Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 75 (1931)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Reste neuplatonischer Spekulation in der Mystik der deutschen Chassidim und ihre Vermittlung durch Abraham bar Chija
- Date
- 1931-01-01
- Page
- Seite 182 (sequence 11)
- Language
- German
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182 der Geistesart des Autors offensichtlich besonders zusagenden Abbiegungen und Umdeutüngeh neuplatonischer Gedanken (denen er im Uebrigen sehr positiv und freundlich gegenübersteht) ins Jüdisch- Theologische und Erbauliche1. Ist dem aber so, dann kann, wenn sich die Tradition der deutschen Chassidim als aus A. b. Ch.s Ausdeutung entstanden erweist, nicht mehr von einer Unabhängigkeit beider voneinander gesprochen werden, und ich muß meine in dem Aufsatz im Korrespondenzblatt S. 17 ausgesprochene Meinung berichtigen. Ich habe dort zum ersten Mal auf den hier zu diskutierenden Zusammenhang, freilich nur andeutend, hingewiesen, aber als fast sicher angenommen, daß beide Zeugen von einander unabhängig und daher auf eine ältere gemeinsame Quelle zurückzuführen seien. Diese Anschauung läßt sich bei genauer Interpretation nicht aufrecht erhalten. Abraham bar Chi ja hatte also ein Schema von fünf ,,Lichtweiten“ vor sich, das er mit seinen Anschauungen in Einklang zu setzen bestrebt war. Seine Terminologie für diese fünf Welten beweist ebenso klar, daß seine unmittelbare Quelle hebräisch war, wie daß sie auf eine arabische Vorlage zurückgeht. Das beweisen vor allem die Namen der beiden ersten Welten. Das rätselhafte טדבי und םדבי der deutschen Chassidim löst sich auf in das durchaus verständliche נודני. Im Druck der Megillath ha-Megalle steht zwar, wie auch oben mitgeteilt, נודני mit Daleth, aber an der richtigen Lesung kann ja in diesem Zusammenhang kein Zweifel mehr sein, ja vielleicht ist das ד der Edition nur ein Druckfehler, da auch Guttmann in der Einleitung S. XV ohne weitere Bemerkung עולם הנורני mit ר schreibt. Dies ist natürlich nichts anderes als eine defektiv ge^ schriebene Transkription des arabischen nüräni und die oberste Welt dieser Reihe ist also nichts anderes als die ,,Lichtwelt“ schlechthin2, von der bei den arabischen Neuplatonikern so viel die Rede ist, und die dort, so wie sie durch einen der Gnosis entnommenen Terminus benannt ist (vergl. das 5ל0א דנהורא der aramäischen und mandäischen Texte), auch oft die Funktionen des gnostischen Pieroma mit übernommen hat. Hätte Abraham bar Chi ja direkt aus einer arabischen Quelle geschöpft, so hätte er, dem ja alle Tendenz zu terminologischer Mystifikation wie überhaupt zur Mystifikation fern liegt, zweifellos nicht das arabische Wort stehen lassen, das sich dann in den Hss. so mannigfach w׳eiterkorrumpiert hat (Fehler durch Verwechselung von 1נ und ט sind in den mittelalterlichen Hss. sehr häufig), sondern hätte einen hebräischen Terminus gebraucht. So muß er diesen Terminus schon in einer hebräischen Quelle vorgefunden, haben und vermied dann, ihn zu ändern. Die Zuordnung zum ,,es 1 Ja, zuweilen zieht sich dieser Prozeß über beide Bücher hin: So wird die in 5 הגיון הנפשa/b angeführte, sehr bemerkenswerte Stelle aus neuplatanischen חכמי המחקר über die verschiedenen Schicksale der Seele nach dem Tode, deren Inhalt dort ganz abgelehnt wird, in 110—109 מגלת המגלה einer erbaulichen, den Sinn sehr stark verändernden Umbiegung unterzogen, die nur eine nach A. b. Ch.s Begriffen einwandfreie jüdische Theologie übrig läßt (vergl. Guttmanns Einleitung S. XVI—XVII). Ich komme auf die Stelle des הגיון נפש noch unten S. 188 zu sprechen. 2 So übersetzt auch, ohne jede weitere Bemerkung, J. Milläs in der er־* wähnten katalanischen Uebersetzung S. 38: el m6n lluminös.