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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1931-01-01 · Heft 3 · p. Seite 188

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
75 (1931)
Issue
Heft 3
Article
Reste neuplatonischer Spekulation in der Mystik der deutschen Chassidim und ihre Vermittlung durch Abraham bar Chija
Date
1931-01-01
Page
Seite 188 (sequence 17)
Language
German
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188 wenn auch nicht mehr, während in der weiteren Entwicklung bei Ps.-Saadja auch dieser Anklang, ja bei Elasar von Worms diese ganze Welt überhaupt verloren gegangen ist. Die umständliche exegetische Deduktion dieses Dualismus von Paradies und Hölle aus dem entsprechenden der vierten Welt bei A. b. Ch. besaß keine Anziehungskraft für die Phantasie ihrer chassidischen Leser, und ist bei ihnen spurlos verschwunden. Der Terminus technicus שלם היצירה für die neuplatonische Physis findet sich nun noch einmal bei A. b. Ch. im הגיון הנפש Bl. 5b, wo von den חכמי המחקר, deren neuplatonischen Charakter man ebenfalls schon erkannt hat, ein (oben schon erwähntes) Zitat über das Schicksal der Seele nach dem Tode angeführt wird. Ich möchte die Vermutung aussprechen, daß dieses Stück aus demselben Buch stammt wie das Schema der fünf Lichtwelten, und daß wir als diese Quelle eines der für uns verlorenen Pseudepigraphen nach Art des Pseudo-Empedokles, der ja ebenfalls Spekulationen über die ontologische Hierarchie mit mystischen Theologumena über das Schicksal der Seele verband, zu betrachten haben1. In diesem Fragment (von dem sich ebenfalls leicht erweisen läßt, daß es A. b. Ch. schon in hebräischer Uebersetzung vorlag) wird zwischen der metaphysischen Welt der Natur und der physischen gut neuplatonisch deutlich unterschieden. Die physische Natur heißt ״ עולם התמורהWelt des Wechsels“2, während ihre unveränderliche Wesenheit, die über der Sonnensphäre liegt, eben עולם היצירה heißt. A. b. Ch. selbst dagegen verwischt gleich darnach in der Besprechung des Zitates diesen Unterschied, in dem er auch die vergängliche Natur in diesen Begriff mit einbezieht, und beweist eben damit, daß diese von ihm schon mißverstandene Terminologie nicht von ihm selbst geprägt ist. Ob sich noch weitere Anhaltspunkte zur Erkenntnis dieser letzten Quelle der hier behandelten Gedanken finden (die übrigens auch die Seelen- Wanderung lehrte, die A. aber noch entschieden verwirft), vermag ich z. Z. nicht zu sagen. Daß diese fünf Welten des ״Lichts“, wie A. b. Ch. sich ausdrückt, über dem Rakia‘, d. h. der räumlichen Welt, oder, wie wohl in seiner Quelle stand, über der Welt der Wahrnehmung und sinnlichen Natur lokalisiert sind, entspricht ebenfalls der Folge bei Ps.-Saadja, wo sie auch ausdrücklich vor der Raum weit, den ״sechs Richtungen“ des 1 Es ist ja sicher, daß viel mehr Pseudepigraphen dieser Art auch in hebräischen Uebersetzungen bei den Juden bekannt waren als wir heute wissen. Ein Fragment einer höchst bemerkenswerten Schrift solchen Charakters, die sich auf Plato und Aristoteles beruft und ebenfalls zwei Emanationsstufen über dem Nus kennt, habe ich erst jüngst in meinem Katalog der kabbalistischen Hss. der Jerusalemer Universitätsbibliothek S. 4 aus Asriels Haggadothkommentar veröffentlicht. Uebrigens kannte, wie ich erst jetzt bemerkt habe, auch Asriel dieses im הגיון הנפש zitierte Fragment (wohl eben aus dieser Quelle) und zitiert es z. T. in der erwähnten Hs. (8° 91) Bl. 5b. Abraham bar Chijas Schriften wurden auch sonst, wie sich nachweisen läßt, von den Kabbalisten, besonders denen in Gerona in der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts, viel benutzt. 2 Dieser Terminus wird auch sonst für die irdische Wahrnehmungswelt gebraucht, wurde aber dann später von den Kabbalisten in einer ganz anderen Bedeutung (als ,,Welt der Gegenstücke“, d. h. der unreinen und dämonischen Gewalten) verwendet.

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