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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1931-01-01 · Heft 3 · p. Seite 177

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
75 (1931)
Issue
Heft 3
Article
Reste neuplatonischer Spekulation in der Mystik der deutschen Chassidim und ihre Vermittlung durch Abraham bar Chija
Date
1931-01-01
Page
Seite 177 (sequence 6)
Language
German
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177 Und was ist die ,Seele נפש des Viehs, Getiers und der Vögel und wie wurden sie geschaffen? [8] Wie wurde das Universum1 geschaffen? [9] Wie wurde der Garten Eden und der Baum des Lebens und der Erkenntnis geschaffen? [10] Wie wurde das Gehinnom geschaffen und was ist es?2)“ Die Betrachtung dieser beiden Lehrstücke ist sehr aufschlußreich, um so mehr als sie zeigt, wie die in der Baraitha des Josef ben Usiel doch offensichtlich schon nicht mehr intakte ursprüngliehe Vorstellungsreihe, die mit den fünf Welten in Zusammenhang gebracht wurde, sich im Pseudo־־Saadja noch weiter korrumpiert hat. Ps.-Saadja sucht eine Begründung für den unverständlichen Ausdruck עולם הטרד und gibt eine ganz umständliche Konstruktion: Damit die Engel — die doch aber zur zweiten Welt gehören! י— Gott preisen können, muß eine Welt als besonderer Ort dieses Preisens geschaffen sein, die nun — offenbar ein ganz anderes und ursprünglicheres Motiv, das mit dem vom Preis der Engel nur aus etymologischen Gründen verbunden wurde — eben das eigentliche Pieroma, die Welt des Thrones und der ihn innehabenden Emanation der 86%a ist. Daß solche Welt keine 5. Sephira, wie bei Ps.-Saadja, sondern nur der Anfang der ganzen Weltenhierarchie sein kann, bedarf keines Beweises, und so stehen denn auch die auf sie bezüglichen Fragen am Anfang der ganzen kosmogonischen Folge bei Josef ben Usiel; und in der Tat ist ja der ,,Geist Gottes“, nach dem hier zuerst gefragt wird, eben die erste Sephira im Buch Jezira. Welcher Lehr- Zusammenhang׳ freilich die zweite Frage an diese Stelle gebracht hat, wo man sie nicht erwartet, ist unklar. Wurde etwa eine Deutung von Gen lt und 12 (רוח אלהים) in Zusammenhang mit der Emanation dieser Welt des Pleroma vorgetragen? Wurde diese ,,Erde“ in einem mystischen Sinn mit dem Madn identifiziert? Der Cherub auf dem Throne, dessen Aussehen מלאה nach Jech 126 ihn ja wohl als den Urmenschen qualifizieren soll3, kann ebenso wie die Charakterisierung dieser Welt als Madn nur als Erweiterung des Sinnes der פדני oder טרני genannten Welt zugunsten ihrer Einordnung in andere, nicht ursprünglich mit ihr zusammenhängende Gedankengänge der deutschen Chassidim angesehen werden. Denn es ist ja offensichtlich, daß diese Welt überbelastet ist: sie enthält d r e i prinzipiell sehr verschiedene Stufen, die, wenn dieses ganze 5 Welten-Schema nicht von außen herangetragen wäre, in drei Welten hätten lokalisiert werden müssen. Daß der Madn hier gar nicht hergehört, wird schlagend durch die fünfte Frage in der Baraitha erwiesen, die wenigstens mit dem im Talmud angegebenen Sinn des Madn koinzidiert, wenn auch die Lokalisierung des (in Chagiga und sonst) stets einen besonderen (den fünften) Rakia darstellenden Madn als 1 So bei Epstein העולם כלו,, während es in Hs. Br. Mus. העולם הזה כלו heißt. 2 In der Hs. Br. Mus. ist ניהנם in die 9. Frage hineingenommen, so daß nicht klar ist, worauf sich die zehnte, die dann nur lauten würde ומה היא bezieht. 3 Tatsächlich sagt der (vom selben Autor wie der Pseudo-Saadja verfaßte) Kommentar zur Baraitha des Josef ben Usiel ausdrücklich, daß Adam im Bilde dieses Cherub geschaffen sei und beruft sich dafür auf Jech (der Text bei Epstein a. a. O. S. 43 unten). Monatsschrift. 75. Jahrgang. 12

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