Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 75 (1931)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Die jüdischen Mittelschulen in den Ländern der ehemaligen österreichisch-ungarischen Monarchie
- Date
- 1931-01-01
- Page
- Seite 212 (sequence 4)
- Language
- German
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212 Obergymnasiums war nämlich einerseits, den in Ungarn noch ziemlich häufigen ,,bachurischen“ Elementen die nötige Gymnasialbildung, andererseits späteren Rabbinatskandidaten oder sonstigen Interessenten reichliche jüdische Kenntnisse zu vermitteln. Dementsprechend sind für diesen Kurs 3 eigene, jüdische Lehr- Stühle vorgesehen, die Stundenzahl der hebr. Disziplinen beträgt in jeder Klasse 16 Wochenstunden. Im übrigen befolgt er ziemlich genau den staatlichen Lehrplan, bloß Deutsch und jüdische Geschichte werden etwas eingehender behandelt. Der Kurs steht unter direkter Oberaufsicht des ungarischen Kultusministeriums, zwischen dem und dem Lehrkörper der sog. ,,leitende Ausschuß“ vermittelt. Direktor und Professoren, die zum großen Teil (5 von 7) mit der theologischen Anstalt gemeinsam sind, sind Staatsangestellte, ersterer — derzeit Rektor Dr. L. Blau — Leiter des Rabbinerseminars, mit dem er auch gemeinschaftliche Jahresberichte herausgibt. Aus letzteren ist ersichtlich, daß die Besucherzahl dieses Kurses ziemlichen Schwankungen unterworfen ist. Während die Kurve anfänglich ziemlich gleichmäßig anstieg, und 1888 die Höchstzahl von 106 Zöglingen erreichte, fiel sie während des Krieges, um im Jahre des Schreckens 1919 den Tiefstand von 18 Köpfen zu erreichen. Heute besuchen im Durchschnitt 65 Zöglinge die Anstalt, von denen sich ein bedeutender Teil nicht-rabbinischen Laufbahnen zuwendet, und in der Gesellschaft dann durch ihr tieferes Interesse für hebräische Literatur und Kultur zur Geltung kommen. Isr. Landes-Lehrerseminar«, Budapest Ursprünglich einer sog. Musterhauptschule angeschlossen, die in einigen Monaten aus Volksschülern, Volksschullehrer hervorzaubern wollte, wurde diese einzige jüdische Lehrerbildungsanstalt Ungarns 1859 von dem obener״ wähnten Landesschulfond übernommen, und 1877 ebenfalls in dessen Gebäude untergebracht. Sie machte natürlich die Entwicklung aller Lehrerseminarien mit: sie nahm ihre Zöglinge nach 4 Bürger- oder Mittelschulklassen auf, die sie seit 1859 in 2, seit 1870 in 3, seit 1881 in 4 und seit 1922 in 5 Jahrgängen bis zur staatlich abgenommenen Befähigungsprüfung weiterführt. Ihre Oberbehörde ist ein staatliches Oberdirektorat, in konfessionell-autonomen Angelegenheiten ein vom Minister ernannter Direktionsrat. Im Lehrplan nahmen die hebräischen Gegenstände stets eine hervorragende Stelle ein und werden heute in wöchentlich 6 Stunden unterrichtet. Im Lehrkörper, der — die Lehrer der 6 Massigen Uebungsschule mitinbegriffen — aus 11 ordentlichen und 4 Aushilfskräften besteht, wirkten bedeutende Pädagogen des Landes; an seiner Spitze stand 40 Jahre hindurch der bekannte Literarhistoriker Dr. Josef Bänoczi, seit 1929 der philosophische Schriftsteller Dr. S. Szemere. Die Frequenz der Zöglinge zeigt auch hier ähnliche Schwankungen wie im Rabbinerseminar; in den letzten Jahren steht die Zahl auf 120, unter denen sich einige ,,bemooste Häupter“ zu befinden pflegen. Dem Herkunftsort nach liefert sozusagen das ganze . Land den Nachwuchs, der anfangs hier sich seine ungarischen Spraclikenntnisse aneignete, heute beklagt sich der Direktor, daß die Jugend nicht Deutsch kann. Allenfalls versorgt diese Anstalt