte nicht in besonderem Rahmen unterrichtet, sondern erhält ihre Bedeutung innerhalb des allgemeinen Weltgeschehens. Palästinageographie, der Erez-Gedanke nehmen im Denken der Schüler einen hervorragenden Platz ein. Daß in Schulfeiern neben Masaryk, Jirasek und der ,,Befreiung der kleinen Völker“ auch Balfour, Trumpeldor und die palästinischen Pogroms ihre Würdigung finden, ist selbstverständlich. Die Klassenvorstände halten mit ihren Zöglingen allwöchentliche ,,Sichoth“ ab, in denen nebst allgemeinen Themen die Fragen des Judentums zur Rede kommen. Unserer Meinung nach, schreibt mir der Direktor, ,,ist der Weg der hebräischen Schule der einzige, der die hiesige jüdische Bevölkerung nicht nur aus der geistigen Dumpfheit zu wecken im Stande ist, sondern auch einen Ausweg aus der fürchterlichen, wirtschaftlichen Lage weisen kann. Nur so kann eine Generation heranwachsen, die einerseits mit den nötigen geistigen Waffen versehen ist, hier und auswärts den struggle for life erfolgreich zu bestehen, andererseits ihrem jüdischen Volke nicht entfremdet ist.“ * * * Lassen wir das Bild der behandelten 16 Lehranstalten nochmals vor unseren Augen vorüberziehen, können wir mit Fug behaupten: So viel Schulen, so viel Persönlichkeiten. Meist sind örtliche Umstände, persönliche Gegebenheiten maßgebend gewesen für die Richtung der Anstalt und den Geist, der sie erfüllt. Vor allem aber sind es die Zeitverhältnisse ihrer Entstehung, die ihnen, wie allen geistigen Gebilden, ihren Stempel aufdrücken. Im Laufe eines Jahrhunderts haben sich eben die Probleme des Judentums geändert, ebenso die Aufgaben, die man an jüdische Schulen stellt. Waren es während der Blütezeit der Assimilation allgemeine Bildungszwecke, die dem sich emanzipierenden und der Kultur des Heimat- Volkes sich anschmiegenden Juden vorschwebten, (s. Nagykanizsa, Vägüjhely), so überwogen später Gründe religiöser oder konfessioneller Natur (Sabbatheiligung, Ausbildung und Unterkunft jüdischer Lehrer, Schwierigkeiten jüdischer Schüler), die zu neuen Schulgründungen führten. In jüngster Zeit aber tritt das Losungswort des jüdischen Selbstbewußtseins, des nationalen Zusammengehörigkeitsgefühls in den Vordergrund. Freilich haben nicht immer innere Seelenzustände diese letztere Entwicklung bedingt; meistens waren es Anstöße und — Stöße von außen, die den Einzelnen und die Gesamtheit in diese Richtung drängten. Deshalb auch hier, wie schon bei der Geschichte der deutschen Schulen, die Schicksalsschwere Bedeutung des Jahres 1919 und der darauffolgenden Zeiten, die die Geburt von nicht weniger als 10, meist großangelegten Schulanstalten gesehen haben.

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