Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 75 (1931)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Neue jiddische Literatur [Rezension]
- Date
- 1931-01-01
- Page
- Seite 167 (sequence 7)
- Language
- German
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167 sicherlich die erste Zeile (pbttp אין חסידיש בניה המדרשיל אין) dienen. In jener Zeit befanden sich nämlich weder Juden noch ein Beth-hamidrasch in Kielee. Als man im Jahre 1843 die Militärpflicht für die Juden in Polen einführte, konnte man in der Kreisstadt Kielee weder Synagoge noch Beth-hamidrasch oder Rabbiner zwecks Vereidigung der jüdischen Rekruten finden, so daß man diese in dem Städtchen Checiny vornehmen mußte1. Es ist daher unmöglich, daß ein Jude aus Zamosc oder Lublin und dazu noch einer, der sich mit moderner Bildung befaßt hat, nicht wissen sollte, daß es in Kielee keine Juden gab. Er würde dann diese Stadt auch des Reims halber (קעל^/ בעלץ) nicht nennen, dagegen konnte ein Jude aus Galizien die Kielcer Verhältnisse nicht kennen. Auch die Widmung an Dr. Ettinger beweist nichts; war er doch in den Jahren 1825—30 in Lemberg und unser Verf. konnte einer seiner dortigen Freunde gewesen sein. Im selben Band werden noch eine Reihe Archivmaterialien durch J. Schatzky, M. Balaban, P. Cohn, E. Tscherikower u. a. veröffentlicht. Bei einigen ist der historische Zusammenhang der Urkunden nicht genügend beleuchtet. So verlangt Cohns Einleitung zu dem von ihm veröffentlichten ,,Lob- und Danklied der Judengemeinde zu Mohilew“ anläßlich des Besuches Katharinas II. im Jahre 1780 einige Korrekturen. Solche Loblieder haben nicht nur die Juden in Mohilew, sondern auch die in Polockund Schklow drucken lassen. Die ersteren haben ihr Loblied in hebräischer, deutscher und französischer, die letzteren in hebräischer und deutscher Sprache unter dem Titel ,,Freudengesang der Judenschaft zu Scklow beym Durchzuge ihrer Kaiserlichen Majestät Katharina II. Selbstherrscherin aller Reussen“ veröffentlicht. Teile dieser Loblieder sind bereits bei Bacmeister2 abgedruckt. Die Frage des Druckortes wird jetzt auch nicht mehr schwer zu lösen sein, da auf dem Loblied von Polock ,,Königsberg 1780 gedr. bey Gottlieb Lebrecht Hartung“ angegeben ist3. Es ist weiter fraglich, ob die Oden zu Ehren Katharinas als ein Dank für die den Juden gegebene Erlaubnis, sich in den Kaufmannsstand einzutragen aufzufassen sind, oder ob die Initiative zu den Lobliedern von der dortigen russischen Behörde ausging, die lange Zeit vorher die Reise Katharinas vorbereitete4. Den Autor der Ode der Mohilewer Gemeinde muß man auch nicht unbedingt in Schklow suchen; sie konnte ebensogut im Druckort Königsberg abgefaßt sein5. Im Band II—III der ״Zeitschrift“ hrsg. von der Jüdischen Ahteilung der Weißruthenischen Akademie in Minsk (צייטשריפט Bd. II—III, Minsk 1928) beschäftigt sich J. Sosi.s mit der litauischen Landessynode. Er analysiert die Ver- Ordnungen, die im Pinax erhalten sind6 und versucht dort die Spuren der sozialen Gegensätze innerhalb der jüdischen Gemeinden aufzudecken. Als Vergleich werden manchmal auch andere Quellen (Responsen, Urkunden) herangezogen. Das Resultat wäre fruchtbarer 1 A. A. A. W. Akten der Innenkommission 9460, Nr. 16285, 13444. 2 H. L. Chr. Bacmeister: Russ. Bibliothek zur Kenntnis des gegenwärtigen Zustandes der Literatur in Rußland. Petersburg, Berlin, Leipzig 1780. Bd. VI, 8. 550 ff., VII, S. 179 ff. Vgl. auch B. Bilbassoff: Katharina II. im Urteile der Weltliteratur. Uebers. von Schiemann. Berlin 1897. Bd. I, S. 321, Nr. 378/9. 3 Bacmeister ib. VI S. 550. Bilbassoff führt als Druckort für das Loblied der Mohilewer Gemeinde Mohilew an (S. 321, Nr. 378). Seine Quelle aber (Bacmeister) gibt keinen Druckort an. 4 Vgl. Lehtonen: Die poln. Provinzen Rußlands unter Katharina II. Berlin 1907. S. 607. 5 In Bilbassoff I S. 321, Exemplar der UB. Breslau (Hist. russ. I oct. 291 v.) findet sich eine handschriftliche Randbemerkung, die von der Hand des Historikers G. Fr. Preuß stammen soll, wonach Moses Mendelssohn der Verf. des Lobliedes der Schklower Juden sein soll. Seine Quelle ist wohl Kohut: Jüd. Kulturskizzen, Prag, S. 104, der aber seine Behauptung nicht weiter belegt. 6 פנקס מדינת ליטא, hrsg. v. Dubnow. Berlin 1925.