Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 75 (1931)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Zur Narbattafrage
- Date
- 1931-01-01
- Page
- Seite 201 (sequence 3)
- Language
- German
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201 Gelegentlich meiner größeren Arbeit ging ich bereits vor längerer Zeit auf die Suche nach der Ortslage von Narbata. Ritter teilt mit1, daß auf Berghausנ Karte dicht neben dem Dorfe Sindiane in Biläd er-Ro^a ein Ort namens Nabata eingetragen ist, der nach den schriftlichen Mitteilungen des Consul E. G. Schultz (in Jerusalem) von Febr. 1849 ,,Narbata heißt und ein Dorf bei Josephus bezeichnet, das in der Geschichte des Ausbruchs der jüdischen Revolution gegen die Römer vorkommt“. Dieser Name ist zwar auf keiner der mir zur Verfügung stehenden Karten eingetragen, wohl ist aber auf der großen Karte des PEF Bl. 8 neben dem südöstlich von der jüdischen Kolonie Zichron Jacob gelegenen Dorfe es-Sindiäne gegen NW eine große Ruine ohne Namensnennung verzeichnet. es-Sindiäne ist in der Tat genau 12 km von Cäsarea entfernt. Herr Z. Amitai, Leiter der Schule von Zichron Jacob, teilt mir über diese Ruine brieflich folgendes mit: Nordwestlich von Sindiane steht auf einem Hügel die Ruine einer alten Burg (**ii), die von den Arabern der Umgegend Chirbet Tätä, Nebi Tätä oder Chirbet Nebi Tätä genannt wird. Die Ruine, die man vom Vorplatze der Synagoge (der Kolonie) aus sieht, ist aus weißem Kalkstein gebaut und daneben liegen viele sehr große Bausteine verstreut. In der Nähe befinden sich mehrere Grabeshöhlen. Gegenwärtig ist die Ruine von 2—3 arabischen Bauemfamilien bewohnt. Wie die alten Araber dieser Gegend erzählen, habe vor mehr als fünfzig Jahren der damals in der Scharon-Ebene weit und breit hochangesehene Scheich Abu Rabbäh (das Haupt des nördlich vom Jarkon-Nahr el-'Audsche hausenden Beduinenstammes Abü Kischk) in einer der Höhlen von Chirbet Tätä das angebliche Grab des Nebi Tätä gezeigt2. Das Dorf es-Sindiäne ist sicherlich eine alte Ortslage, was durch das dort aufgefundene Aequadukt und andere Baureste aus römischer Zeit bezeugt ist3. Der heutige Name der Burgruine klingt stark an den alten Namen Narbata an. Aus Narbata ist im arabischen Volksmunde zuerst Nabätä und dann Nebi Tätä geworden. Auch stimmt die Entfernung der Ruine Nebi Tätä bzw. des Dorfes es-Sindiäne von Cäsarea genau mit der Femangabe des Josephus überein. Es ist demnach zweifellos, daß hier die Ortslage von Narbata ist. Chirbet Nebi Tätä bzw. es- Sindiäne, deren wasserreiche Quelle ehemals Cäsarea mit Wasser versorgt hat4, war der Mittelpunkt des Kreises, während die auf den umliegenden Hügeln weit und breit verstreuten Ruinen und sonstigen Ueberreste alter Bauten (auch in Zichron Jacob hat man bei Grabungen verschiedentlich alte Bauten entdeckt) von einer dichten Besiedelung dieser Gegend in alter Zeit, aber auch von der Verwüstung zeugen, die eine von Cestius auf die Juden losgelassene. Soldatenschar angerichtet hat5. 1 Erdkunde XVI (1), 3. Buch, S. 713. 2 Als zum arabischen Folklore gehörend, möge hier folgende Legende aus dem Munde der Araber der Umgegend von Zichron Jacob aufgezeichnet werden: Nebi Tä!ä habe prophezeit, es würden Juden aus fremdem Lande kommen, die den dem Ruinenhügel gegenüberliegenden. Berg (von Zichron Jacob) besiedeln und fruchtbar machen werden. 3 Siehe mein Palästina, S. 245. 4 J. Press, a. a. O. s Bell. Jud. II 13, 10.