Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 75 (1931)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Die jüdischen Mittelschulen in den Ländern der ehemaligen österreichisch-ungarischen Monarchie
- Date
- 1931-01-01
- Page
- Seite 219 (sequence 11)
- Language
- German
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219 jüdische Institution, doch werden die Zöglinge zur Achtung vor jüdisch-religiösen Werten erzogen. Hebräisches Pädagogium^ Wien. Da die in Ost und West keimenden und zu erwartenden hebräischen Schulwerke einen größeren Bedarf an pädagogisch vorgebildeten hebräisch sprechenden Lehrern in Aussicht stellten, in Wien sich aber geeignetes Material dafür in Fülle zeigte, bildete Dr. Chajes die seit einigen Jahren unter Leitung von H. Torczyner bestehenden ,,hebräischen pädagogischen Kurse“ 1921 zu einer fünfklassigen lehrerseminarartigen Lehranstalt um, die ihren Zöglingen, Jünglingen und Mädchen, natürlich auch die nötige weltliche Bildung vermittelte. 1921 umfaßte das Pädagogium einen Kurs für Kindergärtnerinnen, einen für Lehrer an hebräischen Volksschulen und einen für Religionslehrer an öffentlichen Volks- und Mittelschulen. Der Unterricht wurde durchgehends in hebräischer Sprache erteilt, und zwar in durchschnittlich 30 Stunden wöchentlich. Im Lehrkörper, dem Dr. Chajes Vorstand, befanden sich Gelehrte, wie Aptowitzer, Z. Diesendruck, M. Rath, S. Krauss; die Zöglinge, deren Zahl manchmal 100 überstieg, wurden nach ihrer Entlassung in Wien und Palästina, in Tschechien und Transsylvanien, in Rumänien und Italien gern angestellt. Seit dem Ableben seines Begründers hat das Pädagogium ,,nur eine Entwicklung in malam partem durchgemacht.“ Die amerikanischen Gelder blieben aus, Lehrer und Hörer verließen die Anstalt, der Unterricht wurde bis zu 18 Wochenstunden eingeschränkt, so daß in den letzten zwei Semestern kaum 10 Zöglinge die Vorlesungen besuchten. 4. Tsclieehoslovakei. Jüdisches Vereins-ßeform-Realgymnasium Brno (Brünn). ״Durch die Anerkennung der Juden als Volk in der Verfassung der tschechoslovakischen Republik war dem jüdischen Nationalrate in Prag die rechtliche Möglichkeit gegeben, die Forderung jüdischer Schulen in die Tat umzusetzen“, meldet in seinem zusammenfassenden X. Rechenschaftsberichte der derzeitige Direktor. Und diese erwähnte Tat ließ nicht lange auf sich warten. Im Jahre 1920 wurde in Brünn der Verein ״Jüdische Schule für Mähren in Brünn“ ins Leben gerufen, der im September desselben Jahres vorläufig im Zeremoniensaal der Brünner Kultusgemeinde die I. Klasse des Reformrealgymnasiums (sowie der Volksschule) eröffnete. Wie die Eröffnungsrede Prof. Dr. LLamm’ betont, ״hatten unsere Kinder auch unter den deutschen Jugendbildnern viele Freunde, aber auf die jüdischen Schüler-!־nassen hat allein das jüdische Volk Anspruch.“ ״Nur auf dem Boden der fort ent wickelten Eigenkultur werden sie einst reif werden, mit liebevollem Verstehen sich zu versenken in die Geschicke eines jeden Volkes und durchs Judentum sollen sie hinaufgeführt werden zu jenen lichten Höhen reiner Humanität, wie sie die Besten aller Völker und Zeiten erschaut.“1 Nachdem das Schulwerk sich Jahr für Jahr mit einer neuen Klasse vergrößerte, konnte es 1924 sein 1 ״Wer für die nationale Entwicklung seines Volkes wirkt, zitiert der Redner Ibsen, der dient im Geist und in der Wahrheit der allgemeinen, großen Menschheitskultur.“