Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 75 (1931)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Neue jiddische Literatur [Rezension]
- Date
- 1931-01-01
- Page
- Seite 171 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2829132-2829975-2829979-2836793--50449-2836836- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
171 ruhenden Aktenmaterialien. Er sieht aber nicht recht den Unterschied zwischen v. Schrötter und Friedrich Wilhelm III., sowohl in bezug auf ihre Ansichten über die Kolonisation in Polen überhaupt1, wie auf die Judenfrage im besonderen. Schrötter bezeichnete sich selbst als besten Freund der Juden2 und meinte die Sache ernst. Die Arbeit Landsbergers über dasselbe Thema3 blieb, wie es scheint, unserem Verf. unbekannt. Es befinden sich dort noch außerdem verschiedene kleinere Beiträge und veröffentlichte Urkunden historischen Charakters. J. Lestschinsky will in feiner Arbeit (י*♦ לעשצינסקי ♦ די אנהויבן פון דטר טמיגראציט און קאלאניואציע ביי יידן אין .19 י״ה Berlin 1929) aus den in verschiedenen Zeitschriften erhaltenenNotizen über jüdische Aus- und Einwanderungen, ein Bild von diesen Wanderungen in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts geben. Zuerst waren es die deutschen Juden, die nach Frankreich und England und später nach Amerika auswanderten. Nach ihnen begannen auch die Juden in den an Preußen geschlagenen polnischen Provinzen, wie auch aus dem übrigen Polen und Rußland, ihr Glück in fremden Ländern zu suchen. Aus verstreuten Nachrichten aus den 40er und 50er Jahren schließt L. mit Recht auf Wanderungstendenzen und sogar Tatsachen. Andere von ihm nicht benutzte Quellen und Archivmaterialien weisen auf eine Emigration der polnisch-russischen Juden in dieser Zeit hin4. Montefiore wurde zu seiner Reise nach Rußland im Jahre 1846 nicht durch die unklare Wendung Philippsohns in der A. Z. d. J. (1845, S. 46 ff.) angeregt, sondern durch Forderungen, die schon früher an ihn ergangen waren. (1844 wurde er aufgefordert, sich der russischen polnischen Juden anzunehmen5. 1842 lud ihn Lilienthal nach Rußland ein6 und im selben Jahre bat ihn die Warschauer jüdische Gemeinde um Fürsprache beim Zaren7.) Für die Schulen in Polen mit jiddischer Unterrichtssprache haben R. Mahler und E. Ringelblum mit der Herausgabe von Quellen für den Geschichtsunterricht begonnen8. Heft 1 a (Warschau 1930, 60 S. in 8°) enthält eine Auswahl von Quellen zur mittelalterlichen jüdischen Geschichte in Osteuropa. Dem Text sind reichlich erklärende Anmerkungen beigegeben. Man darf aber beanstanden, daß die Verf. als eine der ersten Quellen über Juden in Polen, einen Auszug ausGod. Pol. Min. Nr. 60herange zogen haben, in dem Boleslaus der Schamhafte in seiner Gründungsurkunde für das Gistercienserkloster in Koprzywnice vom Jahre 1262 hervorhebt, daß sie alle Art Menschen außer Juden ansiedeln dürften. Zunächst handelt es sich doch hier nicht um polnische Juden, da die Cistercienser zum größten Teil Leute aus Westeuropa kolonisierten. Außerdem sind hier die Worte ,,außer Juden“ wohl mehr eine formelle Wendung der Urkunde, als ein tatsächliches Verbot für eine solche Ansiedlung, die für diesen Orden kaum in Betracht kommt. 1 Vgl. Müller ib. S. 34 ff. 2 R. Schmidt ibid. S. 24 Anm. 7. 3 Jüd. Acker wirte zu Südpreußischer Zeit in: Historische Monatsblätter für die Provinz Posen. Posen 1900. S. 177 ff. 4 Genaueres in Kapitel I meiner erwähnten Arbeit. 5 Simon: Die Juden in Rußland. Hamburg 1844. Einleitung. 6 Perezitoe, Bd. IV, S. 150 ff. 7 Kwartalnik poswi^csny badaniu przeszlosci Zydöw w Polsce. Warschau 1912, I, H. 1, S. 76, 91 ff. .נפקליבענט מקורים צו דער געשיכטע פון יידן אין פוילן און מזרח אייראפא 8