Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 75 (1931)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Neue jiddische Literatur [Rezension]
- Date
- 1931-01-01
- Page
- Seite 164 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2829132-2829975-2829979-2836793--50442-2836829- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
164 Dr. R. Wassermann macht einige Betrachtungen über die Kriminalität der Juden. Er behandelt das Material aus Deutschland aus den Jahren 1899—1917. Wenn er auch die Bedeutung der Rassen- und individuellen Anlagen für Verbrechen nicht leugnet, kann man aus den angeführten Statistiken nur sehen, daß Juden bei schweren Verbrechen weniger als Nichtjuden, dagegen bei leichteren und bei Geldsachen mehr beteiligt sind* 1. Ihr Anteil entspricht aber dem der den gleichen sozialen Schichten angehörigen Nichtjuden. J. Koralnik handelt in einer größeren Arbeit über Sonderheiten der Mortalität und Morbilität der Juden, in der er nachzuweisen versucht, daß man bei Juden weniger von einer Rassenimmunität oder -Veranlagung sprechen könne, als daß vielmehr der jeweilige Quotient von der sozialen Lage der jüdischen und nicht jüdischen Bevölkerung abhängig sei. S. D u b n o w gibt einen Ueberblick über die Probleme der jüdischen Wirtschaftsgeschichtsschreibung. Man habe sich damit bisher wenig beschäftigt und viel mehr politische und Kulturgeschichte getrieben. Nur das Mittelalter ist teilweise von Caro bearbeitet. Die Erforschung der hellenistisch-talmudischen Periode und der Neuzeit, die noch ganz unbearbeitet ist, steht noch aus. Außerdem befinden sich noch in diesem Band verschiedene Materialien und Notizen zur Statistik und Wirtschaftsgeschichte der Juden im 19. und 20. Jahrhundert. Der erste Band Schriften der historischen Sektion (היסטארישע שריפטן I, Warschau 1929, 828 Sp. jidd. und 43 deutsch [Zusammenfassungen]), ist von E. Tscherikower redigiert. Der Aufsatz über Nathan Hanower stammt aus der Feder des im Jahre 1926 verstorbenen J. Israelsohn. Es ist hier zum ersten Male eine eingehende wissenschaftliche Biographie von Hanower, dem Verfasser des יון מצולה, gegeben. Mit Recht weist I. darauf hin, daß Hanower in יון מצולה im Gegensatz zu den anderen jüdischen Chronisten Verständnis für geschichtliche Ereignisse und Kausalzusammenhänge zeigt. Eine Uebersicht über die Werke H.s beschließt diese Arbeit. S. Dubnow veröffentlicht die Texte des מעשה גדולה מן אומן ומן אוקריינא, das die Quelle für die Geschichte der Judenmetzeleien in der Ukraine des Jahres 1768 bildet. In der Einleitung, die im Jahre 1921 abgefaßt ist, merkt man, daß der Verf. unter dem frischen Eindruck der Judenpogrome in Südrußland stand. Man kann ihm daher auch keine Vorwürfe machen, daß er die Texte wenig mit historischen Kommentaren versehen hat. Dr. J. Brutzkus will in seiner Arbeit über die ersten Nachrichten von Juden in Polen solche im 11. Jahrhundert finden. Er weist, und mit Recht, die Beweisführung von Gumplowicz zurück, der die Herrschaft der Chasaren aus dem Stamm Kavary im Polen des 10, Jahrhunderts einsetzt, worauf der in Chroniken und in Urkunden vorkommende Name Cawiary hinweisen 1 Aehnliehe Erscheinungen lassen sich aus Warschau um die Hälfte des 19. Jahrhunderts nachweisen. Genaueres darüber in meiner Arbeit über die Kriminalität der Juden in Warschau in den Jahren 1842—1853, die im Rd. 2 der Schriften für Wirtschaft und Statistik erscheint. I