Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 75 (1931)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Neue jiddische Literatur [Rezension]
- Date
- 1931-01-01
- Page
- Seite 166 (sequence 6)
- Language
- German
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166 Die Arbeit vonE. Ringelblum über die Juden in Warschau im Mittelalter schließt die Reihe der Forschungen zur älteren jüdischen Geschichte ab. Bis jetzt fehlte noch eine Geschichte der Juden in Warschau und R.s Arbeit ist um so wertvoller, als sie auf Grund eigener Archivforschungen abgefaßt ist. N. Gelber veröffentlicht die Memoiren des Moses Porges über die Frankisten in Offenbach. Sie sind von Wert als Quelle für die Geschichte der Frankistenbewegung nach Franks Tod unter Führung seiner Tochter Eva. Ein gewisses Interesse bietet die Korrespondenz zwischen Ferdinand Lassalles Großvater und Vater mit anderen Verwandten, die hier mit einem Begleitwort von Gustav Meyer und E. Tscherikower zum Abdruck gelangt. Die Angaben Brauns (MGWJ 1918, S. 270 ff.) über die Abstammung Lassalles werden durch diese Briefe nach verschiedenen Richtungen hin ergänzt. Man erfährt näheres über seinen Großvater, über die Er- Ziehung seines Vaters u. a. m. Die Briefe werfen auch Licht auf das Leben der Juden in den kleinen Städten Schlesiens (Loslau, Berun) anfangs des 19. Jahrhunderts. A. M e n e s’ Arbeit über die TaufbewegunginPreußen in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts gibt auf Grund von Archivmaterialien sichere Daten für die Jahre 1812—1846. Man kann zunächst ersehen, daß Kandidaten für die Taufe von einer Seite die höheren Klassen und die Gebildeten, von der anderen Seite die niedrigen Schichten stellten. Dagegen blieb die jüdische Mittelschicht fast unberührt. Die Zahlen zeigen, daß die Angaben der Historiker ,,in der jüdischen Gemeinde in Berlin hätte sich bis 1820 oder 1823 die Hälfte der Juden taufen lassen“1 übertrieben sind. Während der Jahre 1812—1846 ließen sich in ganz Preußen 3771 Juden taufen. Dabei waren in der Hauptsache an der Taufe die drei großen Gemeinden Berlin, Königsberg und Breslau beteiligt. Zu N. Gelbers: Die Juden im polnischen Aufstand 18632 liefert J. Schatz ky wertvolle Ergänzungen. E. Tscherikower konnte für seine Arbeit über den Anfang der jüdischen sozialistischen Bewegung das reichhaltige Archiv des ,,Bund“ in Berlin benutzen. Es ist eigentlich die erste Arbeit über dieses Thema, die auf reichem Quellenmaterial fußt. Aus demselben Archiv stammt auch der hier veröffentlichte Pinax der ersten von Liebermann gegründeten jüdischen sozialistischen Gruppe. Die Veröffentlichung der Hs. טעיאטאר פון חסידים gehört wohl nicht ganz in die historischen Schriften, wenn auch dort das Leben und der Kampf der Chassidim in den 30er—40er Jahren des 19. Jahrhunderts geschildert wird. Der Verf. der Einleitung, Dr. Ch. Borodianski, wie auch die Redaktion bemühen sich zu beweisen, daß trotz der Aufschrift געשפילפז געווארן אין לעמבערג die Hs. aus Kongreßpolen (Zamosc oder Lublin) stamme. Sprachliche Eigentümlichkeiten aber weisen auf Ostgalizien hin (זעך/ דעך/ מעך). Als ein Beweis, daß das Ms. nicht in Kongreßpolen geschrieben wurde, kann 1 Grätz: Geschichte der Juden. Leipzig 1870. Bd. 11, S. 171, 444. 2 Wien-Berlin 1923.