Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 75 (1931)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Reste neuplatonischer Spekulation in der Mystik der deutschen Chassidim und ihre Vermittlung durch Abraham bar Chija
- Date
- 1931-01-01
- Page
- Seite 180 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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180 Buches und I. Efros, dem wir Studien über die Terminologie Abraham bar Chijas verdanken1, entgangen. Die Stelle steht S. 22 in einer ausführlichen Besprechung des Sieben-Tage-Werkes, an dessen theologische Ausdeutung dann weiterhin weitreichende geschichtsphilosophische Konstruktionen (z. T. nach lateinischen Quellen) geknüpft werden. Vom ersten Tage sagt der Verfasser nun folgendes: ,,Wir sagen, daß am ersten Tag das obere Licht durch Gottes Wort, das sein Wille2 ist, entstand3, und bei der Entstehung des Lichtes wurde auch die Finsternis erkennbar, die sein Gegenpart ist. Das Licht, das am ersten Tage entstand, leuchtete aber nicht über der Erde, denn dieses Urlicht [Or Bahir4 5] hatte weder Körperlichkeit noch Materie und war auch weder mit Körperlichkeit noch mit Materie inhärierend verbunden, da Materie und Körper noch nicht geschaffen waren. Du findest aber in diesem Abschnitt [der dem ersten Tag gewidmet ist] das Licht fünf Mal und die Finsternis drei Mal erwähnt, und so finden wir auch, daß die am ersten Tage erschaffenen Lichtstufen oder Lichtwelten, die über dem Rakia sind, fünf Stufen oder nach den Worten der Philosophen חכמי המחקר fünf Welten sind, und du magst sie, mit welchem der [beiden] Namen du 1willst, benennen. Die erste Stufe unter allen ist das wunderbare Licht, das den Di enstengein, den Propheten und den Vornehmen Israels am Sinai erschien, und die Philosophen nennen dieses Licht העולם הכודני [andere Lesart im Apparat: העולם הנודע] und von ihm heißt es ,,Gott sprach: es werde Licht“. Die zweite Stufe ist die Stimme, die unser Lehrer Mose zwischen den Cherubim her, die die Engel bei ihrer Sendung und die ganz Israel am Sinai horten, und die Philosophen nennen sie Welt der רברבנות [andere Hss. haben לכרנות], und sie ist die beim Worte ,,und es ward Licht“ entstandene. Und man mag diese beiden Stufen im Sinne unserer Weisen ,,Thron der Herrlichkeit“ und ״heiligen Geist“ nennen. Die dritte Stufe ist das Licht der Weisheit,‘ der Erkenntnis, der Einsicht und der Thora. Es ist der Intellekt מדע, der den Engeln und Seraphim überliefert ist, und dies Licht des Intellekts emaniert מפיץ und breitet sich aus über die Frommen unter den Menschen, und in dieser Stufe stehen die Engel, die Chaschmalim und Ofarinim und alle Scharen der Höhe. Und die Philosophen nennen diese Stufe ״Welt des Intellekts“ עולם המדע, und deswegen erwähnt der Schrift vers sie beim Worte ״und Gott sah“, denn nicht durchs Auge oder Herz, sondern durch Weisheit und Intellekt מדע wird das Sehen vollkommen6, wie es heißt ״und Gott sah das Licht, daß es gut war“, und das ״sah“ hier 1 J. Q. R. XVII (1926—27) besonders S. 342. 2 Die Identifikation von Gottes Wort מאמר mit seinem. Willen ist die bei Gabirol zu-besonderer Bedeutung gelangte, aber schon bei Saadja und andern seiner Vorgänger auftauchende Lehre, die aus der Verknüpfung der Logos- Spekulation mit der Attributenlehre sich herschreibt. 3 Ueber dies am ersten Tag entstandene Licht vergl. aiich Meg. ha-Meg. S. 17 und 25—26. 4 Dieser Terminus (auch in seinem הגיון הנפש S. 4a) wird auch von Abraham bar Chijas Zeit- und Ortsgenossen Juda ben Barsilaj in dessen Jezirakommentar gebraucht (Neumark, Gesch״ d. jüd. Philosophie I 195). 5 D. h. nur das Sehen des Intellekts ist vollkommen, nicht das der darunter stehenden höheren oder niederen Organe.