Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 75 (1931)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Die jüdischen Mittelschulen in den Ländern der ehemaligen österreichisch-ungarischen Monarchie
- Date
- 1931-01-01
- Page
- Seite 216 (sequence 8)
- Language
- German
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216 (manche Jungen tragen ein Käppchen). Im Schulhof befindet sich die eine Gemeindesynagoge; bei den Jugendgottesdiensten fungieren die Schüler auch als Vorbeter und Vorleser. Religion und Hebräisch werden in je 4 Wochenstunden erteilt; in einem ,,Biblischen Zirkel“ für Selekta werden von Rabb. Dr. S. Schlesinger Hagiografen he־ bräisch behandelt; in neuesten Elternkonferenzen tobt ein Kampf für und wider das Hebräische als lebende Sprache. Die weltlichen Studienerfolge werden bei den Landeswettbewerben anerkannt. Der Samson־Sportklub erfreut sich lokaler Autorität. 2. Rumänien. Von Debrecen ist es bloß 2—3 Stunden Wegs bis zur Trianoner Grenze. Hier im neuerworbenen Gebiete Großrumäniens, im ehemaligen Siebenbürgen, gab es eine beträchtliche Minorität von Ungarn, unter ihnen mehr als 180 000 Juden, die infolge der veränderten politischen Verhältnisse vor ein schwerwiegendes Sprachen־ problem gestellt waren. Rumänen konnten und wollten sie sich von dem einen Tag auf den andern nicht nennen, das Ungarische war verpönt, das Hebräische aber, das ihnen als Nationalitäten־ spräche gestattet worden wäre, war ihnen weder als Umgangs-, noch als Unterrichtssprache geläufig. Daher entstanden in drei jüdischen Zentren des Landes vorerst auf konfessioneller Grundlage — die ihnen durch die Friedens Verträge zugesichert war — Mittelschulen mit Verschiedenheiten in Zielsetzung und Sprachgebrauch, die jedoch nach dem Anghelescu'schen Sprachedikt 1923 alle auf die rumänische Unterrichtssprache übergehen mußten. Ihre Entstehung wurde noch durch den Umstand begünstigt, daß der rumänische Staat seit dem Umsturz nur in Ausnahmefällen Befreiung vom sabbatlichen Schreiben erteilt. Dr. Leopold Kecskem6tisches Knabenlyzeum, Oradea (Großwardein). In Großwardein begründete die neologe isr. Gemeinde mit Hilfe mehrerer aus dem Staatsdienst entlassenen Professoren 1920 ein achtklassiges Lyzeum für Knaben, dessen Unterrichtsspräche anfangs das Ungarische war. Ihr spiritus rectör war Rabbiner Dr. L. Kecskemeti, bei dessen 40 jährigem Seelsorgerjubiläum 1929 die Anstalt auch seinen Namen annahm. Politisch hat sich die Schule in keiner Richtung festgelegt; Hebräisch wird in jeder Klasse nebst den obligaten 2 Religionsstunden in einer Wochenstunde unterrichtet, in IV. und V. auch jüdische Geschichte. Untergymnasium der orthodoxen Gemeinde Oradea. Die andere Großgemeinde Großwardeins, die Fuchssche orthodoxe Gemeinde, hatte ein altbewährtes, bis ins 18. Jahrhundert zurückgehendes Schulwerk, das seit 1882 aus zwei Elementar־, einer Knaben- und einer Mädchenbürgerschule bestand. Nach dem Umsturz machten sich große finanzielle Schwierigkeiten geltend, die den Ausbau geplanter Weiterbildungskurse vereitelten. Von dem angekündigten Sprachedikt befürchtete der Jahresbericht von 1921/22 noch die Auflösung der Schulen; 1923 ging aber auch sie auf rumänischen Lehrbetrieb über und nahm dann 1929 den Charakter einer Unterstufe des Gymnasiums an. Dem strengreligiösen Geiste der Schule entsprechend wurde auf die jüdischen Gegenstände — Raschi,