Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 75 (1931)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Reste neuplatonischer Spekulation in der Mystik der deutschen Chassidim und ihre Vermittlung durch Abraham bar Chija
- Date
- 1931-01-01
- Page
- Seite 176 (sequence 5)
- Language
- German
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176 die der Mensch begeht, beschmutzt sie sich durch den tierischen Verstand דעת in ihm und wird rot1 und legt Rechenschaft darüber ab, warum sie abgewichen und dem Begehren des tierischen Ver- Standes2 in ihm gefolgt ist. Und das bedeutet das Rot der Sünde in dem Vers Jesaja 118 sowie Jer 222.‘f Daß diese sonderbare Erklärung der fünf Welten, auf deren Kommentierung Abr. Epstein verzichtet hat, nicht mehr die wirkliehen Motive dieser Weltenhierarchie bewahrt hat, sondern daß sich hier irgendwelche ursprünglichen Gedanken aus einem verständlicheren Zusammenhang ins fast Unverständliche zurückgebildet haben, leuchtet sofort ein. Die offenbare Inkongruenz einer als עולם המדע bezeichneten Welt mit der Stufe des tierischen Instinktes (der scheinbar daraufhin künstlich genug als דעת בהמית, die der נפש בהמית entspricht, bezeichnet wird) ist ebenso deutlich wie die falsche Anordnung der beiden letzten Welten, die aber in anderen Handschriften oder Ueberlieferungen dieser Mystiker noch in der richtigen Reihenfolge gestanden haben müssen: die Welt der Seele über der der Schöpfung3. Die sogenannte Baraitha des Josef ben Usiel nämlich4 gibt am Anfang zehn als שרש*ם bezeichnete Grundfragen der Kosmogonie an, über die man nur mit größter Zurückhaltung spekulieren dürfe, und schon Epstein hat erkannt, daß diese Fragen durchaus der Stufenleiter der fünf Welten nach der Erklärung des Pseudo-Saadja entsprechen, ohne daß er aber die aus diesen Fragen klar hervorgehende veränderte Stellung der Welt der Seele nachdrücklicher beobachtet hätte, was ihn zur Erkenntnis des neuplatonischen Charakters dieser Folge hätte bringen können. Diese Fragen lauten dort5: 1]״] Was ist der Geist Gottes? [2] Wie wurde die Erde geschaffen? [3] Wie wurde der Thron der Herrlichkeit geschaffen? [4] Was ist das Aussehen des Cherub6, der auf dem Thron sitzt? [5] Wie wurden die [Engelklassen der] Ofannim, Galgalim, Chajoth, Cherubim, Serafim und der Ma‘011, der im siebenten Himmel ,Araboth ist, geschaffen? [6] Was ist die Seele נשמה des Menschen und der heilige Geist, der auf den Propheten ruht? [7] 1 Genau dieselbe Anschauung in Elasars חכמת הנפש lld, wo auch die beiden bei Ps.-Saadja angeführten Schriftverse in gleichem Zusammenhang vorgebracht werden, worauf auch Epstein a. a. O. S. 6 schon in der Anmerkung hingewiesen hat. Das נכתם in Jeremia 222 wird dabei, wie bei manchen mittelalterlichen Auslegern, von כתם Fleck, Makel abgeleitet. 2 Ich lese mit der Hs. Brit. Mus. אחרי* תאות דעת הבהמה 54ל. 3 In der zwar vollständigen, aber an dieser Stelle sehr schlechten Hs. 754 im British Museum ist עולם היצירה in der Erklärung sogar noch vor עולם המדע gerückt, während in der Eingangs auf zählung die Folge mit den andern Texten übereinstimmt. (Der Name der ersten Welt ist dabei heillos korrumpiert, einmal heißt es עולם הכוכב, das zweite Mal עולם הנודע.) 4 Diesem legendären Urenkel Jeremias wurden im Kreis der deutschen Kabbala viele Schriften zugeschrieben, die ihm durchseinen Großvater Ben Sira offenbart worden sein sollten, darunter ein S. Jezira und ein S. taggin, vergl. die beiden Texte dieser Notiz bei Barges, טפר תנין in S. Sachs> Vorwort S. X aus Hs. Paris 255, und in G. Margoliouths Katalog der Kabbalahandschriften des Brit. Mus. Nr. 7524 (S. 34). 5 Der hebräische Text aus Hs. Oxford 19473 bei A. Epstein a. a. O. S. 7. Ich habe auch die Hs. Brit. Mus. 7549, wo das Stück gleich hinter dem Ps.-Saadja folgt, eingesehen. Die Numerierung der Fragen nach Epsteins Vorgang. 6 In Hs. Br. Mus. מראה הכרוב המיוחד.