Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 75 (1931)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Die jüdischen Mittelschulen in den Ländern der ehemaligen österreichisch-ungarischen Monarchie
- Date
- 1931-01-01
- Page
- Seite 217 (sequence 9)
- Language
- German
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217 Kizzur, auch Talmud mit inbegriffen — stets großes Gewicht gelegt — die Kinder erhielten wöchentlich 8—10 Stunden in jeder Klasse — für den hebräischen Sprachunterricht wurde aber erst 1921 ein Lehrstuhl eingerichtet mit der programmatischen Begründung: ,,Die parallele Uebung der lebendigen hebräischen Sprache wird das Verständnis der Tora und der heiligen Schriften bedeutend erleichtern. Besonders bei uns, wo die Schüler das Jiddische noch nicht besser beherrschen als das Hebräische/״ Trotzdem meldet der Bericht desselben Jahres, der Vorstand habe beschlossen, daß der Pentateuch von nun an in die jiddische, resp. deutsche Sprache übersetzt werde. Tarbuth-Lyzeum, Cluj (Klausenburg). Gleichzeitig mit den beiden vorhergehenden Mittelschulen entstand 1920 auch in der Hauptstadt Transsylvaniens, im traditionell-ungarischen Klausenburg ein jüdisches Lyzeum und zwar zugleich je achtklassig für Knaben und Mädchen. Der Begründer dieses Schulwerkes war der zionistische Landeskultur verein Tarbuth, auf Grund der den beiden Klausenburger isr. Gemeinden erteilten amtlichen Schuleröffnungslizenz. Sogleich im ersten Jahre wurde die Knabenschule von ungefähr 400, die Mädchenschule von 200 Zöglingen besucht, deren Unterricht von 20, bezw. 12, meist gewesenen ungarischen Lehrkräften besorgt wurde. Da das Programm der Schule ausdrücklich die Erziehung der Jugend in jüdisch-nationalem Geiste und deren Hebraisierung vorsah, war die Unterrichtssprache — mit Ausnahme einiger rumänischer Fächer — das Hebräische. In den ersten Jahren war als Aushilfssprache auch das Ungarische gestattet, doch nahm die Zahl der rumänischen, nicht jüdischen Lehrkräfte von Jahr zu Jahr zu. Die hebräischen Disziplinen wurden in je 6—9 Wochenstunden natürlich recht eingehend betrieben. Mit dem Jahre 1923 änderten sich aber die Verhältnisse gründlich. Die allgemeine Unterrichtssprache wurde rumänisch, das Hebräische wurde nur für die judaistischen Fächer erlaubt, Ungarisch ganz ausgeschlossen. Damit war aber anscheinend die Lebensberechtigung und Lebensmöglichkeit der Schule untergraben; der Staat entzog der Tarbuth-Organisation die Berechtigung der Schulerhaltung, finanzielle Schwierigkeiten traten hinzu und die Schule mußte im Juni 1925 — nach kaum fünfjähriger Tätigkeit — ihre Tore schließen. Jüdisches Lyzeum, Timisoara (Temesvär). In der Hauptstadt des Banats, wo ungefähr 2000 Judenfamilien in drei verschiedenen Gemeinden leben, rief der politische Jüdische Nationalverband, vorläufig auf konfessioneller Grundlage, im Jahre 1919 ein ,,Jüdisches Lyzeum“ ins Leben, um den vielen jüdischen Mittelschülern dieser ausgesprochenen Schulstadt ein ruhiges Obdach, ein jüdisches Heim zu sichern. Anfangs umfaßte das Schul werk Gymnasial-, Real- und höhere Handelsklassen, die koedukationeil ungefähr 650 Zöglinge hatten. Bis 1923 war die Unterrichtssprache die ungarische, nachher mußte die Schule, um das Oeffentlichkeitsrecht zu erhalten, auf das Rumänische übergehen, bloß für die jüdischen Gegenstände ist auch hier das Hebräische gestattet; nach Mitteilungen des Direktors ist ,,vor allem die Erlernung der Sprache, die Hebraisierung zum Ziele genommen, erst nachher die Kenntnis