Mannheim
Compact Memory

Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1931-01-01 · Heft 3 · p. Seite 211

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
75 (1931)
Issue
Heft 3
Article
Die jüdischen Mittelschulen in den Ländern der ehemaligen österreichisch-ungarischen Monarchie
Date
1931-01-01
Page
Seite 211 (sequence 3)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
97% known words query
IRI
…/2829132-2829975-2829979-2836800--50500-2836876
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

211 (1877) keine Bezahlung annimmt. Im Jahre 1865/66 eröffnet die Schule die II. Klasse, 1873 die III. Klasse und dem neuen Mittel- Schulgesetze entsprechend 1884/85 die IV. Klasse, die 1894 in ihr eigenes, neuerrichtetes Heim ziehen. Gleichzeitig erhielt die Schule ihre erste staatliche Subvention, die sich um die Jahrhundertwende bis zu Fl. 5 000.— erhöhte. Die Lehrer erhielten staatlich geregelte Gehälter, wurden Mitglieder des allgemeinen Pensionsfonds; dagegen mußte die Gemeinde, als Schulerhalterin einem Teil ihrer Autonomie entsagen: Direktor und zwei Lehrer wurden vom Minister ernannt, auch der Lehrplan wurde dem staatlichen angeglichen. ,,In dieser Hinsicht hatte freilich die Schule auch bisher wenig jüdische Eigentümlichkeiten aufzuweisen“, — wie Prof. B. Heller in seinem Aufsatz (Jahrbuch der Isr. Ung. Literaturgesellschaft 1912 — ungarisch) bemerkt, dem ein großer Teil dieser Daten entnommen ist. Die Schule, die tschechischen, mährischen und deutschen Lehrern ihren Aufschwung verdankt, war von Anfang an bestrebt, ihre Zöglinge, unter denen sich — manchmal bis 40% — Kinder von nicht jüdischen Eltern befanden, in die ungarische Sprache und Kultur einzuführen und erfüllte auf diesem gemischtsprachigen Gebiete also eine nationale Sendung. In religiöser Beziehung huldigte sie einem gesunden Konservativismus, gewöhnte ihre Zöglinge an den täglichen Besuch des Gotteshauses und suchte auch im Religionsunterricht, der wöchentlich je 3 Stunden betrug, das größte Gewicht auf die Gesinnung zu legen. Im Jahre 1912, da Direktor Julius Meszäros in einer herrlich ausgestatteten Jubiläumsschrift über ihre 50jährige Wirksamkeit Rechenschaft ablegen konnte, erhielt die Anstalt das Recht, auch die 4 oberen Klassen einer Oberrealschule auszubauen. Dies geschah und 1915/16 wurde das erste Abiturium abgehalten. Während des Umsturzes (November 1918) wurde die Judenheit von fanatisierten Mengen ausgeplündert, das Schulgebäude später vom tschechischen Staate als Bürgerschule eingerichtet, Lehrer und Schüler aber mußten anderswo Unterkommen. Einen bedeutenden Teil der Lehrmittel- Sammlungen erhielt das Hebräische Gymnasium in Mukacevo zu Geschenk (s. unten!). Gynmasialkurs des RahMnersemmars, Budapest. Ein in seiner Art ganz einzigstehendes Gymnasium ist jener Vorbereitungskurs für das Budapester Franz Josef-Landes-Rabbinerseminar, der mit demselben organisch verbunden als dessen Bestandteil anzusehen ist. Bekanntlich wurde diese Hochschule des Judentums aus jener Kriegssteuer errichtet, die der Niederwerfer des 1848er Aufstandes, General Haynau, von den patriotisch gesinnten Gemeinden des Landes eingehoben hatte und die durch königliche Huld später als ,,Israelitischer Landesschulfond“ zur Erhaltung eines Rabbiner- und Lehrerseminars bestimmt wurde. So wurde denn 1877 samt der Anstalt auch ihr stattliches Schulgebäude eingeweiht, in dem nebst den 5 Jahrgängen für Theologie auch dieser ,,untere Kurs“ Unterkunft fand. Der Lehrgang war von Anfang an so gedacht, daß der Stoff der vier Obergymnasialklassen in 5 Jahrgängen durchgenommen wurde, während die übrige Zeit eingehenden hebräischen Studien Vorbehalten blieb. Zweck dieses der Unterstufe entbehrenden 14*

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.