Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 75 (1931)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Neue jiddische Literatur [Rezension]
- Date
- 1931-01-01
- Page
- Seite 168 (sequence 8)
- Language
- German
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- Minsk 1× ep/1000754
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168 ausgefallen, wenn er zum Vergleich auch auf die Verordnungen der polnischen Synode1 eingegangen wäre; M. Wischnitzers Arbeit über die jüdischen Hand־־ werker zünfte in Polen, Litauen und Weißrußland im 17. bis 18. Jahrhundert2 bereichert das Problem der jüdischen Zünfte noch um einige Einzelheiten. Es wäre noch nötig gewesen, die Frage zu streifen, inwiefern die jüdischen Zünfte einen christlichen Zunftmeister zu halten verpflichtet waren, was aus einigen Quellen hervorzugehen scheint3. S. Ginsburg bietet in seiner Arbeit über das Aufkommen der jüdischen Rekruteneinziehung in Rußland eigentlich mehr als der Titel besagt. Er bringt den Nachweis, daß Nikolaus I. nicht so sehr seine Regimenter durch jüdische Soldaten vergrößern wollte, als vielmehr in der Rekrutierung ein Mittel sah, die Juden der Taufe zuzuführen. Darin liegt auch der Grund der Einziehung kleiner Kinder. In den Jahren 1833—1854 seien 21 043 jüdische Kinder in die Kantonistenabteilungen eingereiht worden. Diese Zahl ist aber noch nicht endgültig, denn G. behandelt nur Rußland, und auch in Polen, in dem die Militärpflicht für die Juden im Jahre 1843 eingeführt wurde, sind kleine Kinder in die Kantonistenabteilung eingeliefert worden. S. Borovoj und A. Busche witsch liefern Beiträge zur Geschichte der jüdischen landwirtschaftlichen Kolonisation im 19. Jahrhundert und J. Ugorski und A. Kaz Arbeiten über die Lage der jüdischen Landwirtschaft in Weißrußland. Noch einige kleinere Abhandlungen und Archivmaterial, hauptsächlich aus den Minsker Archiven, bilden den Abschluß des historischen Teils dieses Buches4. Für die Geschichte der sozialistischen Bewegung und der Juden in Osteuropa begann die Jüdische Abteilung der Weißruthenischen Akademie spezielle Sammelbücher unter dem Titel ,,Rote Blätter" (חיטצ בלע&צר) herauszugeben. Band 1 (Minsk 1929) liegt jetzt vor und enthält eine Reihe teilweise wert־־ voller Artikel und Materialien, größtenteils Memoiren über die jüdische revolutionäre Bewegung. Die Herausgeber sind sich selbst bewußt, daß diesem Sammelband Richtlinie und Systematik fehlen, und begründen dies mit den ungünstigen Umständen, unter denen man den Satz dieses Bandes im Jahre 1925 begann. Man darf ihnen deswegen wohl auch nicht zur Last legen, daß sie die Memoiren nicht mit kritischen Einleitungen und Apparat versehen haben, wie es bei einer akademischen Ausgabe sein sollte. Die Resultate der Zählung vom Jahre 1926 in bezug auf die jüdische Bevölkerung Weißrußlands werden in den von der sozialökonomischen Kommission der Jüdischen Abteilung der Weißruthenischen Akademie veröffentlichten statistischen Mate- 1 L. Lewin: Die Landessynode der großpolnischen Juden. 1926. 2 Veröffentlicht auch in Vierteljahrschrift für Sozial- und Wirtschaftsgeschichte 1928, S. 433 ff. 3 Evrejskaja Biblioteka VIII. Petersburg 1880. S. 17—18; Evrejskaja Starina. Petersburg 1911. S. 290. 4 Ueber die anderen dort vorhandenen Arbeiten wird noch berichtet werden.