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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1931-01-01 · Heft 3 · p. Seite 218

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
75 (1931)
Issue
Heft 3
Article
Die jüdischen Mittelschulen in den Ländern der ehemaligen österreichisch-ungarischen Monarchie
Date
1931-01-01
Page
Seite 218 (sequence 10)
Language
German
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218 der Literatur. Richtung der Erziehung ist national und religiös/' 1928 bezogen die Anstalten ihr eigenes Schulgebäude, mußten aber die Koedukation und die Realschule aufgeben, so daß heute neben dem Knabenlyzeum mit Französisch, Latein, Deutsch und Griechisch, eine höhere Handelsschule mit Französisch, Deutsch und Englisch, sowie ein Mädchengymnasium mit Französisch, jedes unter eigenem Direktorat, in demselben ,,Lyzeum" untergebracht sind. Die Schule ist mit einem modern eingerichteten, gut besuchten Internat verbunden. 3. Oesterreich. Chajesrealgymnasium Wien. In Wien wurde ebenfalls im Jahre 1919 ein ,,Jüdisches Realgymnasium" von dem unvergeßlichen Oberrabbiner P. Z. Chajes ins Leben gerufen, das nach dessen frühem Ableben (1927) den Namen ,,Chajesrealgymnasium" annahm. Ursprünglich für west jüdische Kinder gedacht, die den Gefahren der Assimilation am stärksten ausgesetzt sind, wird sie heute zum überwiegenden Teile von national oder religiös gesinnten osteuropäischen Eltern bevorzugt, die während des Krieges hier in der Hauptstadt der Monarchie eine neue Heimat gefunden hatten. Die Entwicklung der Schule, die 1919 mit einer Klasse eröffnet wurde, ging von Jahr zu Jahr Massenweise von statten, so daß die Anstalt, die seit Jahren das Oeffentlichkeitsrecht besitzt, im Jahre 1927 mit 27 Absolventen die erste Reifeprüfung abhalten konnte. Leiter der Schule ist seit 1919 Dr. Viktor Kellner. Wiewohl die Räumlichkeiten des Stiftungsgebäudes in dem die Schule seit 1923 untergebracht ist, bereits zweimal ausgebaut wurden, macht sich noch immer Raummangel, besonders was die Lehrmittel- Sammlungen betrifft, geltend. Für die materiellen Grundlagen der Schule sorgte bei Lebzeiten Prof. Chajes in hinreichender Weise, der vornehmlich amerikanische Geldgeber für sein Schulwerk interessieren konnte. Seither hat der als Träger der Schule tätige Verein ״Jüdisches Realgymnasium" mit Schwierigkeiten zu kämpfen; und es dürfte zu einer endgültigen Befestigung der Schule erst kommen, wenn, wie zu hoffen, der österreichische Staat der Gemeinde für kulturelle und soziale Zwecke mit größeren Beihilfen unter die Arme greifen wird. Das Programm der Schule ist das eines staatlichen Realgymnasiums mit Latein von der II. und Englisch von der V. Klasse an. Hebräisch wird von der I. Klasse an als lebende Sprache in 4 Wochenstunden unterrichtet, der Religionsunterricht (2 Stunden in der Klasse) erfolgt grundsätzlich ebenfalls in dieser Sprache. Lehrziel ist: vollkommene Beherrschung der modernen hebräischen Sprache, sowie tiefere Kenntnis der jüdischen Kultur von der Bibel bis auf die neuhebräische Literatur; ferner Bewandertheit in der jüdischen Geschichte und in der Geographie Palästinas. Von V. an beginnt ein systematischer Unterricht in der jüdischen Literaturgeschichte: V.—VI. Agada und Mischna, VI.—VII. Gemara, VII. Literatur des Mittelalters, VIII. moderne Literatur. Der Religionsunterricht besteht im Wesentlichen in der Lektüre der Bibel, die hebräisch erklärt wird. Die Schule ist eine national-

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