Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 75 (1931)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Die jüdischen Mittelschulen in den Ländern der ehemaligen österreichisch-ungarischen Monarchie
- Date
- 1931-01-01
- Page
- Seite 215 (sequence 7)
- Language
- German
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215 führt ein Junge dieser Anstalt den Ehrentitel: bester Sportler der Hauptstadt, andere sind ungeschlagene Landesmeister im Fechten, Schwimmen, Schaukelring. b) Mädchengymnasium. Von Anfang an im vornehmen Villenviertel an der Andrässystraße untergebracht, ward es bald zu einem der besuchtesten und beliebtesten Mädcheninstitute der Hauptstadt. Seine äußere wie innere Entwicklung verlief ungestört; es vertritt den im Lande selteneren Typus des reinen Gymnasiums, mit Deutsch von I., Latein von III., Französisch von V., ebenso fakultativ Griechisch von V. Der Religionsunterricht wird von seminarisch vorgebildeten Religionsprofessoren erteilt und beträgt in jeder Klasse 3 Stunden. Bibel und Propheten bilden den Kern des Lehrstoffes.' In edlem Wettbewerb mit dem Knabengymnasium veranstaltet es Jugendgottesdienste und religiöse Feiern; behufs Erlernung des rituellen Haushaltes werden Koch- und Wirtschaftskurse abgehalten. Auch die Mädchengymnasiasten zeichneten sich mehrfach bei den Landesbewerben aus, z. B. in Mathematik, Turnen, Stenographie. Mit Beginn des nächsten Schuljahres, September 1931, übersiedelt auch das Mädchengymnasium in den bis dahin vergrößert fertiggestellten Schulbau (VII. Abonyigasse 7/9), wo sich sodann in zwei voneinander vollständig getrennten Gebäudeflügeln das wohl großartigste Schul werk des Kontinents befinden dürfte1 2. Jüdisches Realgymnasium, Debrecen. Das Budapester Beispiel eiferte zur Nachahmung an. So entstand zwei Jahre später, 1921, in der zweitgrößten Provinzstadt des nordöstlichen Ungarns ein Jüdisches Gymnasium. Der Direktor der dortigen staatlichen Realschule, Dr. Adalbert Kardos, der einzige jüdische Mittelschulleiter Ungarns, der eben damals in den Ruhestand versetzt wurde, übernahm Organisation und Leitung der Schule, die anfänglich in unzulänglichen Räumen untergebracht, 1925 ihr neben der Volksschule errichtetes eigenes Heim bezog. Ursprünglich Gymnasium, vollzog auch sie die Umwandlung in ein Realgymnasium mit Französisch als zweiter moderner Sprache, erhielt bald das Oeffentlichkeitsrecht und konnte im Juni 1929 ihr erstes Abiturium mit schönem Erfolge abhalten. Der Geist der Schule ist echt patriotisch, doch ebenso gut jüdisch, in mancher Beziehung konservativer als in der Budapester Anstalt 1 Im Anschluß an die tabellarische Uebersicht über das jüdische Volks- Schulwesen Deutschlands (S. 144 ff.), möchte ich hier einige statistische Daten über die ungarländischen jüdischen Volks- und Bürgerschulen veröffentlichen, wie sie mir Direktor J. Pinter nach den Aufzeichnungen des Israelitischen Landeslehrervereins zur Verfügung stellte. Demnach gibt es derzeit (März 1931) in Rumpfungarn insgesamt 154 Elementarschulen u. z. 90 ungeteilte, mit einer Lehrkraft, 35 mit 2, 10 mit 3, 9 mit 4 und 19 mit mehr Lehrkräften, zusammen mit 367 Lehrkräften. Von den Schulen gehören 70 mit 166 Lehrern der sog. ,,Kongreßrichtung“ an, 87 Schulen mit 169 Lehrern sind orthodox, 8 Schulen mit 32 Lehrern status quo. Die Gesamtanzahl der Schüler beträgt: 12 380 mit 2—3 % Nichtjuden. Jüdische Bürgerschulen existieren im Lande 8, 3 Knaben- und 5 Mädchenschulen. (Sie bauen sich auf den 4 Elementarklassen auf, gleichen in Lehrziel und Lehrstoff den alten deutschen Realschulen mit Deutsch als einziger Fremdsprache und haben allgemein 4 Klassen.) Die jüdischen Bürgerschulen: 4 in der Hauptstadt, 2 in Miskolc, 1 in Debrecen und 1 in Baja haben insgesamt 38 Klassen mit 92 Lehrkräften und 1556 Zöglingen (638 Knaben, 918 Mädchen).