Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 75 (1931)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Neue jiddische Literatur [Rezension]
- Date
- 1931-01-01
- Page
- Seite 165 (sequence 5)
- Language
- German
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165 soll. Dies, meint B., bedeutet nur Friedhof und ist eine lateinische Transkription von קבדימ. Aus der Tatsache, daß die Juden den Handel zwischen Regensburg und Kiew über Polen führten, glaubt er auch hier Niederlassungen in sehr früher Zeit finden zu können. Seiner Behauptung, die hebräischen Brakteaten seien in das 10. Jahrhundert zu setzen, fehlt noch der Beleg. Ebenso ist es gewagt, aus der Erzählung über jüdische Gefangene aus פרימום im Sepher ha’Dinim des R. Jehuda ha’Kohen, erhalten in einem Rga des ״Or Serua“1, auf eine Ansiedlung in Przemysl im Jahre 1031 zu schließen. Wenn auch dieses Sepher ha’Dinim R. Jehuda Ha’Kohen aus Mainz, der im IT Jahrhundert gelebt hat, zugeschrieben wird2, ist es noch nicht erwiesen, daß פרימוט von פרימוש Przemysl, das im Jahre 1031 von Russen überfallen wurde, verdruckt ist. Uebrigens ist in den! Rga selbst nur von 3—4 Juden die Rede und nicht von einer jüdischen Gemeinde. Auch ist dort nicht ersichtlich, ob diese Juden in diesem Ort wohnten oder sich nur zufällig da auf hielten. Trotz der zahlreichen Veröffentlichungen über die jüdische Vierländersynode in Polen haben wir durch das Fehlen des Hauptpinax noch kein ganz sicheres Bild von dieser Institution. Dr. J. Schipper gibt eine Reihe Regesten aus polnischen Archiven über den ״Waad“. In einer anderen Arbeit untersucht Sch. die Zusammensetzung des ,,Waad arbah Arazoth“. Auf Grund von Archivmaterialien findet er, daß sowohl im 17. wie im 18. Jahrhundert die Exekutive des großen Waad aus 23 Personen bestand. Außerdem errechnet er, daß im höchsten Gericht 7 Mitglieder saßen und die Delegierten und Schätzer im großen Waad zusammen 40 Mitglieder zählten. Das Material ergäbe somit, daß trotz der verschiedenen Aenderungen in den Gemeinden, die an der Landessynode teilnahmen, der ,,Waad‘‘ immer aus einer Exekutive von 23 Personen und in der Gesamtzahl aus 70 Personen bestanden hat; das wäre eine Nachbildung des kleinen Synhedrion (23) und des großen3. S. D u b n o w veröffentlicht zwei Bekanntmachungen der Vierländersynode vom 17. Jahrhundert, die sich in einem von ihm aufgefundenen Blatt des Originalpinax befinden. Die von S. Rubaschoff veröffentlichten jiddischen Texte von Responsen gehören eigentlich eher in die׳ philologischen Schriften als in die historischen. Wenn auch die hier gebotenen Teile der Responsen als Material oder besser als Schlüssel zu weiteren Forschungen für den Historiker dienen können, so wäre es doch viel zweckmäßiger gewesen, sich auf eine kleinere Periode zu beschränken (es sind hier Responsen vom 15.—18. Jahrhundert veröffentlicht). Es wäre auch besser gewesen, alle jiddischen Texte dieser Periode, oder mindestens alle Texte, die in einer Responsen- Sammlung vorhanden sind, zu bringen und nicht eine Auswahl einzelner Bruchstücke verschiedener Zeiten und Leute zu bieten, die sowohl dem Historiker, wie dem Philologen keine Möglichkeit geben, sich daraus ein klares Bild zu machen. 1 Rga אור זרוע I. 2itomir 1862. S. 196, § 694. 2 L. Zunz: Literaturgeschichte der synagogalen Poesie, S. 611. 3 Uebrigens bestand das große Synhedrion nicht aus 70, sondern aus 71 Mitgliedern.