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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1931-01-01 · Heft 3 · p. Seite 210

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
75 (1931)
Issue
Heft 3
Article
Die jüdischen Mittelschulen in den Ländern der ehemaligen österreichisch-ungarischen Monarchie
Date
1931-01-01
Page
Seite 210 (sequence 2)
Language
German
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210 Den Handelsgegenständen wurde von jeher eine große Aufmerksamkeit zugewendet; in der sog. 4. Klasse, d. i. im 8. Schuljahre, wurden z. B. in den 50 er Jahren folgende Gegenstände unterrichtet: Religionslehre, ungarische Sprache, deutsche Sprache, Geographie, Geschichte, kaufmännisches Rechnen, Physik, Naturgeschichte, Buchhaltung, Wechselkunde, kaufmännische Terminologie, Handelskorrespondenz, auch Zeichnen und Turnen. Berühmt waren die ,,Nagykanizsaner" — wie die Frankfurter Philanthropiner — durch ihre schöne Handschrift und waren in Nah und Fern als Kaufleute und Beamte gesucht. In demselben Jahre 1857, in dem in Budapest die erste sog. Handelsakademie eröffnet wurde, verwandelte sich auch die Nagykanizsaer Schule in eine Art Realschule, die nach österreichischem Muster, oft den Namen Real-Commercialschule führt; 1890 vollzog sich ihre Entwicklung zu einer staatlich vollanerkannten Höheren Handelsschule, deren Abiturium dem der Gymnasien gleichgestellt wurde. Im selben Jahre rief die Gemeinde als Unterbau, auch eine vierklassige Bürgerschule ins Leben, so daß der erste Chronist der Anstalt, der von 1868—1916 an leitender Stelle wirkende S. Bün, seine Darstellung mit den Worten schließen kann: ,,Es ist gewiß eine seltene Erscheinung, daß eine nicht sehr volkreiche Kultusgemeinde aus eigener Kraft Schulen unterhält, in denen die Jugend von der ersten Elementarklasse angefangen bis zur Matura Unterricht erhält, ohne Unterschied der Konfession, zum großen Teil unentgeltlich/' Ihre weitere Entwicklung, die leider 1902 ihre Bürgerschule aufgab, schildert sein Nachfolger: Dr. H. Villängi. Die Schule begnügte sich von Anfang an mit den ministeriell vorgeschriebenen 2 Wochenstunden zur Religion, die, da sowohl der Sabbat als der Sonntag schulfrei gemacht werden mußten, am Sonntag gegeben werden. Im übrigen unterhält die Gemeinde eine Talmud Tora mit wöchentlich 2 Stunden; an den Jugendgottesdiensten der jüdischen Mittelschuljugend nehmen auch die Handelsschüler Teil. Isr. Realschule, Yägujhely (Waag-Neustadtl). Aehnliche Verhältnisse wie in Nagykanizsa führten auch an der nord westlichen Grenze des ehemaligen Ungarns zur Gründung einer jüdischen Mittelschule. Im Becken nördlich von Preßburg, wo die sog. ,,Slovakischen Juden" in ziemlicher Dichte sitzen, war es der sonst unbedeutende aber von kulturfreudigen Nachkommen der ,,letzten Vertriebenen von Ung. Brod" bevölkerte Marktflecken Vägüjhely (heute Nove Mesto), der sich die einzige jüdische Realschule des Landes schuf. Ihr Löw, Schöpfer und erster Leiter war der seit 1855 dort als Rabbiner wirkende Josef W e i s s e, der bekannte Maskil, Hebraist und Bibelerklärer. Im Jahre seiner Hinkunft wurde der bisher privaten Gemeinde-Volksschule, die in ihrer höchsten Klasse bereits allgemein-praktische Kenntnisse vermittelte, also den Charakter einer Unterrealschule besaß, vom (Wiener) Ministerium das Oeffentlichkeitsrecht verliehen, doch trat sie — wegen einer großen Feuersbrunst im Jahre 1856 — erst 1862 ins Leben. Ihr erster Lehrer des Hebräischen und Organisator eines Jugendgottesdienstes ist Josef Weisse selbst, der für seine Tätigkeit bis zu. Ende

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