Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 75 (1931)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Reste neuplatonischer Spekulation in der Mystik der deutschen Chassidim und ihre Vermittlung durch Abraham bar Chija
- Date
- 1931-01-01
- Page
- Seite 174 (sequence 3)
- Language
- German
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174 der Mantuaner Editio princeps des Buches Jezira (1562, Bl. 94d) uhd der von Epstein herangezogenen Müchener Hs. 401 verderbt. Epstein vermutete, daß es statt des unverständlichen פ׳״ר בם4 צח ואשור (oder צח אשל) heißen müsse 0' יצירה אחר ,,im andern Buch Jezira“, womit eben auf jene Zusätze oder veränderte Jezirarezension verwiesen sei, in denen Elasar von Worms (den M. H. Landauer für den Lehrer des Pseudo-Saadja halten wollte) die Lehre von den Weltenstufen nach seinem Zeugnis gefunden hat. Diese Konjektur Epsteins ist aber ebenfalls, wie unten erwiesen werden wird, falsch, und die wahre Bedeutung dieser Introduktionsformel wird sich überraschend genug nach ganz anderer Richtung hin auf klären. Während in unserem Jeziratext am Ende des ersten Kapitels zu den vier dort aufgezählten symbolischen Zahlen der Elemente2 noch die sechs Raumrichtungen treten, um die Zahl der zehn Sephiroth voll zu machen, gewinnt Pseudo-Saadja diese sechs Restsephiroth auf ganz andere Weise. Er schiebt nämlich vor den sechs Raumrichtungen, die hier nur als eine, und zwar die letzte, Sephira betrachtet werden, noch fünf Welten ein, von denen eine bei Elasar von Worms ausgefallen ist. ,,Und folgendes sind die fünf Welten: 1. עולם הטרגי (Hs. München עולם הטדני; das ר wird sich aber als gut begründet erweisen), 2. עולם הרברנות (sic! In der Erklärung heißt es aber nachher ganz richtig רברבנות. Hs. München hat fTOVOt), 3. עולם המדע (Hs. München עולם .5 ,(3עולם היצירה .4 ,(עולם המודעי הנפש.“ Die Erklärung, die nun im Namen des R. Saadja über die Bedeutung dieser Welten gegeben wird, ist höchst verwirrend, da sie ganz beziehungslos verschiedene theologische Motive damit zu verbinden scheint: ,,Der Name der עולם הטרד genannten Welt drückt Lobpreisung, nach anderen Verbeugung השתחויה aus. Gottes Herrhchkeit כבוד nämlich füllt die ganze Welt mit Stimme, Geist und Rede4. Wenn aber kein besonderer Ort da ist, um ihn zu loben und zu verherrlichen, wo sollen ihn die Oberen (die Engel) preisen! So schuf er den Ma‘on genannten Ort und den Thron5 und den besonderen Cherub, der auf dem Thron seiner Herrlichkeit sitzt6, und 1 Der Text der Münchener Hs., den Epstein החוקר II S. 6 abdruckt, ist aber im allgemeinen (gegen E.s Einschätzung) durchaus schlechter als der der Mantuaner Ausgabe. In der andern Münchner Hs. 115 fehlt diese Introduktion der Stelle. Ich habe auch die Hs. British Museum (Margoliouth 54ל) eingesehen. 2 Eins — der Geist Gottes; Zwei — Geist (== Luft) aus Geist; Drei — Wasser aus Geist; Vier — Feuer aus Wasser. 3 Diese Welt ist bei Elasar von Worms ganz ausgefallen. 4 Dies קול רוח ודבור ist eine Anspielung auf Jezira I 9, wo es in schwer durchschaubarem Zusammenhang mit der ersten Sephira steht, die dort freilich nicht die &0'£a, sondern das Trveuua Gottes ist. 5 Im Druck und der Hs. Brit. Museum מעון וכסא 54ל richtiger als מעון לכסא der Hs. München 40. Unter den Ghagiga 12b genannten 1 Himmeln ist Mabn der Sitz der Gott lobpreisenden Engelscharen. 6 Dieser כרוב המיוחד spielt in den Spekulationen der deutschen Chassidim eine große Holle. Ihn erblickte der Prophet auf dem Throne. Er wird als eine besondere Emanation aus Gottes ,,großem Feuer“ angesehen, die noch weit über den Engeln steht, z. B. in Elasar von Worms5 שערי הסוד S. 13—14. Die Vorstellung stammt wohl aus der Merkaba-Vision in Jecheskiel 10, wo mehrfach nur von ״dem Cherub“ im Singular die Rede ist.