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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1931-01-01 · Heft 3 · p. Seite 186

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
75 (1931)
Issue
Heft 3
Article
Reste neuplatonischer Spekulation in der Mystik der deutschen Chassidim und ihre Vermittlung durch Abraham bar Chija
Date
1931-01-01
Page
Seite 186 (sequence 15)
Language
German
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186 gunsten des in diesem Kreis autoritativsten kosmogonischen Textes verändert werden. Von einer Unabhängigkeit der so veränderten deutschen Tradition von A. b. Ch. kann aber keine Rede sein, da ja die Verbindung von Thron und Geist mit diesem Schema der Lichtwelten eben seine, von ihm nur als Möglichkeit erwähnte, eigene Zutat ist, die hier nun in der sich als ältere Form der Umbildung erweisenden Baraitha ins Zentrum gerückt ist. Die dritte Welt ist in der Ausdeutung A. b. Ch.s klar als judaisierter Nus charakterisiert. Seine Quelle, die eine für arabische Mystik so außerordentlich typische Verbindung gnostischer und plotinischer Gedanken in ihrer Hierarchie der Lichtwelten erstrebt haben dürfte, wird von dieser Stufe an etwa den Schilderungen der Trias Nus, Seele, Natur in den neuplatonischen Pseudepigraphen entsprochen haben. Die Uebersetzung von Nus mit מדע findet sich auch in der, wohl noch vor 1100 entstandenen, hebiäischen Ueber- Setzung von Saadjas Jezirakommentar1, während A. b. Ch. selbst schon שכל bevorzugt, also ein weiteres Indiz für eine hebräische Vorlage als seine unmittelbare Quelle. A. b. Ch. gibt diesem bei ihm noch wohl erkennbaren Nus nun eine rein homiletische, von philosophischer Fragestellung durchaus wegführende Wendung, wie er es nun genau so auch bei den folgenden Welten macht. Er bleibt sich dabei, wie schon gesagt, seiner auch sonst so oft in der Rezeption und Verarbeitung neuplatonischen Ideengutes zum Ausdruck kommenden Grundstimmung nur treu. Die deutschen Chassidim haben sich dieser homiletischen Umdeutungen unter völliger Abrogation des etwa noch erkennbaren philosophischen Gehalts bemächtigt und sie in recht primitiver Weise weiter gegeben, wobei dann schließlich teilweise phantastische und unsinnige Konzeptionen herausgekommen sind. Bei A. b. Ch. enthält die dritte Welt zwei verschiedene Stufen: den Nus, der Engel und Fromme (Propheten?) erleuchtet, und die Engelscharen, also ein philosophisches und ein theologisches Motiv nebeneinander2. Bei den Chassidim, denen der Begriff des Nus überhaupt nichts sagte, blieb von ihm (wie schon oben dargelegt) gerade noch der heilige Geist, der die Propheten erleuchtet, übrig, der sich vielleicht auch mit dem von A. b. Ch. vorher angeführten ״heiligen Geist“ vermischt haben mag, w׳as recht begreiflich wäre. Liegt doch in der Tat bei A. b. Ch. hier eine Verdoppelung der Begriffe vor, die sich aus der doppelten Quellenbenutzung herschreiben dürfte: Saadjas zur Deutung der zweiten Welt und des Neuplatonismus zu der der dritten. Dieser ״heilige Geist“ mag sich dann bei den Chassidim zerspalten haben, wo wir in der Baraitha des Josef ben Usiel den Geist Gottes und den Geist der Prophetie getrennt vorfinden. Dieser Geist der Prophetie, dessen Zusammenhang mit der Deutung des Nus bei A. b. Ch. unverkennbar ist, ist aber bei Josef ben Usiel in die vierte Welt (der Seele) herabgesunken, während die Engelscharen umgekehrt eine Stufe aufwärts gewandert sind und, besonders 1 Die Weltvernunft, der alte vou<; xo3׳ xoö^jloü, heißt hier מדע העולם (vergl. Anhang zum Jezirakommentar des Juda ben Barsilaj S. 340). 2 Die weitere Erklärung über diese Stufe ist dann durch A. b. Ch.s exegetisches Schema bestimmt/das ihn einen notdürftigen Zusammenhang zwischen dieser Welt und dem entsprechenden Bibelvers zu suchen zwingt.

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