Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 75 (1931)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Zur Narbattafrage
- Date
- 1931-01-01
- Page
- Seite 202 (sequence 4)
- Language
- German
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202 Die Juden von Cäsarea, die beim Ausbruch des Aufstandes mit den Gesetzesrollen nach Narbata flüchteten, gingen denselben Weg, der auch heute von der schmalen Küstenebene über die Kolonie Binjamina in das Hügelland hinauf nach es-Sindiäne und Chirbet Nebi Tätä, nach Zichron Jacob und deren Tochterkolonien Meir Schefeya und Bath Schelomo führt. So wollte es denn ein glückliches Geschick, daß das ehemals jüdische Gebiet von Narbata, das vor neunzehn Jahrhunderten von einem rachedürstenden Feinde verwüstet worden war, in neuerer Zeit wiederum von Juden besiedelt, bebaut und urbar gemacht worden ist. 3. Der Gedenktag des 25. Marcheschwan in der Fastenrolle* Von Hans Lic 11 teil stein in Berlin. In seinem Aufsatze ,,Narbatta und die jüdischen Siedlungen westlich von Samaria“1 hat Samuel Klein kürzlich eine Vermutung Herzfelds und Derenbourgs2 wieder aufgenommen und das rätselhafte נברכתא im Scholion der Fastenrolle zum 25. Marcheschwan mit der Toparchie von Narbatene, die zwischen Caesarea und dem Gebiet von Samaria lag3, identifiziert. In einer früheren Abhandlung4 hat er diese auch im 1. Makkabäerbuche (V, 23) wiedergefunden. Beides wird noch dadurch gestützt, daß Codex Alexandrinus und ein Korrektor des Codex Sinaiticus (K°.a) eu ’Apßaxroic für eu ,Apßdrvoiz lesen; durch einen Hörfehler könnte es aus iu Napßdxvonr entstanden sein, was dem semitischen נברכתא so genau wie möglich entsprechen würde. Ist Klein soweit zuzustimmen, so scheint mir dagegen seine weitere Erklärung des Scholions nicht zuzutrefien. Daß an unserm Tage die Eroberung Samarias durch Johann Hyrkan gefeiert wmrde, ist unbestritten. Nach Klein erblickt der Scholiast nun den Grund hierfür ,,in der feindseligen Haltung der samaritanischen Hauptstadt den jüdischen Bewohnern Narbattas gegenüber/' Klein will das Scholion folgendermaßen ,,deuten bezw. korrigieren: Als die erste Exilsgemeinde hinaufzog, da kamen die im Fleck der Kutim Wohnenden zu den Israeliten, aber sie ließen sie nicht zu (zu dem Bau des Tempels); sie kamen darauf nach Sebaste und bewohnten es und umgaben es mit Mauern, daß es werde eine ummauerte Stadt, und es wurden ihm viele Städte angeschlossen“, und sie füllten sämtliche Städte von Narbatta. Selbst nach dieser Deutung aber ist im Scholion von Streitigkeiten zwischen den Samaritanern und den jüdischen Bewohnern Narbattas keine Rede, vielmehr von einer Zurückweisung der Kuthäer durch die heimkehrenden Juden; daß es in der Nachbar- 1 MGWJ LXXIV, 1930, S. 369 ff. a Essai sur Phistoire et la gäographie de la Palestine, Paris 1867, S. 72, n. 1. 3 Josephus, BJ II 291, 509. 4 Galiläa von der Makkabäerzeit bis 67 (Palästina-Studien I 4), Wien- Berlin 1928, S. 2 ff.