Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 75 (1931)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Reste neuplatonischer Spekulation in der Mystik der deutschen Chassidim und ihre Vermittlung durch Abraham bar Chija
- Date
- 1931-01-01
- Page
- Seite 181 (sequence 10)
- Language
- German
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181 bedeutet, daß er der Weisheit die Kraft verlieh, das Gute zur Sicht zu bringen und es zu verstehen. Die vierte Stufe ist die Seele גשמה oder der Geist, der den Frommen und Unfrommen unter den Menschen eingehaucht ist, und die Philosophen nennen diese Stufe ״Welt der Seele", Und die Schrift erwähnt das Licht bei der Scheidung und seiner Trennung in zwei, wie es heißt ״und Gott schied zwischen dem Licht und der Finsternis". So ist das Licht eine Hindeutung auf die Seelen der Frommen, auf die das Licht des Intellekts אור המדע und der Gottesfurcht emaniert, so daß ihre Seelen in ihm leuchten und glänzen. Die Finsternis aber ist eine Hindeutung auf die Seelen der Gottlosen, zu denen das Licht der Gottesfurcht und Gotteserkenntnis nicht gelangt. Die fünfte Stufe ist das Licht, das für die Frommen in der künftigen Welt verborgen ist und die Philosophen nennen diese Stufe ״Welt der Natur" ע1למ היצירה, und die Schrift erwähnt sie gelegentlich der Benennung, und zwar nennt sie sie mit zwei Namen: Tag und Nacht, wie es heißt: ״und Gott nannte das Licht Tag und die Finsternis nannte er Nacht". So ist das Licht eine Hindeutung auf den Garten Eden als den Sitz der Frommen und die Finsternis eine solche auf das Gehinnom als den Sitz der Gottlosen, so daß du hieraus entnehmen kannst, daß das Licht, daß er auf der vierten Stufe abgetrennt hat, gerufen und vorbereitet1 ist* um auf der fünften Stufe zu seinem ihm zukommenden Ort sich zu wenden. Die Bedeutung des ״ ויקראer nannte" in diesem Vers ist also die von ״er wies an, lud ein", in welchem Sinn der Ausdruck קרא an vielen Schriftstellen gebraucht wird. ... So sind hiermit die fünf im ersten Abschnitt erwähnten Lichter erklärt."- Soweit ist die Stelle für die vorliegende Untersuchung von Bedeutung. Bevor nun diese sehr interessante Stelle in sich selbst und in ihrer Beziehung zu der entsprechenden Tradition bei den deutschen Chassidim, deren Untersuchung oben begonnen wurde, interpretiert werden soll, muß mit Nachdruck betont werden, daß die Beziehung dieser Welten auf die Schöpfungsgeschichte der Genesis und ihre, schon von Julius Guttmann in der Einleitung S. XV hervorgehobene, Theologisierung durchaus als die eigene Leistung Abraham bar Chijas anzusehen ist. Nur die Anschauung von den fünf Lichtweiten stammt samt deren Namen aus der fremden Quelle der חכמי המחקר, der Neuplatoniker; zeigen doch auch seine Ausführungen über die andern Schöpfungstage ganz entsprechende homiletische Methoden an anderem Quellenmäterial, in denen auch einige der hier erwähnten Anschauungen nochmals wiederkehren. Es berechtigt uns nichts, etwa anzunehmen, daß A. b. Ch. diese Ausdeutung des Weltenschemas schon aus einer anderen Quelle mitübernommen hätte. Auch in seinem andern Buch Hegjon ha-Nefesch finden sich solche, 1 Es handelt sich bei dieser Deutung von Gen 15 um ein Wortspiel mit dem Verbum גקדא das sowohl benennen als einladen heißt, was dann im Wort JbT ,הזמין wieder die Bedeutung vorbereiten, disponieren angenommen hat. Der in Gen 4S geschilderte Akt ist also hiernach nicht etwa eine einfache Namengebung, sondern bedeutet: Gott disponierte das ״Licht“ für den ״Tag“. Genau die gleiche Umdeutung des קרא in זימן bestimmt, freilich in einem emanatistischen Zusammenhang, die Deutung des Sohar zu diesem Vers (I 46b .(מהו ויקרא? קרא וזמין לאפקא