Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 75 (1931)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Reste neuplatonischer Spekulation in der Mystik der deutschen Chassidim und ihre Vermittlung durch Abraham bar Chija
- Date
- 1931-01-01
- Page
- Seite 175 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2829132-2829975-2829979-2836795--50455-2836840- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
175 er ließ von dem Strahl seiner Herrlichkeit ein Strahlen vom Westen1 ansgehen, der Seite, vor der keine Wolke ansgebreitet ist2, nnd in dem Bnch der Merkaba-Mischna ist das näher erklärt3; nnd das bedeutet der Vers Gen 17: Gott machte den Rakia‘ — nämlich den besonderen Ma'on (genannten Ort) im Rakia‘4. Die עולם הרברבנות genannte Welt sind nach der Erklärung unseres Lehrers5 die Engel nnd die heiligen Chajjoth und die Ofannim. Die עולם המדע genannte Welt ist die animalische Seele. So wie das Tier seinen Besitzer erkennt, so ist sie im Menschen in der Galle6 sichtbar nnd ist rot7. Die ,,Welt der Schöpfung"8 עולם היצירה ist der Lohn des Gehinnom und der Lohn des Gan Eden. Die Welt der Seele עולם הנפש ist die Seele נשמה, die zu den oberen Wesen gehört9, und bei jeder Sünde, 1 Der Cherub nämlich, der aus dem ״Feuer“ oder der ״Größe“ Gottes stammt, hat seinen Sitz im Osten, während Gottes verborgene ,,Heiligkeit“, die oft damit kontrastiert wird, im Westen wohnen soll. 2 Vor dem Cherub nämlich ist (so nach Elasar von Worms a. a. 0.) ein Vorhang von Glanzerz פרגוד של חשמל ausgebreitet, der den Thron der Herrlichkeit nach drei Seiten, aber nicht nach Westen, umgibt, von welcher Seite ebenseine ״Heiligkeit“ auf seine ״Größe“ ausstrahlt. Dieser פרגוד ist natürlich mit dem ענן des Pseudo-Saadja wesensgleich. Auch hier ist die Lesart der Hs. bei Epstein wie auch in Hs. Brit. Mus. 754 (die עין statt ענן haben) schlechter als die des Druckes. Vergl. auch die Parallelstelle bei Epstein S. 43 aus dem Kommentar zur Baraitha des Josef ben Usiel. 3 In unseren Hechalothtexten findet sich, soweit ich weiß, nichts mehr über diese Cherubmystik, nur in der (von den Mystikern oft zitierten) Stelle im Midrasch Mischte zu Kapitel 10, die aus einem Hechalothtext stammt, hat sich eine Andeutung davon erhalten (Epstein S. 40). Auch in der Baraitha des Josef ben Usiel, die aber erst in den Kreisen der deutschen Chassidim entstanden ist, wird seiner in der vierten kosmogonischen Grundfrage Erwähnung getan (siehe oben im Text). Und auch der Midrasch Mischle weiß nichts davon, daß der Cherub auf dem Throne sitzt, also den in Jecheskiel 126 geschauten Sachverhalt decke, und diese Spekulation wie auch der Terminus הכרוב חמיוחד (wohl um den Unterschied von den sonst stets genannten zwei Cherubim hervorzuheben), dürfte erst später (in Deutschland?) entstanden sein. Vergl. aber auch Mass. Hechaloth Cap. 7 (Bet ha-Midrasch II, 45), wo in der Tat Cherub und Ma‘on als Bezirke im höchsten Himmel Araboth erwähnt scheinen. 4 Siehe weiter unten die Parallele aus Pseudo-Josef ben Usiel, aus der hervorgeht, daß ein Ma£on genannter Ort im siebenten, obersten Rakia gemeint ist. 5 Im Druck fälschlich ופירשו רבותינו statt des רבינו der Hs. Gemeint ist mit diesen sehr häufigen fiktiven Anführungen (meistens פר״ם) Saadja Gaon, während, wie schon Steinschneider gezeigt hat, viele davon aus Sabbataj Donnolos Schriften stammen (Magazin f. d. Wissensch. d. Judent. 1892 S. 80—82). Natürlich steht weder bei Saadja noch bei Donnolo etwas über dieses Welten- Schema, dessen Charakter übrigens auch dem geübten Auge Steinschneiders, der ihm S. 83 nur ein paar Worte widmet, entgangen ist. 6 Dieser Text dürfte kaum richtig sein. Sowohl nach dem Zusammenhang der Stelle, der auf die מרה אדומה und ihren Sitz weist, als nach den Parallelstellen auch aus dem engsten Kreis der deutschen Chassidim, ist als Sitz der im Blut fixierten animalischen Seele die Leber anzusehen. So sagt auch Elasar von Worms ausdrücklich in seiner Psychologie חכמת הנפש (Lemberg 1876) Bl. 7c, und diese Anschauung findet sich bis ins 18. Jahrhundert hinein in beliebig vielen Schriften vertreten. Sie stammt natürlich aus der alten Psychologie und Medizin. 7 Farbe des Blutes als Träger des Lebens. 8 Siehe aber weiter unten über die wahre Bedeutung dieses Begriffs. 9 שהיא מן העליונים eher noch zu übersetzen ״die aus den Oberen herstammt“. Die Neschama ist der oberste Seelenteil, und das Wort wird von den jüdischen Neuplatonikern oft als Synonym für נפש השכלית gebraucht, wie es zweifellos auch hier zu verstehen ist.