Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 75 (1931)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Reste neuplatonischer Spekulation in der Mystik der deutschen Chassidim und ihre Vermittlung durch Abraham bar Chija
- Date
- 1931-01-01
- Page
- Seite 173 (sequence 2)
- Language
- German
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173 gewiesen werden, daß auch zu den deutschen Chassidim spätestens im 12. Jahrhundert neuplatonische Spekulationen gelangt sind, die in einer sonderbaren Rückbildung und unter Verlust ihres ursprüngliehen Sinnes eine ihrer Hauptanschauungen bestimmt haben. Elasar von Worms erwähnt in seinem theologischen Kompendium 1שערי הסוד והייחוד והאמונה eine Stufenfolge der Welten, die in ihren verschiedenen Fassungen einen ganz unverständlichen Eindruck macht. Er sagt in den Ausführungen über Gottes ,,Heiligkeit“, die hier als eine besondere, emanatistisch gedachte, Modifikation des כבוד, der Herrlichkeit Gottes, erscheint, diese Aura von Gottes Majestät und Heiligkeit heiße im Buch Jezira1 2 עולם המודי und gehöre zu den 4 Welten, die die 10 Sephiroth seien, nämlich 1. עולם עולם הנפש .4 ,עולם המדע .3 ,עולם הרברבנות .2 ,המודי. statt מודי heißt es in einem Paralleltext, einem angeblichen Stück aus der in den Kreisen dieser deutschen Chassidim zirkulierenden Baraitha des Josef ben Usiel, das aber in Wirklichkeit nur eben jenes Stück aus Elasar von Worms ist3 4, noch rätselhafter טדני (Hs. Leipzig 30 Bl. 124, nach Epstein), in andern Handschriften טרני (so in der von Alter Noa Katz in נתיבות חן, London 1899, Bl. 27a gedruckten). Aber Epstein hielt die Lesart עולם הטדני für ursprünglich, da Elasars (und die noch zu erwähnenden pseudo-saadjanischen) Erklärungen des Wortes als לשון שבח ומהלל sie wohl voraussetzen. Ja, er sieht in dem lange vor R. Elasars Zeit in Deutschland verfaßten Vers einer bekannten Keroba zum Morgengebet des Versöhnungstages 4כי טפסרי טוהר בטעמם יטידוך eine Andeutung auf die Engelscharen in der Welt טדני, von der der Pajtan das Verbum טוד erst gebildet haben soll5. Statt רברבנות führt Alter Noa Katz in נתיבות חן aus der von ihm benutzten Handschrift die Lesart עולם הדברנות an, die wir noch einmal wiederfinden und zu besprechen haben werden. Diese so undurchsichtige Spekulation findet sich nun in einer noch ausführlicheren Form in dem Jezira-Kommentar des sogenannten Pseudo-Saadja wieder, dessen Kompilator ein jüngerer Zeitgenosse des Elasar von Worms gewesen zu sein scheint, und in den jedenfalls ein aus dieser Zeit herrührender, auch in andern Quellen noch selbständig belegter pseudo-saadjanischer Kommentar hineinverarbeitet worden ist6. Der Anfang des betreffenden Stückes ist in 1 Gedruckt in Sterns כוכבי* יצחק Heft 27, die hier zu besprechende Stelle S. 14, auch bei Epstein a. a. 0. S. 4—5. 2 D. h. in einem Jeziratext, in dem sich große, sehr merkwürdige Zusätze befanden, deren Herkunft auch Epstein nicht aufgeklärt hat. Solch erweiterter Text wird schon von Raschi zitiert. Natürlich können die Zusätze zu ganz verschiedenen Zeiten gemacht worden sein. 3 So schon bei Epstein S. 42. 4 In dem mit כי אתקי אש beginnenden Piut des R. Meschullam b. Kalonymus, das aber in den Kreisen der deutschen Chassidim dem R. Kalonymus zugeschrieben wurde (Zunz, Literaturgeschichte S. 108). 5 Vergl. aber über dies Wort schon die Epstein entgangenen langen Ausführungen von J. Perles in seinen Beiträgen zur Geschichte der hebräischen und aramäischen Studien S. 63—67. 6 Siehe über diese Verhältnisse, auch über das Pseudo-Saadja’s zu Elasar von Worms A. Epstein in der Monatsschrift 37 (1893) S. 75—78, 115—118. Hier erwähnt er übrigens noch nichts von seiner sonderbaren Hypothese über das hohe Alter des Terminus עולם הטדני.